1.2.72 Liebe ist weiblich

1.2.72 Liebe ist weiblich

Postby JasminRheinhessen » Monday 17. July 2017, 12:18

(keine Formatierung für FYG)

Mittwoch, 7. April 2077, 22:22 Uhr. Klinikzentrum West. Carol's Büro.

Ohja - ich hab heute richtige Sehnsucht nach Dir, nach Deiner Weichheit, nach Deinen Rundungen, nach Deiner Wärme, das Gegenteil ist die Weiblicheit, von einem Steine, der ist nicht weich, sondern hart, nicht Rundungen sind seine Beschaffenheit, sondern schroff und zerklüftet ist er, und es sitzt sich auch desshalb schlecht auf ihm, weil er kalt ist, und erst durch viel Hitze, die wir an ihm abgeben müssen, unser Freund wird, solange, bis er sich wieder abkühlt, ein Stein ist also ohne Weiblichkeit zu nichts zu gebrauchen, gibt es soviele Frauen und Weiblichkeit auf der Welt, dass wir alle Steine so anwärmen können, dass wir in dieser Welt nicht erfrieren? Wie können wir Sorge tragen, dass es warme Steine gibt, bei so vielen Menschen, die durch Testosteron in ihrem Körper zu Gewalttätern werden, die sie mit Manneskraft und Sexualität in einem positiven Kontext stellen? Steine jeden Tag abgekühlt werden, obwohl schon angewärmt, im Beginn waren, Dir Deine Seele zu streicheln? Das Weibliche, patriarchal agierende Männer sind gegen weibliches ohnmächtig, stehen waffenlos diesen stärksten Reizen der Menschheit gegenüber, es nützen aber die Walpurgisnacht und böse Hexen in Grimms Märchen nichts, Hexenverbrennung und Dämonisierung, drei Millionen wurden im Sinne des Hexenhammers zu Beginn der "Neuen Zeit" verfolgt, 60 Tausend kamen zu Tode, dass davon 48 Tausend eine Vagina hatten, war kein Zufall, der Reformator Luther schrieb: "Ich will der erste sein, der Feuer an sie legt" und "sie bringen Menschen Krankheit und Tod, sie verhexen Vieh und Menschen oder vernichten Ernten, indem sie Unwetter auslösen, erst 1951 gelingt es Winston Churchill, den "Witchcraft-Act" abzuschaffen, nachdem Helen Duncan im Jahr 1944 noch aufgrund dieses Hexereigesetzes verurteilt wurde, sie war nichts anderes als politisch unerwünscht, gut ist es immer dann, wenn "man" dann Willkür zur Verfügung hat, die sich auf patriarchale Denkweisen stützt, dann ist einem die Unterstützung der Mächtigsten im Patriarchat gewiss. Dass immer noch im Jahr 2077 zum "Tanz in den Mai" steinzeitliche Rituale in den Dörfern des Landes abgehalten werden und Strohpuppen, die Hexen darstellen, am offenen Feuer verbrannt werden, während "man" trinkt, lacht und über das Feuer springt, ist an Perfidie nicht zu überbieten. Nein, den letzten Satz streichen, das Patriarchat kann sich immer noch in seiner menschenverachtenden Dimension steigern, der Hass gegen die Macht der Vagina, gegen die Sexualität der Brüste, der Vulva, ist einfach zu groß, als das eine Schande ausgelassen werden kann, egal welcher Grad der Perversion ihr zugrundeliegt. Ein Herrschaftssystem, dass die halbe Menschheit an die Kette legt, muss sich für keine Schandtat mehr entschuldigen, dieses System steht als Schande in unendlicher Dimension für sich. Luther's Reformation griff in erster Linie die Ablass-Zahlungen an, Frauenrechte wurden nicht berücksichtigt. Wie auch im ersten bürger­lichen Gesetzbuch Napoleons 1804 nicht, dem Code Civil, der nur den Mann aus dem Feudalsystem befreit und meint. Kapitalismus und Patriarchat in diesem Ausmaß hält keine Liebe aus, dass mussten nicht nur ABBA lernen. Patriarchat und Liebe schließen sich gegenseitig aus, und wenn der Kapitalismus als Teil des Patriarchats entlarvt ist, können wir die Formel erweitern und sagen: Dort wo Kapitalismus entfesselt ist, ist kein Platz für die Liebe. Carol' träumte sie wühlte sich immer mehr in die Arme von SuKi, als ob diese sie vor der Welt