1.2.17 Der Stachel der Rose

1.2.17 Der Stachel der Rose

Postby JasminRheinhessen » Sunday 18. December 2016, 20:34

"Mich zu verleugnen, ist,
Deine Sehnsucht zu verleugnen,
Die Rose in meinem Haar ist für alle sichtbar,
wie Dein Schmerz, wenn Du sie verschmähst.",
sprach Sie, stand auf und verschwand wie eine Elfe.

Heute abend hatte Sie ein besonders schönes Spitzenhemdchen an,
weiß und fast durchsichtig, von bezaubernder Schönheit.

Barton wachte auf, er konnte sich an seinen Traum noch erinnern,
es war wieder Susan, von der er träumte.
Das bezaubernde Wesen, was so eine magische Anziehungskraft auf ihn ausübte.

Gordon erzählte nicht viel über Sie, möglich, dass es seine Mätresse war.
Das letzte Treffen jedenfalls mit ihr, konnte er nicht mehr vergessen,
als Sie ihn hier im Büro besuchte.

Sie hat ihn beschworen, er soll Sie anrufen, er könne Sie immer anrufen,
wenn er denn meinte, dass es ein guter Zeitpunkt wäre.

Barton schlief in seinem Büro, er war seit fünf Jahren geschieden,
seine alte Wohnung wurde selten von ihm benutzt.
Seit der Scheidung hat er sein Büro zu seiner Wohnung gemacht,
80qm boten auch genügend Fläche, ein paar Aktenordner hat er ausgelagert,
in seine Wohnung, er schaute selten in die Unterlagen der Patienten.

Kurz vor 1 Uhr, die Stadt war ruhig, es war die ruhigste Zeit,
bis dann ca. 4 Uhr morgens wieder der Verkehr langsam erwachte.
Barton liebte Nächte, sie waren nicht so real und normiert wie der Tag,
boten Platz für mentale Dinge, für spirituelles, für Ausbrüche aus seinem Leben,
und wenn es nur in Gedanken war.

Seine Frau war großartig, aber sie hat ihn nicht mehr befriedigt,
es war nur noch ein Albtraum für ihn.
Dass Sie dann meinte, er wäre schwul, war für ihn das Aus.

Er weiß, dass er nicht schwul ist, er ist sich sicher, ganz sicher.
Dafür liebt er Frauen viel zu sehr, das macht keinen Sinn.
Bisexuell ? Könnte sein.

Susan hat etwas in dieser Richtung erwähnt, er verstand nicht immer alles,
was Sie erklärte, Sie redete manchmal in einer Sprache, die ihm kryptisch erschien.
Auf jeden Fall weiß er: "Irgendwas stimmt nicht."

Die Tatsache, dass der Professor in "Isabell" ein Verhältnis mit seinem Kutscher hat,
gefällt ihm, er muss das Buch weiterlesen.
Ja - er identifiziert sich mit dem Professor. Warum kann er nicht sagen.

Barton steht auf, geht zum Fenster, schaut in den Nachthimmel, runter auf die Strasse.
Dann macht er einen Blick, in sein Zimmer, auf die Stelle, der Couch, der Sitzecke, des Glastisches.
Er wünscht sich einen Moment, dass Susan jetzt in der Couch liegt, lasziv, ihre androgyne Ausstrahlung versprühend,
wie immer mit ihrer Rose im Haar, einem koketten Hemdchen über ihrem Busen.

Was reizt ihn gerade an ihr? Warum reizte ihn seine Frau nicht mehr?
Susan war sehr intelligent, sehr offen in ihrer Art.

Barton ging zur Bar, nahm sich einen Whisky, nur einen kleinen Schluck,
um seinen trockenen Hals etwas zu lindern. Ja - das tat gut.

Er wurde jetzt auch etwas mutiger, ehrlicher über sein Problem nachzudenken.
Ja - es war die androgyne Art von Susan, paradoxerweise stand diese Art
im Gegensatz zu Ihren wunderschönen Brüsten,
ihren immer zu eng gewählten Spitzenhemdchen die Sie trug, Ihre Rose im Haar.

Aber genau dieser Gegensatz war es. Branton goss sich noch einen kleinen Schluck ein,
um seine Gedanken weiter fließen zu lassen.
Wenn er genau darüber nachdachte, bedeutete ihm das ganze hier gar nichts.
Es war wie ein Gefängnis. Das Büro verschlang einen großen Teil seines Einkommens,
er hatte viel zu wenig Zeit zum Leben. Eigentlich ein erbärmlicher Zustand.

Für einen Augenblick beneidete er den Grafen, sein Verhältnis mit dem Butler,
er konnte sich aber keinen Reim darauf machen, warum.

Susan könnte ihm helfen, herauszufinden, wer er wirklich war,
was ihn antrieb, wo seine wahren Leidenschaften liegen.
Sie war in seinem Alter, Sie versprühte aber eine Jugendlichkeit, wie ein junges Mädchen.

Barton nahm sein Phone, scrollte nach K....Ki.... Kimberley. Susan Kimberly. Su-Ki.
Er hatte Su-Ki das letzte mal vor zwei Monaten am Telefon gesprochen.
Es ging um Feminismus. Sie beklagte sich, dass Frauen sie kritisierten,
da sie einen Mini tragen wollte, zu einem Frauentreffen, einem politischen Treffen,
mit Themen, die er beeinflussen wollte, das war heute sein ganzes Bemühen.
Er wollte ein bestimmtes Frauenbild, das erregte ihn.

