1.2.57 Gewusstes Nichtwissen ohne Gewissen

1.2.57 Gewusstes Nichtwissen ohne Gewissen

Postby JasminRheinhessen » Friday 3. March 2017, 00:25

Carol war ganz wach. So wach wie nie. Aber das war nicht schwer, führte sie doch einen langen Schlaf, bis Chloe sie erweckt hat.
Nun stand sie mitten im Leben und... mitten in der Politik. Wie Frauen mit männlichem Genital, in den Zimmern der Klinik.
Wie in Zimmer 22, Anne, Mirabell, Yvonne. Carol war nun eine von ihnen. Nur saß sie im 8. Stock. Und war CEO des Klinikzentrums West.
Carol nahm sich vor, politisch aktiv zu werden. Sie würde alles tun. Alles. Den Diskurs mit ihren Aufsätzen fluten.
Wie es Anfang des 21. Jhd. Jasmin getan hat. Nur hatte sie keiner erhört.

Carol tippt in den Computer, und wollte gleich die nächste Salve abschießen. Sie wolle anprangern,
dass die Hirnforschung seit Jahrzehnten blockiert wird. In Carols Ablage stapelten sich die Studien, ungelesen,
ein Dr. Edward Barton hatte sie unkommentiert einfach abgelegt. Ignoriert.
Das wird sich nun ändern, Carol schreibt eine Abhandlung über das Vergehen, diese zu Ignorieren:

Der Glaube an die eigene Erkenntnis, war dies nicht die Keimzelle der mordernen Gesellschaft - der Aufklärung?
Zu einer Zeit, in der die katholische Kirche die Universitäten Europas in der Hand hatte?
Bestimmte was diese Universitäten für ein Weltbild vermittelten?
Die Lateinische Sprache war nur für eine elitäre kleine Gruppe an Menschen zugänglich.
Ein perfektes, in sich abgeschlossenes System, das bestimmte, was wahr ist.
Nämlich dasjenige, was keine Gefahr für dieses Machtsystem bedeutete.

Wichtig ist das Überwachungsmonopol, Wissen darf nicht für alle verfügbar sein,
vor allem das Wissen nicht, was Herrschaftssysteme als solche entlarvt.
Bildungspläne in Deutschland werden blockiert. Kinder sollen eine Welt vorfinden, die diese Dinge angeblich nicht kennt.
Diese Dinge nicht wichtig wären. Nicht existent wären. Und wenn, sind es unnormale, abartige, perverse Kategorien.

Jan Hus durchbrach diese Regel, übersetzte erstmals die Bibel in seine Sprache, in tschechisch,
und so konnten erstmals Menschen in ihrer Sprache lesen, was dort verkündet wurde.
Auch predigte er in tschechisch, und nicht in Latein, das niemand verstand.
Er forderte die Kirchenträger, dem zu folgen, was in der Bibel steht,
und nicht ihre Macht zu mißbrauchen. Die Bibel als Legitimation für weltliche Herrschaft zu benutzen.

Die Stimme von Jan Hus wurde auf dem Scheiterhaufen zum Schweigen gebracht. 1415.

Dass der Vatikan über 500 Jahre später noch, aus Anlaß, dass die damalige Tschechoslowakei nach seiner Unabhängigkeit
1918 den 6. Juli, den Todestag von Jan Hus, zu ihrem Nationalfeiertag macht, daraufhin drei Jahre lang die Verbindung zu diesem "Ketzerstaat" abbricht, spricht eine deutliche Sprache, und zeigt, welche Mechanismen der Wissenshoheit hier Jahrhundertelang wirken.

