Dein Schwanz ist nicht Dein Geschlecht. Sag das zuerst Deiner Frau. Sind wir politisch jetzt? Ja.

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Carol Rose
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Dein Schwanz ist nicht Dein Geschlecht. Sag das zuerst Deiner Frau. Sind wir politisch jetzt? Ja.

Beitrag von Carol Rose » 30 Sep 2020, 09:42

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Feminismusdiskurs und Geschlechterdefinitionsdiskurs verschmelzen.
Das war mein erster Titelentwurf - mal ehrlich - hättest Du diesen Artikel dann angeklickt?

Mein zweiter Titelentwurf:
Was Sie schon immer über ihr Geschlecht wissen wollten... frag Dein Gehirn, dein Genital sagt es Dir nicht.
Nicht schlecht, aber zu verkopft, ich kann doch nicht schon im Titel soviel Denken abverlangen, das strengt an, schreckt ab.
Klingt nach Denkarbeit, und Denkarbeit ist... Arbeit.

Daher etwas reißerisches - zugegeben, ich bin da nicht besser als die BILD - also Asche über mein Haupt, aber ich tue es ja für ein gutes Ziel.
Dich befreien. Rechtfertigt das nicht alle Winkelzüge?

Wer also den provokativen Titel verstehen möchte, den ich jetzt gewählt habe, hat im folgenden Text die Chance, und wer ihn nicht versteht,
klickt ihn trotzdem an, weil er einfach so schön unser Paradigma der genitalen Definition in Scherben schlägt. Und ja, Schwanz ist immer gut,
klingt nach Porn und Porn ist immer gut für Quote. Jeder Hund hat einen Schwanz, mit dem er wedelt. Also ruhig bleiben.

Der Titel ist eine Metapher: Sag Deinem inneren weiblichen Anteil, den jeder hat, dass Dein Genital diesen nicht auf 0 setzt.
Sag es also Deiner Frau, deinem inneren weiblichen Anteil, dass Dein Schwanz nicht dafür sorgt, dass Du zu 100% Mann bist.
Jetzt wird es schon komplizierter und weil es richtig schwer werden soll, gleich in den aktuellen Diskurs springen:

"Menschen mit Menstruationshintergrund!", riefen sie, was ist mit den Frauen, die keine Menstruation mehr haben? "Menschen mit Uterus!", riefen sie, aber sind das keine Frauen, die keinen haben, oder keinen mehr haben? Keinen haben oder keinen mehr haben... diese Debatte ist ein Pendant zu der Debatte über Genitaloperationen bei varianter Geschlechtsentwicklung und den parallel damit verbundenen Abgrenzungsversuchen und Geschlechtsdefinitionen. Einen Uterus einmal besessen zu haben, als neuer Ersatz für genitale Abgrenzung? Frauen, die das Thema Abtreibungsrechte mangels nie vorhandenen (unterscheide: durch Operation entfernt worden) nicht betrifft und nie betroffen hat, können doch keine Frauen sein! Ja, einmal vorhanden... das erinnert mich an, mit männlichem Genital geboren, es wird sich also daran festgehalten, was einmal war, nicht das, was ist. Olala - welche Verschmelzung von Sachverhalten, da liegen so viele Äpfel und Birnen im Korb, wer bekommt das noch auseinander?
Wenn Frauen sich darüber streiten, wer eine Frau ist und dabei den Diskurs varianter Geschlechtsentwicklung mitmeinen, es aber gar nicht wissen. Autsch. Es geht also zur Zeit rund im Definitionskarusell. Bleiben wir dran!

In diesem Artikel möchte ich auf einen Artefakt in dieser Kernschmelzungsdebatte leuchten: Wer hält sich an patriarchalen Mustern fest und wer ist wirklich nach meiner Meinung feministisch? Feministisch im Sinne von antipatriarchal? Wer versucht Biologismen für seine Haltung zu einer Sache zu missbrauchen?

Christin's Beitrag "Feminismus vs. Femininität...", zeigt die patriarchalen Wirkkräfte und Symptomatiken auf, und wie verschiedene feministische Strömungen darauf reagieren. Dieser sollte vor allem patriarchal geprägten Frauen und Männern in der ersten Unterrichtsstunde ihres virtuellen Studiums über ihre Unfreiheit vorgelegt werden. Ihre eigene Unfreiheit und die, die sie mit ihren (patriarchalen) Werten für andere schaffen.