beschützen könnte. Mein Denken war immer einer Misandrie unterworfen, jetzt weiß ich wesshalb. SuKi gehörte nicht zu dieser feindlichen Welt, sie war ein Opfer dieser Welt wie sie selbst auch. Eine Flucht in die Religionen ist aussichtslos. Religionen und Patriarchat gehören zusammen, sowie auch der Kapitalismus. Die katholische Kirche ist die drittreichste Institution der Welt, nach Banken und Versicherungen. Jess Franco hätte sich die vielen Frauengefängnisfilme ersparen können, hätte er sich nur in seiner realen Welt genauer umgeschaut. Carol sistierte ihr Leben in SuKi's Armen, die wie eine schützende Gebärmutter um sie geschlungen waren, sie kauerte regelrecht wie ein Baby an ihrem Körper, die Beine dabei angezogen, sodass ihr Röckchen noch etwas höher rutschte, aber da sie lange Strumpfhosen trug, bekam das keine frivole Attitüde, eher etwas mädchenhaftes, ein Mädchen das spielt, wäre die passende Assoziation dieser Szene. Aber es war kein Spiel. sondern sie war mitten im Leben, in ihrem Leben, nicht im patriarchalen, das Patriarchat wollte sie nicht mehr, das Patriarchat spuckte sie aus. spuckte Mädchen aus, die Männer zu sein haben. Carol verkörperte das geschlechtliche Manifest. Wie Salammbo würde sie zum Erkennunszeichen einer neuen Generation - einer neuen Geschlechterkultur. Nur weiß sie es selbst nicht, es ist ihr nicht bewußt, das Patriarchat reagiert aber auf solche Angriffe hochsensibel. Salammbo unterscheidet sich vom Patriarchat in einem wesentlichen Punkt. Sie hat wunderschöne Augen. Die des Patriarchat aber haben zuviel gelbes im Weißen, was auf eine Schädigung der Galle hinweisen könnte. Vielleicht ist desshalb soviel Elend auf der Welt, weil patriarchal agierende Männder wie Frauen ihre Übelkeit in die Welt erbrechen. Liebe ist weiblich. Der Antagonismus auf der Genderebene: „Du bist eine Pussy“, in männlichen patriarchalen Denkmustern ist Weiblichkeit negativ, hohe Empathie, Gefühl, Liebe ist damit negativ, auf der biogeschlechtlichen Ebene: Testosterone stehen für das Gefühl der Gewalt männliches legitimiert Gewalt, Gewalt ist das Gegenteil von Liebe, auf der Begriffsebene: weiblich und Frau kann, muss aber nicht dasselbe meinen, Carol fühlt sich weiblich, sie fühlt sich in SuKi's Armen desshalb geborgen, weil sie sich zum erstenmal in ihrem Leben verstanden fühlt, halb schlafend, halb wach, schlingt sie ihre Arme um SuKi's Rücken, völlig unmännlich, völlig antipatriarchal, jeder Mann würde nun sein Gesicht verlieren, den Anspruch ein „richtiger Mann“ zu sein, Carol spürt, dass es für sie immer falsch war, sie ihr Leben nur gespielt hat, SuKi hält sie mit ihren Armen, ihre Hände liegen auf ihrem Rücken, wie ein Mutter und Verbündete in Not, als wäre Carol krank, doch sie war immer gesund, ihr Problem bestand in ihrer Unsichtbarkeit, ein Leben zu führen, ohne gesehen zu werden ist eine Apocalypse, Konsensdemokratie oder Konkordanz­demokratie? Warum soll ich über so etwas nachdenken, wenn mir eine Monarchie mehr Rechte gibt? Wenn ich Carol sein kann, wäre mir der strengste Kaiser egal. Ich möchte gesehen werden, berücksichtigt und nicht verleugnet. Warum immer dieser politische Kontext, wenn es um das geht, was ich fühle? Warum mischt sich Politik in meine Gefühlswelt ein, schon ab dem Moment, wenn ich in den Kindergarten gehe? Wenn ich Menschen ausgesetzt werde, die sich um meine „Erziehung“ kümmern? Nein, es wird sich nie etwas ändern, Carol fühlt sich im Moment alt, sehr alt, eigentlich hat sie ihr Leben schon gelebt, ihre Jugend, die Zeit, in der Paare verheiratet sind und ihre schönste Zeit haben, was soll sie jetzt machen als Mädchen? Als Mädchen, dass nie erwachsen werden kann? Immer in ihrer Pubertät bleibend?