Erst 1999 entschuldigt sich Papst Johannes Paul II. für diesen Mord an einen Menschen, der nur das vertrat, was die Bibel lehrte.
Ein Papst, der sich für Religionsfreiheit und eine zeitgemäße Verkündung der kirchlichen Lehre einsetzte.
Und da waren kein Reichtum und weltliche Macht enthalten. Es gibt dagegen viele andere Kritikpunkte an den genannten Pabst,
Päpste und die katholische Kirche allgemein, konkret z.B. die Blockade, Kondome in Afrika zu verteilen, um damit Verhindern zu können,
dass Kinder zur Welt kommen, die aus Armut und Mangel an Ernährung und Versorgung keine Chance haben, zu Überleben.
Es ist unerträglich, dass Glaubensgrundsätze wie, Sex soll nicht der Freude per se dienen, sondern zur Zeugung von Kindern,
über das Leid von Menschen gestellt werden, dem Humanismus.
In diesem Kontext jedoch, soll die Position des Papstes in Bezug auf Jan Hus im Jahr 1999 isoliert betrachtet und damit isoliert bewertet werden.

Es geht immer um Macht. Wissen ist Macht. Wissensmißbrauch für den Machterhalt ist üblich.
Nach dem Wissensmißbrauch folgt der Machtmißbrauch für eigene Interessen.
Wer dies outet, wird eliminiert. Wissenzugang muß bewacht und kontrolliert werden.
An IMAG-Fachtagungen werden keine Hirnforschungsstudien zugelassen. Bis heute nicht.

Nicht einmal Wissenschaftler werden heute benötigt, um zu bestimmen, welches Geschlecht Du hast,
es wird einfach festgelet, anhand Deines Genitals, anhand Deiner Chromosomen. Fertig. Schluss.
Keine Diskussion. Festgelegt durch die Leitlinien, die in Gesetze gegossen werden, in IMAG Fachtagungen.

Interministerielle Arbeitsgruppen, in denen "Diskussion" vorgespielt wird, aber schon vorher feststeht: Wir behalten das alte Paradigma.
Pseudowissenschaftliche Begründungen müssen für Leitlinien herhalten, Vorgaben, festgelegt durch Lobbyisten,
die sich aus eingetragenen Vereinen rekrutieren.
Immer wichtig: Ein akademischer Titel. Das funktioniert immer. Wie der Arzt in weiß, der allein durch seine weiße Kleidung Ehrfurcht beim Betrachter auslöst.

Man muss das Opfer nur lange genug konditionieren, dann bekommt man die Assoziation:
Weiße Kleidung, das erzeugt Respekt. Der weiß gekleidete Kapitän eines Luxuskreuzers. Dem vertrauen wir.
Den himmeln wir an. Himmeln kommt von Himmel und von Gottheit. Gott von Glaube, Glaube von Nichtwissen, und Nichtwissen schafft Abhängigkeiten, Abhängigkeiten von denen, die uns sagen, was die Wahrheit wäre.

Die Sexologen müssen aber nicht einmal mehr Respekt erzeugen oder wir müssen ihnen Vertrauen schenken.

Wir müssen das tun, was sie wollen. Ein Gutachten entgegennehmen, auf dem steht, dass wir Männer sind, die sich wünschen eine Frau zu sein, obwohl wir Frauen sind. Dazu eine Kategorie und eine Zahl: F64.0. Das ist amtlich. Klingt evident. Ist es aber nicht. Nur eine Lüge.

Vertrauen. Nein - dazu braucht es keine weißen Kittel, dazu braucht es nur patriarchal verzahnte Interessenverbindungen, aus Politik und Pseudowissenschaftlern, die die Deutungshoheit behalten wollen. Manche von Transphobie getrieben, manche von Korruption, oder beidem.

Es ist immer gefährlich, wenn Wissen von wenigen gesteuert wird, freigegeben wird, und zugelassen wird.
Wir haben dann totalitäre Systeme. Ohja - lateinisch sprechen diese Ärzte auch noch. Was für ein Zufall.

