"Mein Vater Sigmund Freud"

"Mein Vater Sigmund Freud"

Postby NikiLE » Friday 13. April 2018, 12:08

Das ist der Titel eines reichlich verrückten Buches, das Dr. jur. Martin Freud, der älteste Sohn Freuds, über seinen Vater geschrieben hatte, so 1960 herum. Martin Freud war ein Taugenichts im liebenswürdigen Sinne Jean Pauls: ohne auch nur den geringsten Ehrgeiz und sexualisiert bis Unterkante-Oberlippe. Sein Vater überlies ihm die Geschäftsführung seines psychoanalytischen Verlages, der schon in den zwanzigern eine sprudelnde Geldquelle geworden war. Trotzdem schlief Martin Freud, der auch Hauptmann der Reserve gewesen war, bis 1938 in einem Durchgangszimmer zum Schlafzimmer seiner Eltern. Die Freuds waren schon ziemlich meschugge und Freud hatte die Psychoanalyse wohl vor allem deswegen erfinden müssen, um mit seiner eigenen Neurose und der seiner Mischpoke halbwegs klarzukommen.

1999 hatte ich "aus reinem Bildungsinteresse" eine 3-bändige Auswahlausgabe gekauft, die in meiner Buchhandlung feilgeboten wurde. Es war irgendein Jubilium. Nur die "Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie" habe ich damals gelesen. Ich verstand nur die Hälfte, aber die beruhigte mich aber schon enorm: Bisexualität ist völlig normal, eigentlich DIE natürliche Sexualität schlechthin, Heterosexualität eher pathologisch, Exhibitionismus und Saliromanie sind klassische "infantile Paraphilien", und "infantile Rezente" findet man in der Sexualität jedes Menschen - uff ! Pervers zu sein ist also total normal ... "Pervers" hat bei Freud übrigens keine negative Konnotation, er verwahrt sich sogar ausdrücklich dagegen. Pervers heißt bei Freud nur: abweichend vom biologischen Ziel der "Vereinigung der Geschlechtsteile". Deswegen sage ich heute noch: "Ich bin pervers und das ist auch gut so !"

2010/11 bin ich total zusammengebrochen. Eine extrem schwere Akne hatte sich explosionsartig verschlechtert, meinen Unterleib, die "Slipzone" in eine einzige blutig-eitrige Furunkulose verwandelt.

Ich stand mit 45 Jahren in den Trümmern meines Lebens, verlor alles: Anwaltskanzlei, Haus, Hund, Frau, Autos, Motorräder, war körperlich schwerstkrank, mußte 20x operiert werden. Ich verarmte total - meine Bibliothek war das einzige, was ich retten konnte. Mein "geistiger Lebensraum". Und ich verlor sogar den Verstand, bekam Zwangsstörungen, Zwangsphantasien mit brutal-aggressiven Inhalten, dazu Angststörungen ... das Gefühl, wahnsinnig zu werden ist unbeschreiblich schrecklich.

Ich kramte Freud wieder vor und fing an zu lesen, kaufte mir etliches dazu: Sigmund Freud, Anna Freud, C.G. Jung, Erich Fromm. Ich wollte wissen, was mit mir los ist. Eine Psychotherapie konnte ich ja nicht beginnen, stolperte von einer Klinik in die nächste.
1987/88 hatte ich schonmal wegen Depressionen ne Psychotherapie gemacht, an deren Ende mir eine Psychoanalyse empfohlen worden war - aber ich entschied mich für's Jurastudium. Einer der größten Fehler meines Lebens. Der "dunkele Punkt in meiner Vergangenheit", den mein damaliger Therapeut, ein emeritierter Psychiatrieprofessor, vermutet hatte, war an die Oberfläche gekommen - ich war "dekompensiert".

Jetzt wußte ich es: ich muß eine Psychoanalyse machen, mein "Unbewußtes unter Ich-Kontrolle bringen" (frei nach S. Freud) - aber das ging ja nicht.

"Dann mach ich's mir eben selbst !" Auch Freud hatte als Selbstanalytiker begonnen, die Psychoanalyse zuerst auf sich selbst angewandt - von einigen, freilich harmlosen Details erzählt er in verschiedenen seiner Bücher.

