wenn es gegen Sexarbeit geht, sind wir in der Politik

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Carol Rose
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wenn es gegen Sexarbeit geht, sind wir in der Politik

Beitrag von Carol Rose » 27 Sep 2020, 06:49

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So hat Sexarbeit fast mein Leben zerstört! - so titelt ein Youtube-Video vom 26. September 2020, eines YT-Kanals mit 160 TSD Abonnenten.

Ja, die Haltung zu Sexarbeit ist hier kategorisch negativ. Wäre schädlich für die Frau. Entsprechende Kommentare finden sich auch dann unter dem Video, aber auch Meinungen, die dagegenhalten.

Was hat dieses Thema in diesem Blog AKTION-SELBST-DENKEN zu suchen? Sehr viel, denn das Thema ist hochpolitisch. Und nur politisch. Meist kommen die Bedenken aus der rechten Ecke, also von den "besorgten" Eltern, die auch gegen Aufklärung über Varianten der Geschlechtsentwicklung in den Schulen wettern. Oder noch schlimmer: Homosexualität. "Geht gar nicht!", rufen sie. Daneben werden Schilder der AFD hochgehalten. Rechtsgelagerte Parteien sind immer gegen weibliche Selbstbestimmung. Warum das so ist, darüber schreibe ich. Ich bin schon bei über 1000 Seiten.

Kommen wir zum Satire-Teil dieses Artikels: Auch feministische Flügel schreien gegen Prostitution und Pornografie an: Die NoPorn-Kampagne wurde von keiner anderen als Alice Schwarzer ausgerufen: Oh! Also doch keine rechte Politik? Was dann? Tja, wenn es so einfach wäre, würdest Du auch verstehen, warum nicht nur Ehefueralle-Gegner (hier sind wir wieder im rechten Lager) Menschen mit varianter Geschlechtsentwicklung aus z.B. Frauenräumen ausschließen wollen, z.B. auf Flyern für Partys einer Lesbendisco finden wir dann Hinweise wie: "keine Trans!" Wir sind hier also im Bereich "TERF". (Trans-Exclusionary Radical Feminism). Und das aus den eigenen Reihen. Ist das noch linkspolitisch? Oder vielleicht doch schon rechts?

Wir sehen diese Phänomene auch im Bereich der Gruppen mit varianter Geschlechtsentwicklung: Es gibt tatsächlich Ausgrenzungen zwischen Operierten und nicht Operierten, zwischen denen, die immer in ihrer weiblichen Rolle leben und denen, die ihren Alltag noch so gestalten wollen, damit sie vielleicht ihren Job nicht verlieren. Es wird ausgegrenzt zwischen denen, die weniger Leid haben und denen, die kurz davor sind, von der Brücke zu springen. Es wird versucht zu bemessen, zu deuten, zu bestimmen... fremdzubestimmen. Es wird das Gleiche gemacht, was der Gutachter macht, der Richter... es wird fremdbestimmt und auf der anderen Seite für Selbstbestimmung gekämpft. Sind wir wieder im Bereich der Satire? Leider nein.

Zurück - zur Sexarbeit. Ich schrieb einen kurzen Kommentar unter das Video:
"Gute Analysen, aber mir war die Haltung gegenüber Sexarbeit zu stark eingefärbt, Sexarbeit ist nicht per se etwas Negatives oder Schädliches - es ist vielmehr auch ein Faktor, dass wir uns dafür schämen und dass wir aus der Gesellschaft ausgegrenzt werden, Scham und Ausgrenzung führen oft zu den Problemen, die wir dann haben (Depressionen, Traumatas), nicht die Sexarbeit als solches Das Schamgefühl ist anerzogen und hängt mit Erziehungsnormalitäten zusammen, die Sex als Schmuddel darstellen, sogar als Gefahr (Pornozeitschriften werden versteckt, nur als Beispiel)

Anmerkung: Sex als Schmuddel darzustellen, gehört zur Frauenunterdrückung, weil Du Frauen und Sexualität nicht trennen kannst, musst Du auch Sexualität abwerten, wenn Du Frauen abwerten willst. Nur wenn Männer Sex "benutzen", z.B. für Werbung, ist er legitim und gut. (Sex-Sells). Jetzt weißt Du auch, warum Brustwarzen ein Thema sind. In meinem Bild zum Blog muss ich sie daher abdecken. Ich setze daher gerne Bilder ein, die diese Diskussion auslösen.