Die Universitäten sind nicht freidenkend. Wer dies glaubt, glaubt auch an freidenkenke Universitäten im 15. Jahrhundert.
Nein - es gibt heute keine Ablasszahlungen mehr, für diejenigen, die ketzerisch waren, um sich danach freizukaufen,
um dann ohne Sünde zu sein. Nein - Wer heute behauptet, eine Frau zu sein, aber xy-Chromosome hat, ein männliches Genital hat,
der zahlt seinen Ablass auf andere Weise, nicht mehr in barer Münze.

Durch schutzlose Ausgrenzung durch Menschen, die transphob reagieren, durch die Behauptung, dieser Mann wäre psychisch gestört.
Durch Gutachten von Sexologen, die diese Behauptung verbriefen, und so tun, als hätten sie die göttliche Gabe, dies sehen zu können.
Es folgt fast immer sozialer Abstieg, Ausgrenzung aus der Familie. Verlust der Erwerbstätigkeit. Gesellschaftliche Isolation.

Auch wenn Wenige zu diesem Menschen halten, der Abstieg ist vorprogrammiert. Wir brauchen die Revolution. Jetzt. 2076.
Eine Evolution der Kultur in Bezug auf Geschlecht, durch eine friedliche Revolution. Das kollektive Schweigen war lang. Zu lang.
Es muss aufhören, dass Lobbyisten bestimmen, wie die Geschlechterwelt zu sehen ist.

Wir haben heute das Jahr 2076. Noch immer wird am Genitalismus festgehalten.
Man könnte meinen wir sind im 16. Jahrhundert, als man auf medizinisches Wissen zurückgreifen musste,
dass tausend Jahre keine Entwicklung mehr durchlaufen hatte. Man nichts wußte.

Aber im Bereich Geschlechteridentitäten wissen wir vieles, hier ist nicht das Nichtwissen schuld,
sondern das vorsätzliche Blockieren von Erkenntnissen der Hirnforschung. Und das ist ein Verbrechen. Mit Vorsatz.
Wo wären wir, wenn Politik und Religion die Wissenschaft blockieren darf?

1543 veröffentlichte Nikolaus Kopernikus seine "De revolutionibus orbium coelestium", im gleichen Jahr veröffentlicht
Andreas Vesalius sein Werk "Libri septem de humani". Was wäre im Jahr 1543 mit diesen Erkenntnissen passiert,
würden sie die gleichen Blockaden erlebt haben, wie wir seit Jahrzehnten im Bereich der Hirnforschung,
und genauer, über die Hirnforschung an Indizien gesammelt haben, für die Tatsache an Kenntnissen gewonnen haben,
dass Menschen über ihr Geschlecht eine Aussage machen können?

Ja, wir haben heute noch keine sicheren Erkenntnisse, nur Indizien, nur wie sollen die Indizien zu Beweisen erwachsen,
wenn schon die Indizien nicht einmal Gegenstand von Diskussionen in den Gremien der Entscheider werden?
Von Politikern und Sexologen? Erstere entwerfen Gesetze, Letztere die Leitlinien, die Grundlagen auf die Erstere sich stützen?
Wie sollen Wissenschaftler Motivationen finden, weiterzuforschen, wenn ihre Vorgänger schon kein Gehör fanden?

Wir erleben immer noch die Ignoranz dieser Erkenntnisse, Menschen werden daraufhin in Geschlechterrollen gepresst.
Das Abschaffen der sozialen Gechlechterrollen wiederum schafft aber keine Lösung des Problems, wenn Menschen kein Gehör finden,
die über ihr biologisches Geschlecht einer konkrete Aussage machen wollen. Ihnen wird aberkannt, was sie wirklich über sich denken und fühlen.