Meine Hautärztin, mit der ich ein sehr vertrautes Verhältnis hatte, unterstützte mich, gab mir das beruhigende Gefühl, daß da jemand hinter mir steht.

So habe ich noch in der Klinik, im Spätsommer 2012 begonnen, die Freuds - Sigmund und Anna, seine Lieblingstochter und Schülerin, selbst eine hochbedeutende Analytikerin - und Jung zu studieren und eine Assoziationstechnik zu entwickeln: ich kultivierte meine schizoiden Phantasien, mein "Kopfpornokino" unter der Maßgabe der "analytischen Grundregel": allem sprachlichen Ausdruck zu geben, was einem "in den Sinn kommt", auch wenn man sich dafür schämt, es abartig, "pervers", unmoralisch oder illegal ist. Ich schrieb das alles nieder, am Anfang krude Pornographie: "bizarr". Davon löste ich mich aber, entwickelte einen "Stil" in Anlehnung an Arno Schmidts "fiktiven Erinnerungen", wie sie in "Aus dem Leben eines Fauns" ausgearbeitet und in "Berechnungen I, II", seinen "Werkstatttexten" beschrieben sind Rund 1 Dutzend College-Blöcke schrieb ich voll - von Hand zu Fuß.

Als drittes Instrument kam das "analytische Tagebuch" dazu: ich stellte mir Fragen, ohne sie zu beantworten - so äussern sich leichter schwere Gedanken: "Habe ich vielleicht Sex mit meiner Mutter gehabt?" schreibt sich leichter als "Ich habe vielleicht Sex mit meiner Mutter gehabt." (Ja: ich hatte Sex mit meiner Mutter gehabt, bin eine "Inzestüberlebende".)

Am 12. März 2013, also vor fast genau 5 Jahren, brach die Grenze zum Unbewußten auf. Ich saß am Küchentisch, spürte ein Riss in mir und hörte die Worte "Mama - ich hab Dich doch lieb!" Das war die "Initalerinnerung" und dann strömte es aus mir heraus, tobte in mir. Über 1 h lang konnte ich nicht aufstehen, der Kreislauf ging in Sturzflug ... ein schweres Trauma wiederzuerleben ist ein Trauma für sich, ich wurde psychotisch ...

Aber ich war auch stolz und glücklich: ich hatte es geschafft, mich selbst zu analysieren, schimpfe mich seither: Psychoanalytiker. In einem halben Jahr hatte ich mir selbst unter verzweifelten Lebensumständen Psychoanalyse beibringen können - das gibt gewaltigen Auftrieb - "narzisstische Zufuhr" - wenn man am Abgrund steht, ganz unten angekommen war.

Und diese geglückte Selbstanalyse hat mir mein Leben gerettet: die schwere Akne, die doch gerade erst chirurgisch "saniert" worden war, zeigte schon wieder bedrohliche "Rezidive". Ihre Verursachung war ungeklärt, trotz jahrelanger Bemühungen. Ich lebte in dem Bewußtsein, in ein, zwei Jahren am halben Körper gehäutet irgendwo auf einer Intensivstation zu enden, vollgedröhnt mit Morphium ... so wollte ich nicht sterben, wollte "Schluß machen" - aber nicht mit dem Wahnsinn in mir, wollte vor dem Selbstmord meinen seelischen Saustall aufgeräumt haben. Die Analyse war am Ende: Todesvorbereitung. Und genau das hat mir paradoxerweise die Kraft gegeben, die ich für ihre Durchführung brauchte. Der Weg zum Tod ist so zum Weg ins Leben geworden für mich.

Jetzt war auch klar: die Akne ist psychosomatisch, ihre Ursache liegt in verdrängten Gewalterfahrungen - und damit ist sie heilbar geworden. "Das Leben hat wieder einen Sinn!" Es lohnt sich, weiter zu kämpfen ! Die Rezidive bekam ich in den Griff und "rein somatisch" geht es mir heute, bis auf eine Gehbehinderung infolge der OPs, weitaus besser, als je zuvor. Die Gehbehinderung kann ich mit Fahrrad und der "Krüppelkarte" für den ÖPNV sehr gut kompensieren, bin mobiler, als ich ohne die Behinderung wäre.