Schwarzismus, die feministische Strömung um Alice Schwarzer, enthält patriarchale Reglementierungen, kommt als Gleichheitsfeminismus daher. Wenn ich aber "gleich" den Männern sein soll, bin ich nicht mehr frei. Vor allem bestätige ich das Patriarchat, wenn ich nicht nur gleich im Sinne von gleichwertig meine, sondern "so sein soll wie die Männer", um gleiche Rechte zu bekommen. Ich soll maskulin aussehen, ich soll die Ellenbogen ausfahren, ich soll alles kopieren, was das Patriarchat für die Männer an Herrschaftssymbolik bereithält. Das ist kein Feminismus, sondern ich stelle mich dann einfach als Unterdrückte hin, meutere mit meiner Mannschaft und steuer das Schiff im gleichen Stil weiter, wie es mein Unterdrücker tat. Bin ich dann besser? Nein. Ich habe nur erreicht, dass auch ein weibliches Genital sich wie ein Unterdrücker und Despot verhalten darf. Wenn ich das Patriarchat kopiere, bestätige ich es.

Das Patriarchat unterdrückt immer weibliche sexuelle Selbstbestimmung. Diese darf eine Frau nicht etablieren. Also muss die meuternde Mannschaft mit weiblichem Genital auch diese Felder dementsprechend so besetzen, auch ins gleiche Horn blasen: Sex ist Schmuddel, Sex ist "Bäh". Eine Frau mit auffälligem Lippenstift ist eine Schlampe. Es werden die Mechanismen wiederholt und kolportiert, die Frauen unterdrücken. Die Meuterer werden zu Verrätern ihrer weiterhin Unterdrückten, die weiter angekettet im Schiffsrumpf verharren. Nicht ans Deck dürfen.

Wie Christin schrieb, sehen wir diesen Effekt des "Kopierens" von Regelwerken auch in anderen Bereichen, das Genital wird bei manchen Menschen mit varianter Geschlechtsentwicklung zum Abgrenzungsmerkmal gegenüber anderen, die auch variant sind. Haben sie keine Operation, sind sie nicht das, was sie selbstbestimmt über sich aussagen. Diese Gruppe tut das Gleiche wie das Patriarchat: Es grenzt über das Genital ab. Oder versucht Leid zu bemessen. Versucht, den Grad eines Leidenszustandes als Parameter eines Geschlechts zu etablieren. Das ist alles Konstruktion, Fremdbestimmung und geht gegen Selbstbestimmung. Nur Du selbst weißt, welches Geschlecht Du hast. Dein Geschlechtswissen ist angeboren und wird von Deinem Gehirn determiniert.

Die, die das patriarchale Schiff gekapert haben, sollten also aufpassen, dass sie nicht genauso unterdrücken, wie die, die vorher am Steuer standen. Ich möchte den sehr guten Artikel von Christin jetzt nicht einfach nur wiederholen mit meinen Worten, sondern ihm 2 Dinge beifügen:
Stiletto-Feminismus oder Lippenstift Feminismus ist auch unter Differenzfeminismus bekannt. Dieser Begriff ist in Deutschland nicht sehr verbreitet und daher möchte ich auf diesen in diesem Artikel hinweisen. Es gibt auch einen eigenen Wikipedia-Eintrag dafür. Ich poste diesen Link, damit Du ihn nicht so schnell wieder vergisst, diesen Feminismus, der für echte Freiheit sorgt. Denn im Differenzfeminismus kannst Du so sein, wie Du bist. Von mir aus auch patriarchal, aber es gibt eben keine Zwänge und Klischees, die Dich sofort wieder fremdbestimmen. Du bist eben keine Schlampe, solltest Du Dich für einen Rock entscheiden, Du bist eben nicht gleich reaktionär, vom Differenzfeminismus aus betrachtet, wenn Du lieber Hosen trägst. Nein - es gibt keine Verhaltensmuster, außer der eigenen Freiheit. Diesen Differenzfeminismus sollten wir auch im Diskurs über das Genital endlich etablieren: Das Genital legt kein Geschlecht fest, das sehen wir sichtbar an den Intersexuellen, die ein genaues Geschlechtswissen über sich haben: sie sagen Dir, was sie sind, wenn Du sie fragst. Männlich, weiblich, oder sie sagen Dir sogar, dass sie "zwischen" sind, dass sie beides sind und hier ihr Harmoniepunkt liegt. Für ihre Antwort müssen sie nicht zwischen ihre Beine schauen. Sie wissen es. Wir sollten differenzfeministisch in Bezug auf das Genital sein und auch auf die Fähigkeit zur Reproduktion, genauso wie wir differenzfeministisch gegenüber patriarchalem Verhalten sein müssen, denn das Verhalten eines Mannes zu kopieren, ist nicht feministisch und befreiend, die genitale Definitionswelt über andere Menschen mit varianter Geschlechtsentwicklung zu stülpen, ist nicht variant, sondern festlegend und fremdbestimmend.