Darauf erhielt ich eine lange Antwort, die begann mit "Doch Prostitution ist verachtenswert..." und die dann in die Kategorie Moral und Ethik abdriftete. Wieder die Frage an euch: Ist dieser Mensch nun rechtspolitisch oder linkspolitisch? Nicht mehr ausfindig zu machen? Denkt an Alice Schwarzer, denkt an ihre NoPorn-Kampagne, denkt an TERF, denkt an bestimmte Menschen mit varianter Geschlechtsentwicklung, die ausgegrenzt werden aus den eigenen Reihen... Ich gebe euch die Antwort: Es ist opportun, und zwar opportun zum herrschenden frauenunterdrückenden, patriarchalen, genitaldefinierten, dualgenitalen System. Damit für mich rechtspolitisch, ohne dass es selbst wahrgenommen wird. Und wenn wir im Bereich varianten der Geschlechtsentwicklung bleiben: Genau diese Opportunität verlangt auch ein extrem hohes Passing, wenn Du "variant" bist. Wenn Du also nach "hohem Passing" strebst, hinterfrage, ob Du das für die Anpassung an das dualgenitale System machst, oder für Dich.

Ich möchte diesen Blogartikel schließen, mit meiner Antwort wiederum auf diesen Menschen, der gar nicht bemerkt, wie er Frauen unterdrückt, dabei noch meint, sie zu schützen. (Der gleiche Effekt entsteht/entstand bei einer Ehefueralle-Demo, Ehe schützen, aber gleichzeitig für andere verbieten)
Ich schließe also mit meiner Antwort und lasse euch alleine, mit eurem DENKEN. AKTION-SELBST-DENKEN.

"Deine Ausführungen beleuchten einen Teilbereich. Eigentlich ist es egal, wie groß dieser Teilbereich ist, auch wenn er größer wäre, als der, den ich sehe. Nämlich, dass es auch Frauen gibt, die selbstbestimmt diesen Beruf wählen wollen. Aber diesen Frauen wird das abgesprochen, weil es auch den Teilbereich gibt, den Du ansprichst. Ich kann aber nicht einen ganzen Berufszweig kategorisch in einen Negativismus bringen, weil es Teilbereiche gibt, die das rechtfertigen würden. Ich kann nicht alle Autohändler für Gebraucht-PKW schließen lassen, weil es auch viele Betrüger in diesem Bereich gibt. Wenn Du aber jetzt behauptest, Prostitution wäre per se negativ, das wäre ja dann das einzige Gegenargument, dann würde ich mich mit Dir gerne intensiver mit Argumenten austauschen - gerne auch in einem Podcast. Frauenfeindlich ist es m.M.n. Prostitution generell zu verbieten, Frauen die Möglichkeit zu nehmen, ihre Anziehungskraft zu verkaufen. Warum soll diese nicht verkauft werden dürfen? Hier hätten wir eine moralisch-ethische Größe und sind in einer völlig anderen Kategorie und Debatte. Es war auch unmoralisch, wenn Frauen sich die Haare abschnitten, ihr Rock nicht am Boden schleifte, wenn sie Alkohol in der Öffentlichkeit tranken oder rauchten. Eine Frau darf nicht selbstbestimmt "sexuell" sein, das wird immer negativ ausgelegt - wenn eine Frau so viel Sex hat wie sie will, ist sie eine Schlampe, ein Flittchen, eine Hure, tut ein Mann das Gleiche, ist er ein Playboy, Casanova, Schürzenjäger. Wir haben hier ein patriarchales Konstrukt. Darum geht es. Es gibt auch Gegner der Pornografie, die Pornografie komplett abschaffen wollen, sogar in feministischen Lagern (Alice Schwarzer, NoPorn-Kampagne) - der Feminismus ist in sich stark zersplittert. Aber hier das Gleiche: Ich kann nicht Pornografie verbieten, weil ich hier meine, diese würde per se Frauen in irgendeiner Form missbrauchen. Das mag auch in Teilen stattfinden, aber ich kann nicht die gesamte Branche deshalb in Misskredit bringen oder sogar verbieten. Das Problem ist doch nicht die jeweilige Branche per se, sondern die Kräfte, die darin wirken und Dinge ausnutzen. Gegen Prostitution zu sein, zeigt auch eine Haltung zur Sexualität, die nicht von einer Frau zu trennen ist. Frauen und Sexualität gehören zusammen. Hinterfrage das Adjektiv "obszön" - gibt es dieses für Männer? Hinterfrage das Adjektiv "nymphoman", das in einer negativen Konnotation wie obszön verwendet wird, gibt es dieses für Männer? Wenn Frauen selbstbestimmt sexuell sind, wird das ins Negative gesetzt, dieser Effekt ist auch bei Prostitution gegeben. Wo ist die Pro/Kontra Prostitution Debatte in dem Punkt, wenn Männer sich prostituieren, warum wird das nicht immer auch mit eingebracht? Weil hier alle Kontraargumente sofort in sich zusammenfallen."