Aber die psychischen Störungen waren immer noch da ... das erste Trauma war nur der Anfang ... "It's not the end, it's not the beginning of the end - but it's the end of the beginning." (W.S Churchill)

Meine Hautärztin schubste mich zu einem ihrer Lehrer: PD Dr Seikowski an der Uniklinik Leipzig. Seit Sommer 2013 bin ich bei ihm, auch schon fast 5 Jahre. Er ist in der Transszene sehr bekannt - Transsexualität sein zweites, glamouröses Hauptgebiet. Das erste, weniger bekannte ist die "Psychodermatologie". Es passt also rein vom Fachgebiet her 100% und wir verstehen uns auch sehr gut.

Seikowski akzeptiert, daß ich selbst Psychoanalytiker bin - "Graswurzelpsychos" weisen diesen Anspruch indigniert zurück und die Profi-Analytiker fühlen sich entwertet. Die Ausbildung zum Psychoanalytiker ist langwierig: Psychologiestudium, Psychotherapeutenausbildung, Lehranalyse. Die letzten beiden Ausbildungen müssen privat finanziert werden, kosten 50-100 ts Euro. "Und da kommt einer her und sagt, er hätte sich mit n paar Bänden Freud selbst analysiert ! Der spinnt doch ! Das ist nix wie Schizophrenie ! Wie einer, der sich für Napoleon hält oder so !"

Die Ursache meiner Beschwerden ist ein "Introjekt". Gewaltopfer, die ihren Tätern lange ausgeliefert sind, wie Geiseln, Insassen von KZs, Gefängnissen, "Wehrpflichtige" und eben auch: Kinder, die Opfer ihrer Eltern geworden sind, "identifizieren sich mit dem Aggressor", spalten "das Böse" von ihm ab und holen es sich in ihre eigene Psyche hinein, um die existenzielle Beziehung zu Geiselnehmern, Wachpersonal, "Mitgefangenen", Feldwebeln, Eltern und sonstigen Verbrechern aufrecht erhalten zu können. Es ist der äusserste Notbehelf der Psyche, um die völlige Auflösung, den "seelischen Tod" zu verhindern - um den Preis freilich, danach schwerkrank zu sein.

Mich von diesem Introjekt zu befreien, haben wir einen Therapieplan entwickelt, dessen Bestandteil es ist, daß ich mich psychoanalytisch weiterbilde, "weitermache", mich selbst auch weiter analysiere, mich bewußt mit Sigmund Freud identifiziere, ihn zu meinem "Adoptivvater" mache, ihn in meine Psyche hineinnehme: "mein Vater Sigmund Freud" - auch seine Biographie habe ich studiert, bin tief in die Familie Freud hineingekrochen.

Analysiert habe ich v.a. in einem Psychotherapie-Forum, wo die Leute Seelen-striptease betreiben. Als bekennender "Freudianer" wird man heute aber schwer angegriffen: Freud "gilt" als überholt, politcal uncorrect. Das habe ich ausgehalten, meine "Kritiker" ignoriert, mir mit geglückten "kleinen" Fehlleistungsanalysen Ansehen "erschrieben". Meine "Kritiker" wissen garnicht, wie sehr sie mir mit ihrem mobbing geholfen haben: auch Freud ist seinerzeit enorm angefeindet worden, war über ein Jahrzehnt völlig isoliert, bis er durch spektakuläre Heilerfolge zu hohem Ansehen kam, zum Professor ernannt wurde, Schüler und Freunde fand, ab etwa 1920 die Psychologie weltweit dominierte. Diesen Lebensweg Freuds habe ich mit der unfreiwilligen Hilfe meiner mobber "im Kleinen" nachvollziehen dürfen - und so ist Sigmund Freud, der mir schon mein Leben gerettet hatte, wirklich zu meinem Vater geworden, meiner "Über-Ich-Prothese". Wenn ich analytisch schreibe, denke, spreche - dann in Nachahmung des gepflegten Thomas-Mann-Deutsch Freuds - als Analytiker bin ich "total Kerl".

November 2016 bis November/Dezember 2017 hat Seikowski meine Analyse zuende geführt, dafür bin ich nach Leipzig gezogen, Psychoanalyse geht nur "hochfrequent", normal sind 3 Sitzungen pro Woche. Freud pflegte seine Patienten täglich (!) durchzuzerren - er war ein sehr harter Therapeut. Wir kamen mit 1-2 Sitzungen pro Woche aus - ich habe wieder viel mitarbeiten können, v.a. konnte ich meine Träume selbst deuten, brauchte nur ab und an einen Fingerzeig von Seikowski. Die Sitzungen glichen manchmal eher Fachsimpeleien als Therapiestunden.

