Was ist transsexuell für die dgti?

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Was ist transsexuell für die dgti?

Beitrag von Freeyourgender » 17 Jul 2019, 09:12

Die dgti - Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V. gehört zu den größten Organisationen in Deutschland.
https://www.dgti.org/

Wie denkt die dgti über den Begriff Transsexualität - wie definiert sie ihn?

Frage an die dgti:

Wenn ich "geschlechtsangleichende" Operation sage, auf welches Geschlecht gleiche ich dann an (Im Sinne von transsexuell?)

A) auf mein "Identitäts"-Geschlecht?
B) auf mein Geschlecht, dass pränatal hirnphysiologisch ausgeprägt wurde (und damit biologisch ist) ?

Wenn B zutrifft, bin ich als Frau geboren, trotz Penis
Wenn A zutrifft, bin ich ein Mann und bleibe es per Defintion auch nach der OP

Ich würde gerne wissen, wie die dgti das sieht.

Dies ist eine Kernfrage und wesentlich dafür, wie jemand den Begriff transsexuell definiert.

B ist die biologische Erweiterung der Geschlechtsdefinition über die Reproduktionsfähigkeiten hinaus, wenn Du das Gehirn als geschlechtliches Körpermerkmal neben Genitalien, Gonaden, Hormonen, Chromosomen miteinbeziehst. In der Hirnforschung wurden physische (nicht psychische) Indizien dafür aufgezeigt, dass eine neurobiologische Geschlechtlichkeit von verschiedenen Gehirnaspekten, die über Hormonlevels in der Schwangerschaqft gesteuert werden, ausgeprägt werden.
Diese müssen für das Wissen über das eigene Geschlecht, und erst jetzt kommen wir auf die kognitive Ebene, auf die identität, verantwortlich sein.
Wir erhalten unser Wissen über unser Geschlecht nicht durch den Blick zwischen unsere Beine.
Es gibt Intersexuelle, die Dir genau Auskunft darüber geben können, welches Geschlecht sie (für sich) sind.




Ein Beitrag, den ich zur Klärung in einem Forum schrieb:

Wie Du selbst hier siehst, ist die Kommunikation über das Thema "Trans", mit einem Begriff, der homonym verwendet wird > Geschlecht wird in biologischer, identitärer, sozialer und juristischer Hinsicht verwendet < missverständlich (kein Vorwurf, sondern nur eine Feststellung)

Wenn Du dein inneres Geschlecht, wie Du schreibst, dein "eigentliches" Geschlecht wie unter B gemeint haben möchtest, wärst Du auch biologisch eine Frau, und auch bereits als Frau geboren. Das ist auch der Ansatz, den ich vertrete.

Nur ist diese Tatsache sprachlich nicht erkennbar, wie Du an unserem Dialog siehst.

Eine Haarspalterei ist das Ganze absolut nicht, denn die Folgen, dass Du dich unter B verstanden sehen willst sind:
Du kannst begründen, warum Du eine Frau bist.
Dann erst erhälst Du den wichtigen Paradigmenwechseln in einer begründeten Verständnisform:
Es heißt dann nicht "Sie war früher ein Mann", sondern sie war eine Frau, und wurde mit männlichem Genital geboren.
("sie war" in biologischer Hinsicht gemeint, nicht sozialer)

Wenn Du diesen Unterbau der Ursachenerklärung sprachlich nicht mitlieferst, was zur Zeit der Fall ist, wenn nur über Identität gesprochen wird, die aber nur die Folge deiner biologischen Ausprägung ist, und kein Geschlecht als solches darstellt, bleibt im Verständnis immer das zugewiesene Geschlecht das "eigentlich biologische".

Solange das zugewiesene Geschlecht das originär biologische bleibt, bleibt der Diskurs im "ich wünsch mir was"-Geschlecht hängen und macht Geschlechter beliebig. Geschlechter sind aber nicht beliebig sondern werden pränatal determiniert.

Ich möchte mich daher nicht als verkleideter Mann sehen, der sozial nur eine Rolle spielt. Ich bin nicht nur sozial, juristisch, kognitiv Frau, sondern von Geburt an. In angeborener Weise.
Meine Bemühungen liegen in der Korrektur der falschen Zuweisung, und nicht in der Akzeptanz, dass jemand sagt oder denkt, ja ich habe nichts dagegen, dass Du dich als Frau fühlst, obwohl Du eigentlich biologisch ein Mann bist.

Wenn wir diesen Paradigmenwechsel im Verstehen nicht schaffen, werden wir für die Gesellschaft immer nur Frauen (und Männer) sein, die eine Geschlechterrolle spielen. Das sind wir aber nicht, Hirnforschungen zeigen auf eine biologische Ursache. Es ist auch verständlich, dass dann auch die rechtskonservative Politik, sich weigert, den Begriff Geschlecht, den sie dem Genital zuordnet, zu erweitern auf Identitäten.

Der Begriff muss in biologischer Hinsicht erweitert werden, indem das Gehirn als weiteres geschlechtliches Körpermerkmal miteinbezogen und berücksichtigt wird. Reproduktionsmerkmale allein sind es nicht, wie wir an Intersexuellen sehen, die von sich selbst genau wissen, welches Geschlecht sie haben.

Es geht darum, ob gedacht wird:
Sie wurde als Alexa geboren
Oder ob gedacht wird:
Alex lebt jetzt ALS Frau und nennt sich Alexa.


Begriffe spiegeln das Verstehen einer Sache wider.

Ich kann eine Sache, ein Pähonmen, in diesem Fall die Trans-Thematik nur über die Sprache beschreiben um sie Verstehen zu machen. Die Sprache greift auf Begriffe zurück.

Vielen ist es nicht egal,
ob gesagt wird, sie wären ein Mann und hätten sich dann entschieden, ALS Frau zu leben.
Viele möchten sich als Frau verstanden sehen, die als Frau mit männlichem Genital geboren wurde, und die nicht nur sozial eine Geschlechterolle einnimmt.
Wenn wir letzteres aussagen wollen, brauchen wir eine differenzierte Sprache mit differenzierten Begriffen.

Das fängt damit an, dass ich hinterfragen muss, welches "Geschlecht" denn gemeint wäre, wenn von einer "geschlechtsangleichenden" Operation gesprochen wird.
Das biologische, durch das Gehirn pränatal determinierte Geschlecht, oder das identitäre Geschlecht, was gleichzeitig die Formel Penis=männlich aufrechterhlält und nur einen Geschlechtswechsel sozial, juristisch vollzieht.

Du siehst doch, dass eine Diskussion über den Begriff Geschlecht erst möglich wird, wenn wir eine gemeinsame Anschauungsgrundlage legen, wenn ich z.B. weiß, welches biologische Geschlecht Du meinst, wenn Du dich beschreibst.
Falls Du dich als geborenen Mann siehst, und damit in Harmonie bist, muss das nicht heißen, dass andere damit klarkommen.

Der biologische Begriff Geschlecht muss dahingehend erweitert werden, dass es auch Frauen geben kann, die anhand ihrer Gehirnprägung (physisch, nicht psychisch) Frauen sind, und nur das Genital abweicht.

Dann wird von Frauen geredet, die mit für sie unpassenden Genital geboren wurden, und nicht von Transpersonen oder Transmenschen, diese Begriffe lassen das zugewiesene Geschlecht unverändert.


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