Titelbild:
um 1920
linkes Bild: patriarchal nicht mehr kompatibel, daher graphische Abdeckung nötig
rechtes Bild: kompatibel gemacht durch Tragen eines Oberteiles

Ergänzungstext:
Du bist ein Mann und hast viele Frauen, jetzt werden Dir andere Frauen sogar nachlaufen. Hast Du keine Frau, jammerst du sogar, gilst du als "Sexbettler" - völlig unattraktiv - außerdem stimmt mit Dir was nicht, weil Du ja keine Frau bekommst. Du wirst Spott ernten, evt. Mitleid aber keine Frau bekommen. (Ausnahmen bestätigen die Regel)

Du bist eine Frau und hast viele Männer. Du wirkst unsolide, wirkt auf Männer nicht gut. Du hast keine Männer und bettelst. Du wirst attraktiv für ihn, er will Dich beschützen, trösten, auch dass du keinen Sex hast, wirkt anziehend, ist positiv (dass es patriarchal positiv ist, wenn Frauen keinen Sex haben, geht bis zur religiösen Konstruktion der unbefleckten Empfängnis)

Diese Ambivalenz, die logische Ableitung und Folge von dem, was ich oben im Artikel schrieb, macht empathische Männer zu Opfern des Patriarchats. Das Thema Sex, Liebe, Berührung (Mädchen dürfen Hand in Hand gehen), Zuneigung wird völlig unterschiedlich im dualgenital-patriarchalen Konstrukt für beide Seiten verhandelt. Beide Seiten sind aber, wenn wir die patriarchale Erziehung weglassen würden, in ihren Empfindungen gleich, vorausgesetzt, wir haben keinen hohen Faktor durch das Testosteron, den wir einbeziehen müssen. Empathische, nicht testosterongesteuerte Männer flüchten oft in die MGTOW-Bewegung (Men Going Their Own Way). Dies ist der Grund, warum die Suizid-Rate bei Männern 3 mal so hoch ist, wie bei Frauen. Du bist ein Mann? Gefühl verboten. Ein Mann weint nicht. Arm ist die Frau, die mit so einem patriarchalen Mann, der diesen Regeln entspricht, leben muss. Hoffen wir, dass diese Frau stark genug patriarchal geprägt wurde und ihre Haltung als solche "Werte" meint zu erkennen, die gut und richtig sind. Hoffen wir, dass sie ihren "richtigen" Mann gut findet.

Ergänzungstext zum Ergänzungstext:
Esther Vilar hatte nach ihrer Buchveröffentlichung "Der dressierte Mann" 1976 eine öffentliche Diskussion im WDR mit Alice Schwarzer. Esther wurde von ihr als Faschistin bezeichnet, weil sie auch männliche Aspekte in die feministische Debatte einbringen wollte. Esther wurde im Zuge dieser Debatte, die in den Medien eine große Resonanz auslöste, tätlich von Frauen in einer Toilette angegriffen und flüchtete zurück in ihr Heimatland Argentinien. Wer hier also linkspolitisch und rechtspolitisch ist, mag sich jeder selbst beantworten. Ja, Despotismus und Fremdbestimmung ist immer rechts.



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