Im Zimmer war es ruhig, der Computer war ausgeschaltet, die Szene aus dem Besprechungszimmer war nur noch in der Gedankenwelt der beiden vorhanden. Wurden von der Gegenwart überschattet. Von ihrer Nähe, die sie nun spürten. Wortlos. Carol schlief, oder war sie wach, schwer zu sagen, sie hatte die Augen geschlossen. SuKi streichelte ihren Rücken, es war gemütlich warm in Carol's Bürowohnung, keine Selbstverständlicheit im Jahr 2077, immer mehr Menschen lebten in Armut, es war etwas besonderes seine Wohnung richtig warm heizen zu können, auch Anfang April waren die Nächte noch kalt, wie auch heute wieder, es gab sogar Bodenfrost. Carols Wohnung war wie ein Teil von einer Villa, es war Luxus. Ein Produkt des Patriarchats, in der Carol Mann spielte, jetzt aber zur Plazenta wurde und ausgestoßen am Boden lag. Nicht mehr gebraucht wurde. SuKi ist mit einem Auftrag gekommen. Sie sollte Dr. Barton erklären, dass Geschlechter genitalunabhängig sind, jetzt liegt ein Mädchen in ihren Armen und ihre Erklärungsbemühungen sind obsolet. Carol erklärt alles selbst, durch ihre eigene Biographie. SuKi spürt dass Carol keine Operation bräuchte um glücklich zu sein, sie fühlt sich mit ihrem Körper in Einklang, ihre Eigenwahrnehmungsdisharmoniezone ist befriedigt, bei ihr geht es um die FWDZ, um ihre Fremdwahr­nehmungsdisharmoniezone, um die Schnittstelle zur Gesellschaft, diese, würde sie Carol sehen, würde ihr Urteil fällen. Wenn sie es nicht schon allein durch die Rundbriefe getan hat, die Carol versendet hat. Es ist ein Glück, wenn Carol keine Operation braucht, das ist nicht immer der Fall, es gibt viele sie kommen nicht ohne aus, ich habe sie auch gebraucht, SuKi hegt keinen Zweifel daran, dass sie sie gebraucht hat, während sie entspannt im Zimmer umherschaut, als wäre sie hier zu Hause. Viele Bücher, alle Schränke voll, überall stapelten sie sich. Es ist tragisch wenn sich Männer die Brüste abnehmen lassen, einer der blutigsten Operationen die es gibt. Die Muskeln an den Armen werden meist verletzt, sie können dann nicht mehr schwer heben. Lymphknoten werden beschädigt oder mit entfernt. Katastrophale Folgen für ihre Gesundheit. Brustwarzen werden frei transplantiert und sterben oft ab. Durch Testoüberdosierung bekommen sie Haare, überall, Arme, Brust, Bauch, 8cm lang, verlieren ihr wunderschönes Kopfhaar dauerhaft, Die Klitoris hypertrophiert und wird durch Gehirnmanipulation von Testosteron, für einen Penis gehalten. An der herausgewachsenen Klitoris werden sie überempfindlich bis zur Schmerzhaftigkeit. Sie können oft keinen Slip mehr tragen. Außerdem wachsen