Es ist also keine feministische Befreiung, wenn wir einfach das Gegenteil von weiblich sind... und wenn wir uns innerhalb patriarchaler männlicher Stereotype bewegen, dann meinen, damit eine Befreiung aus unserem Gehege geschafft zu haben, nein, wir sind nur ins Lager der Unterdrücker gewechselt. "Das Gegenteil ist auch verkehrt", ein Statement von Antje Schrupp, Bloggerin, Autorin, Denkerin... und Differenzfeministin, die ich 2014 entdeckte und sehr schätze. Sie ist in meinem Alter, Mitte 50ig und ich lese sie gerne und höre gerne ihre Podcasts. Aber, sie hat, trotz Differenzfeminismus, ein Problem, diesen auch auf variante Geschlechtsentwicklung anzuwenden.

Und ich möchte hier nicht falsch verstanden werden: Variante Geschlechtsentwicklung ist KEINE Option, KEINE Haltung, die wir einnehmen könnten,
indem wir uns unsere feministische Strömung dazu passend auswählen um vielleicht dann im Queerfeminismus zu landen. Variante der Geschlechtsentwicklung ist ein FAKTUM, das wir beschreiben und das uns verstehen macht. Ich meine daher, dass wir unser Denken über Freiheit - und nichts anderes ist es, wenn wir uns vom Patriarchat lösen und emanzipieren wollen, genau hinterfragen sollten um dann in der logischen Folge auch aufhören sollten uns mit unserem "patriarchalem Verhalten" von Deutungen über Geschlecht lösen sollten, denn das ist dann eine HALTUNG, nicht eine Beschreibung von FAKTEN, wie es die Aussagen über varianter Geschlechtsentwicklung sind.

Wir sehen bei Antje Schrupp nämlich so eine HALTUNG, Sie versucht anscheinend, ihr Frausein irgendwie "zu retten", gegenüber anderen, die nicht Frau wären. Diese Versuche manifestierten sich in ihrem Buch "schwangerwerdenkönnen", das vor der J.K. Rowling-Debatte veröffentlicht wurde. Manchmal muss ich ein wenig Schmunzeln, wenn ich diese Versuche lese, aber ich kann das, andere vielleicht nicht (augenzwinkernd). Mit Antje müssen wir also reden, das sage ich hier mit einem Wissen, dass hier ein interessanter Diskurs gerade stattfindet, der unser Thema betrifft. Das Thema, wer oder was hier ständig unser Geschlecht fremdbestimmt. Auf eine Frage von mir, dass X-Frauen (Turner-Syndrom) auch nicht schwanger werden können, aber als Frauen im Geburtsregister geführt werden, daher nach Antjes eigener Definition eigentlich dann keine wären, schrieb sie mir in einer unter ihrer Artikel im Kommentarbereich: Es ist wichtig, wie sie sozialisiert wurden, sie wurde ja so sozialisiert, dass sie dachte, sie hätte schwanger werden können. Und mit diesem Wissen habe ich ein ganz anderes Leben, eine völlig andere Situation. Ja, da gebe ich ihr Recht, nur was hat das mit biologischen varianten Geschlechtsdefinitionen zu tun, hier sind wir dann im Bereich Gender. Ich glaube, diese Diskussion ist sehr wichtig und in der aktuellen Diskussion über das Thema "Menschen mit Menstruationshintergrund", "Menschen mit Uterus" (>Twitter), das im Moment in aller Breite geführt wird, geht es nicht nur um Frauen, sondern um unser Thema Nr. 1: Wie wir Geschlecht definieren. Biologisch und sozial.

