Ein Mann, der mit weiblichen Geschlechtsmerkmalen geboren wurde. Artikel aus Österreich

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Carol Rose
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Ein Mann, der mit weiblichen Geschlechtsmerkmalen geboren wurde. Artikel aus Österreich

Beitrag von Carol Rose » 09 Jan 2020, 11:26

Der österreichische Gewerkschaftsbund widmet sich in seiner Ausgabe 986, Januar 2020 seiner Zeitschrift Solidarität dem Thema "Vielfalt in der Arbeitswelt".


Im Zuge dieses Themas der Ausgabe ist ein Artikel über Marek Wimberger zu finden, der mich positiv überascht hat.

Es scheint sich sprachlich etwas zu bewegen. Die Standardfloskel "als Frau/Mann geboren", wird hier tatsächlich nicht verwendet, sondern auf die Genitalien rekurriert, die zu dem falschen Geschlechtseintrag in das Geburtsrgegister führten, indem getitelt wird: "Ein Mann, der mit weiblichen Geschlechtsmerkmalen geboren wurde."
Nicht nur der Titel ist in dieser Formulierung, sondern diese Formulierung wird explizit als Zitat noch einmal am Anfang des Artikels wiederholt mit
"...„Ich bin ein Mann, der mit weiblichen Geschlechtsmerkmalen geboren wurde“, erzählt er im Gespräch mit der „Solidarität“..."

Der Artikel ist in anderen Teilen noch undifferenziert, z.B. wird Transsexualität unter dem Begriff Transgender subsumiert, und es werden
Begriffe wie Transmann und Transfrau verwendet, ohne aufzuklären, auf was sich denn dieses Trans beziehen soll.

Sprachlich komplett aufklärend wäre der Artikel, wenn er diejenigen Leser_innen noch abholt, die bei "Mann" evt. nur an das soziale Geschlecht
denken und darauf hinweist, dass "Mann" tatsächlich hier für biologisches Geschlecht in Bezug auf das Gehirngeschlecht steht. Denn trotz Hinweis auf weibliche Geschlechtsmerkmale, womit die meisten Leser_innen das Genital verstehen, ist dieser Gedankengang noch möglich.

"Ein Mann, der mit weiblichen Geschlechtsmerkmalen geboren wurde." ist zwar besser als "als Frau geboren", aber es bleibt immer noch die Möglichkeit zu denken, dass der Begriff "Mann" hier trotzdem sozialgeschlechtlich gemeint sein könnte. Vor allem dann, wenn mit Begriffen wie Transgender im Text gearbeitet wird, die nicht weiter in Bezug auf (angeborene) Transsexualität ausdifferenziert werden.

Diese gedankliche Grauzone, die einen sicheren Paradigmenwechsel im Verstehen verhindert, wäre ausgeräumt, wenn zusätzlich darauf hingewiesen würde, dass Genitalien das Geschlecht nicht allein beschreiben können, dann wären die Gedanken der Leser_innen tatsächlich auf der biologischen Ebene. Als Ergänzung, damit dies auch verstanden werden kann, warum das so ist, muss das Gehirn als zusätzliches Geschlechtsorgan mit aufgeführt werden. Erst dann wird die Aussage, dass ein Mann mit weiblichen Geschlechtsmerkmalen geboren werden kann, auch sinnhaft verstanden, im Sinne von:
Marek wurde mit weiblichen Genitalien männlich geboren.






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