Kabarett-Nummer: „Die heilige Ehe – oder wie die Kirche sich die Liebe klaute“

Antworten
Benutzeravatar
Carol Rose
Beiträge: 168
Registriert: 11 Sep 2019, 09:27
Wohnort: Münster
Kontaktdaten:

Kabarett-Nummer: „Die heilige Ehe – oder wie die Kirche sich die Liebe klaute“

Beitrag von Carol Rose » 15 Apr 2025, 13:18

Kabarett-Nummer:
„Die heilige Ehe – oder wie die Kirche sich die Liebe klaute“

Vorhang auf, ich, sie steht auf der Bühne, Mikro in der Hand, ein schelmisches Grinsen im Gesicht. Der Saal brummt vor Erwartung. Ich leg los wie eine Rakete.
Meine Damen und Herren, schnallt euch an, heute gibt’s Geschichte mit Schmackes! Thema: die Ehe – dieses angeblich „heilige Sakrament“, das die Kirche wie einen goldenen Pokal in die Luft hält. Aber, Überraschung: Die Ehe war schon da, lange bevor irgendwer „Halleluja“ gesungen hat! Ich zwinkere ins Publikum. Spoiler: Die Kirche hat sie sich geschnappt wie ein intergalaktischer Schwarzmarkthändler!
2015, überall auf der Welt – Berlin, Boston, Paris, Pretoria – tobt die Schlacht um die gleichgeschlechtliche Ehe, die „Ehe für alle“, die „Marriage Equality“. Plötzlich stehen sie da, die Moralapostel, mit Rosenkränzen und Megafonen, und heulen: „Die Ehe ist heilig!“ Heilig? Ich stemme die Hände in die Hüften. Leute, die Ehe war mal so heilig wie ein römischer Viehmarkt oder ein babylonischer Handelsvertrag!
Lasst uns zurückdüsen ins antike Rom, wo alles begann – oder zumindest, wo’s gut dokumentiert ist. Die Ehe? Ein Deal! „Du gibst mir deine Tochter und ’nen Haufen Olivenbäume, ich geb dir ’ne Villa und ’nen Sklaven.“ Liebe? Optional, wie Oliven im Salat. Scheidung? Easy! Der Mann sagte: „Pack deine Tunika und ab mit dir!“, und die Frau war Geschichte. Oder sie selbst zog den Schlussstrich, wenn sie ’ne sine manu-Ehe hatte. Kein Priester, kein Tempel, nur ein Vertrag, unterschrieben mit Wein und Handschlag. Ich mime einen Römer, der mit einem Kelch anstößt. Die Römer hätten über „ewige Treue“ gelacht wie Karl Valentin über ’nen Steuerbescheid!
Und das war nicht nur Rom! In Ägypten gab’s Eheverträge auf Papyrus, in Mesopotamien wurde geheiratet, bevor irgendwer von Monotheismus träumte. Die Ehe war ein globales Ding – mal für Macht, mal für Kinder, mal für Cash. Religion? War nur die Deko, wie Petersilie auf ’nem Schnitzel! Gelächter im Saal.
Dann kam das Christentum, und – zack! – die große Übernahme. Die Kirche sah die Ehe und dachte: „Hübsches Ding, das klauen wir!“ Plötzlich war die Ehe kein Vertrag mehr, sondern ein „göttlicher Bund“. Unauflöslich, mit dem Mann als Boss und der Frau als Fußnote. Patriarchat, schön verpackt in Weihrauch und Chorgesang. Die Ehe, die vorher frei zwischen Menschen geschlossen wurde, wurde zur Fessel – besonders für Frauen, die oft keine Wahl hatten, außer „Ja, ich will“ zu sagen oder ins Kloster zu gehen. Ich schüttel den Kopf. Das war kein Sakrament, das war Machtpolitik mit Trauschein!
Und dann, 2015, als die Welt endlich kapiert: „Liebe ist Liebe, egal wer wen liebt!“, drehen die Tugendwächter am Rad. Demonstrationen überall! In Berlin die „Demo für alle“ – klingt nett, ist aber ’ne Mogelpackung. In Paris die „Manif pour tous“, selbes Spiel. In den USA wedeln Evangelikale mit Bibeln. Und was steht auf den Schildern? Ich stell mich hin, als hielte ich ein Plakat.