Ja, in diesem Diskurs verbinden sich endlich! der feministische Diskurs mit dem Diskurs der varianten Geschlechtsentwicklung, eine große Chance, hier Kräfte zu bündeln. Und wir sehen, dass wir im feministischen Lager eben auch die Spaltung haben, wie wir sie im Lager der varianten Geschlechtsentwicklung kennen. Viele wollen sich eben mit einer Abgrenzung "retten", die patriarchal ist. Warum müssen wir uns "retten", warum ist es uns so wichtig, uns abzugrenzen. Ist das nicht irgendwo eine latente "autotransphobe" Haltung? Ist das nichts anderes, wie wenn ein Mann nicht zu seiner Weiblichkeit stehen kann? Ist diese "autotransphobe" Haltung dann kognitiv geprägt? Wir sollten uns also diese Art der Meuterer, die das patriarchale Schiff entern, genau ansehen. Welche Eltern hatten sie, welche Sozialisierung? Meine Theorie ist, dass Transphobie nicht angeboren ist, wir hätten daher m.M.n. eine große Chance, wenn wir Aufklärung betreiben. Es ist wichtig, wie wir unsere Kinder erziehen.

Wem AKTION-SELBST-DENKEN jetzt mit den letzten Artikeln fast schon wie EMMA erscheint, wie ein Sprachrohr für Frauenrechte, dem möchte ich entgegenhalten: Es geht bei Frauenrechten um Politik, es geht bei Geschlecht um Politik, weil es um das Patriarchat in beiden Fällen geht. Und hier sind wir dann bei links und rechts, bei patriarchal konservativ und alles was sich dagegenstellt findet sich unter der Regenbogenfahne wieder.

Es ist also wesentlich für Dein Leben, was Deine Freiheit des Geschlechts angeht, was Deine Freiheit Deiner Sexualität angeht, welches politische Lager Du wählst. Dieses kannst Du wählen, Deine Art der Sexualität, dein Geschlecht nicht. Es könnte also durchaus sein, dass Du Deine eigene Sexualität, dein eigenes Geschlecht mit der Wahl deiner politischen Richtung abwählst. Und nicht nur das: Anfängst anderen ihre Freiheit zu nehmen durch Deine Entscheidung, die Definitionen nun bereithält, wie andere zu sein haben, damit sie... ja was denn. Damit sie "normal" sind. Nein - Normalität bestimmst nicht Du und auch nicht andere. Normal ist eine Form, die gar nichts bestimmt. Das 4-blättrige Kleeblatt ist freier als "Unnormale" in unserer Gesellschaft. Denn diese grenzen wir regelmäßig aus, auch in vielen anderen Bereichen, nicht nur im patriarchalen Kontext, wenn Du als Mann zu viel Gefühl zeigst, Weiblichkeit zeigst, sondern auch, wenn Du eine andere Hautfarbe hast, wenn Du dick bist, oder hässlich, wenn Du alt bist oder die Sprache nicht kannst, des Landes, in dem Du lebst. Fang endlich an, das 4-blättrige Kleeblatt zu lieben. Sag ja zur Varianz. Fang an zu DENKEN. AKTION-SELBST-DENKEN.

Hey - verdammt! Ich will hier keine EMMA oder EMMA-Kritik lesen - sondern etwas über Querdenker, Aluhüte und Rechtspopulismus! Tja - wenn wir über diese Themen reden, reden wir automatisch über Dein Geschlecht, Deine Sexualität, weil Politik sich diesen Themen bedient um zu definieren, fremdzubestimmen und auszugrenzen. Hast Du Springerstiefel an oder Sandalen? Hast Du eine Macho-Attitüde, willst besitzen oder denkst eifersuchtsfrei, polygam? Gehst Du in die Hotelbar, die vorige Woche eine sogenannte "Transfrau" (SIC!) herausgeworfen hat? Oder lieber auf eine Demo mit Sonnenblumenkindern? Nichts, aber auch nichts bleibt in deinem Leben unbefleckt von patriarchaler rechter Politik, deshalb geht es hier immer auch darum, auch wenn ich über Hosen und Röcke schreibe. Möchtest Du spüren wie sich "rechts" anfühlt? Dann bleibe "als Mann" wie Du bist und zieh einen Rock an. Aber einen Stretchmini - ganz kurz, weil die Wirkung soll ja auch spürbar sein. Wir nehmen dann schon Fisherman's-Friend und keine Karamel.