Diese Menschen fühlen sich ihr Leben lang unverstanden, unterdrückt, gefangen.
Gefangen in einer Gesellschaft, die ein Paradigma über diese Menschen ausbreitet, dass sich diese Menschen nicht verstehen machen können.
Ja, ihr Körper, den sie als unpassend empfinden, hält sie auch gefangen, aber es ist tragisch,
wenn sie feststellen, keine Helfer finden zu können, aus dieser Gefangenschaft auszubrechen, denn wenn sie die erste Gittertüre passiert haben,
die ihres Körpers, finden sie sich in einer neuen Zelle wieder, die wiederum Gitter hat, die gesellschaftliche Zelle.
Die Zelle die aus Wänden des patriarchalen Paradigmas besteht, dass alle Menschen ,die mit männlichem Genital geboren werden, Männer seien.

Nicht nur genitalgeschlechtliche Frauen, sondern auch genitalgeschlechtliche Männer sind im Patriarchat gefangen.
Es genügt, gegen das Patriarchat zu sein um Opfer desselben zu werden.
Es kommt nicht darauf an, ob Du dieses Dagegensein als Frau oder Mann ausübst.
Die Folgen sind die gleichen. Du bist dann "anders". "Andersartig". "Unkonform". Das sind noch die harmlosesten Begrifflichkeiten.

Es gibt diese Frauen und Männer nicht, wie uns erzählt wird. Es gibt sie nur in Bezug auf die Möglichkeiten der Reproduktion.
Wir müssen aber das Gehirn davon unabhängig betrachten, wollen wir den ganzen Menschen geschlechtlich erfassen.
Wenn wir den Menschen nicht verletzen wollen, ist es unabdingbar, sein Gehirn als geschlechtsbestimmendes Organ zu verstehen,
und die Reproduktion als sekundäres Merkmal, als Merkmal, dass diesem Geschlechtsbegriff untergeordnet werden muß.
Das gebietet die Humanität. Und zwar bereits bevor wir Beweise dafür vorbringen müssen. Das Leid ist Beweis genug.
Die Suizide. Menschen, die orientierungslos werden, verzweifeln. Den Drogen verfallen. Den Freitod wählen.
Die offiziellen Zahlen liegen bei über 50% im Bereich Geschlechtsidentität. Die Dunkelziffer ist höher, da viel Fälle
für Außenstehende nicht ersichtlich sind, dass Betroffene mit diesem Thema kämpften. Dann wird als Ursache Depression genannt.
Psychische Probleme. Vielleicht auch Verwirrtheit. Das Opfer hatte selbst ein Problem, das niemand half, wird nicht zum Thema gemacht.

Es gibt nur diesen einen Weg. Gehirngeschlechter zu akzeptieren heißt: Die Selbstbestimmung der Menschen über ihr Geschlecht zu akzeptieren. Jeder Staat, der sich dem Humanismus, der Menschlichkeit verschrieben hat, muss diesem Folge leisten, oder sich fragen lassen,
ob er ein Staat für Menschen ist, oder was er sich für Individuen als Bürger halten will.
Vielleicht sieht dieser Staat seine Bürger nicht als Menschen. Dann sollte er sich outen und nicht so tun, als wäre er für Menschenrechte.
Dann ist er gegen Menschen. Was ist das für eine Moral? Für ein Wissen? Für ein Gewissen? Werden sich Menschen in Jahrzehnten fragen,
warum diese Dinge nicht gewußt werden konnten? Gewußtes Nichtwissen ohne Gewissen.

Carol drückt den Button - der vierte Aufsatz. Und es werden mehr werden. Sie wird nun ihre Stimme erheben.


Image

"De revolutionibus p. 9 verso"
1543
Nicolas Copernicus
Bildlizenz: Public Domain


weiter mit Kap. 1.2.58
http://www.freeyourgender.de/forum/viewtopic.php?f=555&t=1258



ef924c5a5562424fa678a46376b8a6c6
eine weibliche Identität kann, muss sich aber nicht durch eine Vagina bestätigt wissen
http://www.freeyourgender.de

Image
User avatar
JasminRheinhessen
 
Posts: 575
Joined: Thursday 11. September 2014, 19:18
Location: Würzburg

Return to Handlung - Story

Who is online

Users browsing this forum: No registered users and 0 guests

cron