Der ganze Umfang des Mißbrauchs ist erst bei Seikowski herausgekommen: nicht nur meine Mutter, auch mein Vater hat mich mißbraucht und ich wurde auch "Pädophilenkreisen zur Verfügung gestellt", es wurden Kinderpornos mit mir gemacht.

November/Dezember 2017 hat es einen Ruck gegeben - das Introjekt beginnt zu schrumpfen, der Pfahl, der 40 Jahre lang in meiner Seele steckte, wird langsam herausgezogen. Es war eine singuläre Begegnung mit einer sehr androgynen Frau, die ich im joyclub kennengelernt hatte. Wir haben nur zusammen gegessen, sonst nüscht. Im März 2018 gab es einen zweiten Ruck durch die Begegnung mit "Jasminrheinhessen" - ein reiner onlinekontakt, aber ein sehr folgenreicher, reich an positiven Auswirkungen.

Das Konzept, daß ich 2013/14 mit Seikowski entwickelt hatte ist aufgegangen, es ist die Zeit der Befreiung - "le jour de gloire est arrivé!" Ich weiß nicht, wielange es noch braucht, einige Jahre bestimmt, aber dann werde ich es los sein: das Introjekt, das Biest, den Dämon. Er wehrt sich noch, schlägt um sich, aber er wird immer schwächer, kann nur noch relativ geringe Symptome produzieren. "Relativ geringe" - objektiv betrachtet bin ich immer noch "gestört", muß mich auch weiter ständig selbst analysieren, um "kein Scheiss zu bauen".

Ohne meinen Vater Sigmund Freud wäre ich wohl in der Psychiatrie gelandet. Aber mithilfe meines Vaters Sigmund Freud kann ich's mir selbst machen. Sogar aus handfesten Psychosen kann ich mich mit meiner selbstentwickelten "Pornokino-Therapie" wieder herausholen - ohne Psychiater, Spritzen und Pillen. Und auch hier steht Seikowski hinter mir. So einen Therapeuten muß man auch erst mal finden, der zu einem sagt: das ist richtig, machen Sie weiter ! "Das" - ist die "Pornokino-Therapie" gegen Psychose: jeden 2. Tag ins Pornokino, 6 "Pflichtorgasmen" pro Tag - das ist alles, das genügt als "naturheilkundliches Psychotherapeutikum" - wenn man's drauf hat, promiskuitive Erfahrung und 1A-Affektkontrolle. Sonst geht's in die Hose, man lässt sich zu Dysexualitäten wie unsafe, SVV-Sex etc "hinreissen".

Das Introjekt ist es auch, daß mich an einer "pathologischen Männlichkeit" festgehalten hat und immer noch festhält, wenn auch mit abnehmender Kraft. Je mehr Fraulichkeit ich zulassen kann - um so besser. Seikowski hat von aussen gezerrt, ich habe von innen geschoben - und zuletzt hat Jasmin mich "unter dem Introjekt" ein Stück "weggezogen" schlicht dadurch, daß sie mich "als Frau in Anspruch genommen" hat auch ohne heels, Nylons und Schminke. Auf diesen ganzen "sekundären" Kram der "Femininisierung" stehe ich nämlich garnicht - aber für die "herrschende Meinung" der Trans-Szene ist er leider essentiell: "Frau ist nur , wer Stöckelschuhe trägt !" - das glauben sie wirklich. Jasmin glaubt es gottseidank nicht und ich bin "wahnsinnig" (hihi) froh, ihr begegnet zu sein, diese Begegnung tut mir "richtig doll gut"!

Aber auch wenn ich fraulicher werde, werden will: zur Frau werde ich nie werden, will es auch nicht, weil ich weiß, das ich ein "Zwischenwesen" bin - ein "ominipotent ambisexuelles" Kind, das spielerisch zwischen allen möglichen Rollen herumswitcht. Und es gibt inzwischen auch eine "therapeutische Männlichkeit" in mir, die mich auch - bitttebitte lieber Gott ! - nie mehr verlassen möge: eben: "meinen Vater Sigmund Freud" !
NikiLE
 
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