Ergänzungstext:
Wir schreiben das Jahr 1967. Du wohnst in Zürich, darfst nicht an Parlamentswahlen teilnehmen. Warum? Weil Du mit weiblichem Genital geboren wurdest. 1971 durftest du mitwählen. Was ist in diesen Jahren passiert? Es wurde geschrieben, nachgedacht und wachgerüttelt. Bist Du wachgerüttelt? Hast Du verstanden, dass im Patriarchat Dein Geschlecht, Deine Sexualität, eine politische Kategorie ist? Und nicht vergessen, Pathologisierung wird gerne für politische Ziele verwendet. Wenn Du also als krank bezeichnet wirst, könnte das etwas mit der politischen Haltung dieses Menschen zu tun haben, der das zu Dir sagt... oder Krankheitsdefinitionen in Bücher schreibt. Ich persönlich halte vielmehr Verbote für krankheitswertig - unter dem Zwang zu stehen, Menschen verbieten zu wollen, frei zu sein. Der §175 wurde erst 1994 als Folge der Wende 1989 in Deutschland gänzlich aus dem Strafgesetzbuch entfernt. Also DENKEN. AKTION-SELBST-DENKEN. Deshalb widme ich das Titelbild Oscar Wilde, denn die Opfer des Patriarchats sind nicht nur Frauen, sondern auch Männer. Drucilla Strain hat in einer Zeit das Thema Sexualität bedient, als es für eine Frau von "seriösem" normalem Stand eine Unmöglichkeit war, diese in irgendeiner Form öffentlich zu zeigen. Mein Titelbild will sagen: Die Wahrheit liegt in der Zulassung der Verschmelzung beider Pole, männlich wie weiblich, den weiblichen Pol bildet im Titelbild Drucilla Strain. Was hat Oscar Wilde bitteschön mit dem Geschlechterdefinitionsdiskurs zu tun? Ich bin einfach provokativ und sage: Hatte er eine andere Möglichkeit? Hatte Hape Kerkeling eine andere Möglichkeit? Wenn ihm schon sein Outing Outing in Richtung homosexuell durch Rosa von Praunheim so viel bedeutete, dass er hinschmeißen wollte? Ist Tom Neuwirth (>Conchita Wurst) wirklich lediglich ein schwuler Mann und eine Travestie (SIC!) bzw. Kunstfigur? Warum ich Travestie hier mit SIC versehe, dafür müsste ich Platz für mindestens 100 Seiten haben. Travestie ist für mich ein Kofferbegriff, der nichts anderes beschreibt, als die Abweichung patriarchaler Kleiderordnungen, falls dies geschieht, bitte dann Kunst und Comedy als Feigenblatt wählen, ansonsten nicht erlaubt. Ist Hella von Sinnen einfach nur lesbisch... oder vielleicht doch ein Mann, in Bezug auf das, was ihr Gehirn sagt, aber sie vielleicht nicht zulässt? Ich werde Prügel bekommen, diese Fragen zu stellen, aber ich stelle sie und ja, manchmal ist die vorgewärmte Schublade nun doch einfach bequemer, als die, wo es durch alle Löcher weht oder die, die es noch gar nicht gibt, wie für diejenigen Menschen mit varianter Geschlechtsentwicklung, die über ihr Geschlecht Bescheid wissen, Dir darüber eine genaue Aussage mitteilen können und sich als Transgender (SIC!) bezeichnen lassen müssen.