die kleinen Schamlippen unter Testoeinfluß sehr lang heraus und das Aussehen wird noch mehr verunstaltet. Sie verkriechen sich oft zuhause und trauen sich kaum noch heraus. Das hohe Testosteron zerstört Gehirnzellen und Gefühls­empfindungen. Die Bindungsfähigkeit wird nachhaltig gestört. Und dann wird in ihre Kreisen auch noch empfohlen, in der Sexbranche zu arbeiten, als Schaustück für perverse Gelüste. Chronische Schmerzen und oft hässliche Narben, Eiter, Drainagen, halbrunde Masteknarben, die ver­steckt werden müssen. Durch Hysterektomie und Andexen-Entfernung, Entfernung der Eierstöcke werden sie in jungen Jahren schon zur klimakteriellen, alten Frau. Durch Testosteron läßt sich das nicht aus­gleichen, da alle Organe auf Östrogene und Progesteron programmiert sind und funktionieren. Multiple lebenslange körperliche Störungen sind die Folge. Die Hysto macht sie zu Hormonjunkies, wenn sie Testo bekommen werden sie abhängig. Der Sexualtrieb fasziniert sie, das kannten sie vorher nicht. Testosteron ist nicht nur ein Hormon, dass Empathie vernichtet und Gewalt erzeugt, es macht jeden Körper krank. Es ist Gift. Herzrhythmusstörungen, Panikattacken. Männer mit XX-Chromosomen haben nur ein sehr kleines positives Wirkfenster. Sobald die Dosierung außerhalb dieses Fensters ist, treten Komplikationen ein. Panikattacken, Herzrhythmusstörungen. Beim Absetzen von Testo ver-fallen sie in tiefste Depressionen und bereuen alles. Da Testosteron schwere körperliche und Stoffwechselstörungen bei XX zur Folge hat (Allergien, Hitzewallungen, Schwitzen usw.) sind sie fast ständig bei Ärzten und für ihr kurzes Leben sind sie zum Experimentierfeld der Medizin geworden. Abgesegnet wird das durch zwei psychiatrische Gutachten, die der Freibrief für alles sind, ohne das sich die Mediziner dafür verantworten müssen. Wenn wir diesen Horror betrachten, und den Fall, dass sich das ein Mann nur desshalb antut, weil er zu den Männern gehören will, ist das allein dem Patriarcht zuzuschreiben. Was sie brauchen ist wirkliche Liebe und Zuwendung. Eine bereits harmonisierte EWDZ bräuchte diesen Schritt nicht. Aber in einer patriarchalen Gesellschaft darf es keinen Mann mit Brüsten geben. Es macht nichts, dass ein Mann mit Sanduhrfigur und flach vorne eigenartig aussieht. Ein Mann mit Brüsten würde eher für patriarchales Denken eigenartig aussehen. Aber diese Eigenartigkeit hätte keine Masteknarben. SuKi würde nicht zu diesen Menschen gehören, die diese Männer in die Operation drängen, sie würde sie sehen können, auch mit Brüsten, auch mit allem was wir unter weiblich assoziieren.