„Schützt die traditionelle Familie!“ – Welche Tradition? Die, wo Frauen wie Vieh getauscht wurden?
„Ehe = Mann + Frau!“ – Sagt wer? Der Kaiser von Rom oder der Pharao von Ägypten?
„Gott hat die Ehe geschaffen!“ – Ach, und vorher haben die Menschen einfach so in Höhlen gekuschelt, ohne Regeln? Ich grinse breit.
Und mein Liebling, gesehen in Washington: „Homosexuelle Ehe zerstört die Zivilisation!“ – Klar, weil zwei Frauen, die sich lieben, schlimmer sind als Vulkanausbrüche oder Steuererhöhungen! Der Saal lacht.
Ich hab die Demos mitgekriegt, Leute. In Berlin liefen sie am Brandenburger Tor, mit Transparenten: „Kinder brauchen Vater und Mutter!“ In Paris blockierten sie die Champs-Élysées, mit rosa-blauen Fahnen und Sprüchen wie „La famille, c’est sacré!“ In Rom, direkt vor dem Vatikan, brüllten sie: „Matrimonio è uno!“ – Ehe ist eins, nämlich Mann und Frau. Und überall das Gejammer: „Die Ehe wird entweiht!“ Entweiht? Ich lege die Hand ans Ohr. Hört ihr das? Das ist Kleopatra, die sich im Grab umdreht und ruft: „Ihr habt doch keinen Schimmer, was Ehe früher war!“
Die Heuchelei ist zum Brüllen! Da stehen sie, die Nachfahren derer, die die Ehe aus den Händen von freien Menschen rissen und sie zur Unterdrückungsmaschine machten, und tun so, als wäre sie ihr Heiligtum. Die Ehe, die sie zu ’ner Pflicht für Frauen machten, zu ’nem Käfig für Liebe, zu ’nem Werkzeug gegen alles, was nicht in ihr Schema passt. Und jetzt, wo zwei Menschen – egal welchen Geschlechts – einfach lieben wollen, ist das „Sünde“? Ich mime einen empörten Pfarrer. Das ist, als würde ein Pirat klagen, dass jemand sein geklautes Schiff mit Regenbogenfarben anmalt!
Was mich an diesen Demos echt genervt hat? Die Selbstgefälligkeit. In Deutschland hatten die Gegner Plakate mit Bibelzitaten, als wäre die Bibel ein Gesetzbuch und nicht ’ne 2000 Jahre alte Anthologie. In Frankreich sangen sie Kirchenlieder, während sie queere Paare als „unnatürlich“ beschimpften. In den USA zitierten sie die Verfassung, als hätten die Gründerväter was gegen schwule Hochzeiten. Und überall diese Panik: „Die Ehe wird zerstört!“ Zerstört? Die Ehe hat Kriege, Hungersnöte und römische Orgien überlebt – die packt auch ’n paar Regenbogenfahnen! Ich schlage die Faust in die Luft.
Lasst uns Klartext reden: Die Ehe ist kein Museumstück, sondern ein Chamäleon. Sie war ein römischer Deal, ein ägyptischer Vertrag, ein mesopotamisches Versprechen – lange bevor die Kirche sie mit Weihwasser bespritzte. Heute ist sie, was wir draus machen: ein Bund zwischen zwei Menschen, die sich lieben. Punkt. Und wenn die „Demo für alle“-Leute oder die Vatikan-Fans das nicht schnallen, sind sie nicht die Hüter der Ehe, sondern die Wärter eines Staubregals, das keiner mehr besucht! Der Saal tobt.
Also, meine Lieben, wenn euch das nächste Mal jemand erzählt, die Ehe sei „heilig“ und nur für Mann und Frau, sagt ihnen: „Geh zurück zu den Römern und lern, was Ehe wirklich war!“ Die Ehe gehört uns allen – hetero, homo, bi, pan, was auch immer. Liebe ist kein Dogma, sondern ein Recht. Und wenn das nicht rockt, dann weiß ich auch nicht! Ich werfe das Mikro in die Luft, der Saal explodiert vor Applaus.
Vorhang fällt.

Bild

Antworten

Zurück zu „Patriarchat“