Ergänzungstex zum Ergänzungstext:
Frauen, die sich gegen das Patriarchat stellen, finden sich im Feminismus mit seinen verschiedenen Strömungen wieder. Unser Geschlecht wird über das Genital patriarchal abgegrenzt. Das Patriarchat nutzt als Definition, wer wen unterdrücken darf, das Genital. Frauen haben sich als Unterdrückte gegen das Patriarchat gestellt und tun es noch heute. Für die Opfer derer, die sich aufgrund patriarchaler Genitaldefinition unterdrückt, ausgegrenzt, diskriminiert und fremdbestimmt fühlen, gibt es aber keine Bezeichnung, die wie der Begriff "Feminismus" funktioniert. Ich rufe daher dazu auf, diesen zu finden, einen Begriff zu finden, der die Varianten der Geschlechtsentwicklung verteidigt und in einem Wort zusammenfasst, wie es "Feminismus" für Frauen tut. Vielleicht so etwas wie: "Antigenitalismus". Hier haben wir aber ein Nein enthalten. In Feminismus ist ein Ja enthalten, was mir besser gefällt. Ein Ja zur Weiblichkeit. Was ist unser Ja? Ein Ja zur Varianz. Varianzismus klingt für mich zu schwierig. Wenn wir Feminismus und Maskulismus betrachten, als Pole des Patriarchats, wo befinden wir uns mit unserer Varianz? Wir befinden uns an dem Punkt, kein Pol zu sein. Zumindest nicht in der patriarchalen genitalen Definition. Wir müssen aber aus der reinen Genderdebatte aussteigen, wenn wir über Varianten der Geschlechtsentwicklung reden wollen. Es geht auch nicht um kognitiv erworbene Identitäten. Es geht um Angeborenensein, es geht um Intersexualität, wobei hier die Silbe "sex" das Geschlecht meint, in der englischsprachigen Bedeutung, Wir sind also zwischen den Polen, zwischen den Geschlechtern, im Sinne "nicht in deren Definitionsbereich liegend". Überhaupt sollten alle so denken, dass sie nicht in einem genitalen Definitionsbereich liegen (und lieben), auch wenn die Fremdbestimmung zufällig mit dem eigenen Geschlechtswissen übereinstimmt. Schwarzismus ist ein -ismus-Begriff, der eine HALTUNG umschreibt, wir können uns also auch einen Namen einer Person zu Hilfe nehmen, um Antigenitalismus zu ersetzen. Lili Elbe, einer der ersten Menschen, der sich einer Genitaloperation unterzogen hat, würde zu Elbismus führen, wäre aber schwierig, da wir dann die ausschließen, die sich nicht operieren lassen. Ich schlage vor, wir fokussieren auf das Denken, was wir voranstellen, im Sinne unseres Geschlechtswissens. Es gibt z.B. Ableismus, also ein Begriff, der auf Fähigkeiten fokussiert, die jemand hat oder nicht hat. Rekurriere ich also auf Dinge, die jemand nicht kann, befinde ich mich im Bereich des Ableismus. Wir haben also dann "sich etwas bewusst sein" - to be aware of - Awareismus. Ich bin mir bewusst, ich weiß, dass ich eine Frau bin, bedeutet dann eine Aussage des Awareismus. Auch tangiert es den Awareismus, wenn jemand mir dieses Wissen abspricht, wie es den Ableismus tangiert, wenn ich Menschen diskriminiere, weil sie eine bestimmte Fähigkeit nicht besitzen. Ich stelle also Awareismus in den Raum, vielleicht findest Du einen besseren Begriff. Awareismus gibt es tatsächlich noch nicht. In Google keine Ergebnisse - Gute Ausgangslage.
Ich habe überlegt, ob ich diesen Schlussabsatz als eigenen Artikel schreiben soll, nein - ich habe mich dagegen entschieden, wenn Du bis hierher gelesen hast, verstehst Du besser, warum diese Begriffssuche mit Politik, mit Rechtspopulismus, mit Deiner Freiheit oder Nichtfreiheit direkt verbunden sein wird. Eben mit Awareismus. Im Awareismus wird Dein Geschlecht gesehen, dass Du über dich weißt. Klingt gut - gefällt mir, da gönne ich mir jetzt einige Texte von Margarete Klopstock, schöner Barock, schön konservativ, denn ich lasse mir meinen eigenen Konservatismus nicht von euch nehmen. Viel Spaß weiterhin mit eurer Genitalabgrenzungspolitik. Vergesst aber nicht das Licht beim Sex auszumachen, Sex ist Bäh, Sex muss negativ sein, wie Frauen auch abgewertet werden müssen, vergesst das nicht. Ich empfehle mich.

Ach' noch etwas, wenn du Dich in deiner eigenen Awareness eingeschränkt fühlst, schreibe hier mit. Jeder Gedanke zählt und jede Kraft, die Menschen befreit. Gerade hat sich mein Po befreit, der Reißverschluss meines Rockes wollte ihn zähmen. Mein Po hat mehr politische Power, wie ich gedacht hatte. Lass ihn also sprechen und sperre ihn nicht länger ein. Gib Deinem Po eine Stimme. Bis später.



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