Carol sagte plötzlich leise: „Du, ich hab Dich lieb.“

Suki war berührt, jetzt musste sie handeln, sie hatte sich vorgenommen es ihr bei der ersten Gelegenheit zu sagen:
„Auch wenn ich ein Mann bin?“

„Nein, Du bist kein Mann, auch wenn Du ihn noch hättest, wärst Du für mich kein Mann. Du bist eine Elfe, eine Nymphe, eine Fee, Du bist meine Muse und meine Göttin.“

SuKi freute sich, Carol konnte völlig genitalunabhängig Geschlechter sehen, ja, sie gehörte zur Salammbowelt, weil sie selbst in dieser Situation war. Sie war eine von uns. SuKi stellte sich gerade vor, wie Carol sie als Mann sehen könnte, ja klar, haarlos hatten sich die Männer ja inzwischen erkämpft, ein großer Schritt in Richtung Weiblichkeit wurde vom Patriarchat erobert, aber sie hatte lange blonde Haare, Brüste, nein, Carol hätte nie denken könne, sie wäre ein androgyner Mann, sie sagte das ehrlich, dass sie eine Frau sieht, auch mit der Annahme, dass sie ihn noch hat. Sie sagte Frau zu mir, obwohl ich für Dr. Barton, wenn ich ihn am Montag besucht hätte, eine Transsexuelle dargestellt hätte, und damit für seine Denkweise eines patriarchalen Sexologen ein Mann, Carol war nie ein patriarchaler Sexologe, auch diese Rolle hat sie nur gespielt. Hat sie die Hirnforschungsstudien desshalb ignoriert, weil sie gegen sich selbst kämpfte? Gegen Carol? Fühlte sie sich zu schwach für sich selbst? Oder zu schwach, gegen das Patriarchat bestehen zu können? Wenn sie diesem Patriarchat Carol zeigen würde? Männer bekommen oft totale Testoüberdosierung, Ärzte nutzen diese Männer, die Frauen für sie sind als Versuchskaninchen. Wollen sehen, wieviel Haare wachsen, vielleicht erregt es sie auch, bei späteren Sitzungen einen haarigen Körper mit Vagina zu untersuchen. SuKi wusste nicht, ob Carol schon wieder schlief, ihre Atmung war ruhig und sie lag schwer neben ihr auf dem Sofa. Trotzdem sagte sie leise, mit dem Kopf zu ihr gedreht, in ihr Gesicht, dass die Augen geschlossen hatte:
„Und Du bist die schönste Elfe, die stärkste und bezauberndste, ich mag Elfen, die Nougatpralinen lieben.“

SuKi streichelte Carol über den Rücken, ob sie gehört hatte, was sie sagte, konnte sie nicht feststellen, Carol zeigte keine Reaktion, atmete ruhig weiter. Wieviele zerbrechen an der Gesellschaft, sicher, viele auch weil sie mit sich selbst nicht klar kommen, mit ihrer Harmonisierung ihrer Eigenwahrnehmung, aber es ist besonders tragisch, wenn Menschen sich wegen der Gesellschaft unters Messer legen. Einer Gesellschaft, die nur Mann und Frau in Bezug auf angeborene Genitalien verhandelt. In jeder Zeitung, in jedem Film. Ständig, 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche. Was abweicht wird als andersartig, unnormal und krank dargestellt. Der Druck ist riesig und es ist kein Wunder, dass viele diesen Horror auf sich nehmen, aber viele diese Operationen nicht bräuchten, wenn wir eine andere Gesellschaft hätten, Menschen, die von ihrer Seite her gesund sind, aber krank dargestellt und krank gemacht werden, durch den sie umgebenden Genitalfaschismus, erst psychisch, dann nach den Operationen auch körperlich. Gegen Genitalfaschismus anzuschreiben fühlt sich an wie Karl Marx gefühlt haben musste, als er gegen den Kapitalfaschismus anschrieb. Es fühlt sich ohnmächtig an, und Du weisst, dass Du in Deinem Leben nichts mehr bewirken kannst. Du schreibst für die Opfer die nach Dir kommen. Ähnlich wenn Du in hohem Alter einen Obstbaum pflanzt. Die Früchte wirst du nicht mehr ernten können. Sie lassen sich operieren und am Ende werden sie trotzdem nicht akzeptiert, stellen fest, dass die Operationen keine Überzeugung brachte, sobald in Erfahrung gebracht wird, wie Du geboren wurdest, transphobe Menschen können mit Operationen nicht überredet werden, sinnlos, nach dieser Erkenntnis zerbrechen die meisten dann völlig. Suizide. SuKi spürte, dass Carol zu dieser Gruppe gehörte, sie war gerade dabei an der Gesellschaft zu zerbrechen, wäre die Gesellschaft nicht für sie eine unüberwindbare Hürde, wäre sie schon früher mit ihrer Weiblichkeit in die Öffentlichkeit gegangen, nein, sie hat sich versteckt, wie ein Reh, dass von allen Seiten Schüsse hört.
Es war kurz vor Mitternacht, SuKi nahm sich einen großen Schokokeks und ihr Phone... setzte ihren Kopfhörer auf, um Carol nicht zu stören, tippte „S“ „A“, Salammbo erschien auf dem Display, sprach ganz leise als Salammbo sich sofort meldete.
„Meine Muse, ich musste nichts erklären, Dr. Barton... er... er ist eine Frrau. Sie liegt neben mir und kauert sich an meine Seite. Ich musste nichts erklären. Sie war schon immer eine Frau und hat der Welt etwas vorgespielt... ich bleibe heute Nacht hier. Wir haben Informationen, dass sie eventuell nun ihren Job verliert, das kann morgen schon soweit sein, dass sie das Büro verlassen muss, da sie gestern Rundbriefe versendet hatte, die die Selbstbestimmungskampagne stützen. Sie hat sich heute völlig geöffnet, ich weiß, dass sie nicht mehr in den männlichen Alltag zurückgeht. Entweder sie kann diesen Job mit ihrer weiblichen Identität ausfüllen, oder gar nicht mehr. Das wird sich diese Tage entscheiden, ich kann sie nicht mehr alleine lassen, im Moment schläft sie, sie ist völlig in sich zusammengesunken. Ich bin im Moment ihr einziger Halt. Bei ihr ist in den nächsten Stunden alles möglich. Auch das sie sich etwas antut, aus dem Fenster springt. Alles. Desshalb braucht sie mich, wenn ich da bin, spürt sie, dass sie eigentlich glücklich wäre, wenn sie verstanden und gesehen wird, nur in der Gesellschaft ist das nicht möglich. Dass ich heute hier bin, war ein großes Glück, ich wüsste nicht, was sie jetzt machen würde, wenn ich nicht da wäre. Sie hat niemanden. Niemanden, der sie wirklich als Frau so sieht, die sie ist. Ja, Carol hat viel gelesen, sie hat nach Visionen gesucht, wichtig ist, dass es Visionen gibt, die die Gesellschaft nicht als alleiniges Etwas dastehen lassen. Alternative Lösungen anbieten. Zuflucht bieten. Das kann ein Roman sein. Das können Bücher sein, Bücher können Leben retten. So wie sie jetzt heute abend hier ist, können Bücher Gesellschaft leisten, Sprechende und Zuhörer sein. Zuhörer desshalb, weil sie auch deine Fragen hören, die sie kennen und im Buch beantworten. Es entsteht ein Zwiegespräch zwischen Leser_innen und Buch ohne das Leser_innen sprechen müssen, ihre Fragen werden beantwortet, sie legen das Buch in ihr Nachttischchen und können schlafen, entspannt, wissend, dass ihnen jemand zugehört hat, und, noch wichtiger, sie verstanden hat. SuKi's Stimme wird nun emotionaler, es ist deutlich zu hören, dass sie leidet, ja - Genitalisten akzeptieren kein Passing, auch keine OP, da zählt nur das, was Du bei der Geburt warst für sie, Dein Genital, das ist der Hauptgrund für Suizide. Desshalb hasse ich das TS-System mit seiner Heuchelei und den Lügen, die sich durch alle Selbsthilfegruppen fortpflanzen, weil SHG's nur aus Leuten bestehen, die das TS-System stützen, andere würden frühzeitig zerstört werden, selbst VSATME gehört jetzt zum TS-System und will von Gehirn nichts mehr offiziell verkünden, wie früher einmal. Es bleibt nur, sich in der Salammbowelt einen Zirkel zu schaffen, Menschen zu treffen, die einen verstehen und denen Du auch Kraft geben kannst, die transphobe, genitalistische Welt ist für uns verschlossen. Uns bleibt nur ein Promillebereich in dieser Welt, in der wir uns mit Menschen vernetzen können, die uns verstehen. Wenn wir damit nicht zurecht kommen, zerbrechen wir. Es gibt keinen Ausweg. Keine Chance. Wir werden wie Aliens auf einem Planeten behandelt, der diese bekämpft. Wir verkriechen uns in unsere Wohnungen, wenn wir Mut haben, gehen wir auf Alienstreffen, ein paarmal im Jahr, die transphobe Welt schaut von außen zu, als wären wir in einem Zoo. Kommunikation mit dieser Welt ist nicht möglich, im besten Falle werden wir nicht bekämpft sondern nur ignoriert, Ingoranz tötet. Still und mit maximalem Alibi. Jede Zeitung, die wir aufschlagen, und die nur die transphobe, genitalistische Welt darstellt, tötet uns mit ihrer Ignoranz. Die das Wort Frau für sich vereinnahmt, im Sinne von Mensch, der mit einer Vagina geboren wurde. Egal was dieser Mensch selbst für eine Aussage über sein Geschlecht macht. Es ist eine Frau, für immer. Auch nach Operationen, auch nach der Personenstandsänderung. Es ist völlig egal, was diese Frau macht und sagt. Sie bekommt bezeichnungen, wie Frau zu Mann-Transsexuelle, Transgender, Transidente Frau. Alles mögliche, aber nicht Frau im Sinne des Begriffes Frau, den Zeitungen, Medien, die Gesellschaft in der diese Frau lebt jeden Tag benutzt, kafkaesk.“

„Meine SuKi, es gibt nur den Weg, dass wir loslassen. Wir können dieser Welt nicht entsprechen, wir dürfen dieser auch nicht grollen. Wir sind Zuschauer unserer Schicksals. Liebe diese Welt. Es ist nicht unsere, aber liebe sie trotzdem. Unser Verstehen und unsere Welt ist nur für uns sichtbar, ich verstehe Dich. Carol versteht Dich. Das ist alles. Mehr ist nicht möglich. Bleib heute Nacht bei Carol wie Du es geplant hast. Und was die Gesellschaft angeht, wirst Du keine Besserung abwarten. Wenn Du gegen die transphobe Gesellschaft anrennst kannst Du nur entscheiden ob du schnell und wohlfeil, oder langsam und teuer vergiftet werden möchtest. Es ist miserabel, weil auch diese Welt, die Dich vergiftet von Liebe spricht. Diese Welt ist aber männlich, und männlich und Liebe schließen sich aus. Gewalt ist das einzige, was Du in dieser Welt spürst. Immer. Jeden Tag. Richte dieser Welt deine herzlichen Grüße aus, wissend, dass Du keine Antwort bekommen wirst. Empfehle Dich mit Deinen Gedanken, ohne Verstehen zu erwarten. Versorge sie alle mit Nachricht, erwarte aber nichts. Du bist nur komplett mit Menschen, die Dich verstehen, alleine fehlt Dir immer ein wichtiger Teil. Der zum Glück. Verinnerliche das meine SuKi, mit wiederholtem Ausdruck meiner Ergebenheit möchte ich Dich immer daran erinnern, dass Du das nie vergisst. Du bist wichtig, Carol ist wichtig, wir alle müssen uns finden und uns stützen. Wir dürfen nicht ermangeln, diese heilige Aufgabe zu verfolgen, in frommer Andacht sie zu verrichten. Liebe auszusenden. Denke nicht an die transphobe Gesellschaft, sondern an das Mädchen, das gerade in Deinen Armen liegt und Deine Hilfe braucht. Ich bin da, Du kannst jederzeit anrufen und mich auch besuchen. Ich bin da. Eine gute Nacht wünsche ich Dir. Pass auf Sie auf. Sie ist weiblich und hat Liebe in sich. Das wertvollste was wir in dieser Welt in uns tragen können.“
eine weibliche Identität kann, muss sich aber nicht durch eine Vagina bestätigt wissen
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