Susan war in bestimmten Dingen auf seiner Seite, Sie war zwar eine Frau,
aber Sie war anders. Sie war Feministin, wurde aber auch patriarchalen Wünschen gerecht.
Sonderbar. Wer war Su-Ki...
Gordon hat, wenn er Sie erwähnte, üblicherweise immer nur in Halbsätzen gesprochen.
Fast geheimnisvoll. Susan erzählte mir auch darüber,
wie Gordon immer versucht, Sie aus seinem offiziellem Leben herauszuhalten,
und das lag nicht daran, dass Sie seine Geliebte war, davon hatte er mehr als genügend,
mit denen er sich auch gerne zeigte, Essen ging, sie seinen Freunden stolz vorführte.

Susan begründete nicht, warum Gordon so war, sie sagte nur:

"Mich zu verleugnen, ist,
Deine Sehnsucht zu verleugnen,
Die Rose in meinem Haar ist für alle sichtbar,
wie Dein Schmerz, wenn Du sie verschmähst.",

Ob Sie dabei Gordon meinte, oder mich, ließ Sie dabei stets offen,
ich weiß nicht, dachte Barton, ob ich Sie nicht auch verleugnen würde.

Wenn ich mir vorstelle, dass Kollegen hier im Haus etwas erfahren würden.
Susan war anders, eine andere Frau. Warum war Susan eine Frau,
wofür sich ein Mann rechtfertigen müsste. Weil sie androgyn war?
Ja - es macht unnmännlich. Wenn eine Frau keine Barbiepuppe ist,
macht das einen Mann unmännlich.
Barton griff zum Whisky, goss sich noch einen Schluck ein, ging zum Fenster zurück.

Als er sich vorstellte, dass Susan jetzt hinter ihm stehen würde,
und ihn von hinten mit den Händen umschlingt, er passiv,
Sie das Geschehen bestimmend, wünschte er sich,
er würde nicht mehr aus diesem Traum erwachen.
Er spürte das junge Mädchen hinter sich,
das Mädchen, das Su-Ki mit ihrer Art ständig verkörperte,
gleichzeitig war er vom innigen Wunsch beseelt,
dass sie in eine Männerrolle schlüpfen könnte,
das tat, was ihre Androgynität versprach.



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"Athenais"
John William Godward
1908



weiter mit Kapitel 1.2.18
http://www.freeyourgender.de/forum/viewtopic.php?f=555&t=1134



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eine weibliche Identität kann, muss sich aber nicht durch eine Vagina bestätigt wissen
http://www.freeyourgender.de

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Re: 1.2.17 Der Stachel der Rose

Postby NikiLE » Sunday 25. March 2018, 21:41

Wir führten ein Leben, das wir nicht haben wollten - daran gefesselt durch die Angst. "Was sollen die Leute sagen ?!" Wir lehnten uns ab, weil wir geliebt werden wollten von Leuten, die wir nicht mochten, aber halt die mehreren waren. Und es war ja auch nicht alles schlecht an unserem Leben. Wir hatten Geld und Macht, schicke Autos. Wir tafelten in feinsten Restaurants, unser Wein kostete 20 € die Flasche, unser Whiskey 40 € aufwärts. Jeder in der Kleinstadt kannte uns und wir bewegten uns durch sie, wie ein Gutsherr durch sein Dörfchen. Wir hatten Erfolg, stets kamen neue Erfolge dazu, neue Freunde. Öfters sahen wir unser Foto im Käseblättchen, weil wir mal wieder eine große Sache am deichseln waren. Auch der Intendant des Staatstheaters war unser Freund geworden - wir konnten uns kaum noch retten vor all diesen Künstlerratten, die mitbekommen hatten, daß der Intendant auf unser Wort etwas gab.

Aber das Leben, daß wir führen wollten, hatte nur im Kopfkino Platz. Da ging es nicht um Geld und Macht, Achtzylinder und Bordeaux Cru classé, sondern um Schwänze, Mösen, Ärsche, Titten. Porno total ... und doch ... da war noch etwas anderes dahinter. Eben das Zusammensein ohne Angst. Manchmal haben wir es erleben können. "Kleine Fluchten" - das ist ein alter Schweizer Film, der Titel spricht für sich. So ein Gruppensex-Wochenende ist eben mehr als Gruppensex. Klar wird erstmal gerammelt bis zum Anschlag ... aber dann ... man hält sich im Arm, redet, trinkt, raucht, küsst sich ... immer wieder haben welche zu weinen begonnen, eine übele Erinnerung kam hoch, bei Frauen zumeist. Doch da waren dann sofort andere Leute da, die umarmt haben - und alle waren nackt oder fast nackt. Body touch überall, eben nicht nur untenrum. Da war das gemeinsame schlafen ... schlafen war da nicht viel, weil irgendwelche vögelten, redeten, rauchten, gingen auf's Klo. Aber links und rechts von Dir lag ein Mensch, den Du anfassen konntest und der Dich angefasst hat ...

Da merkst Du dann irgendwann, daß das Wichtiger ist, als der Achtzylinder und der Intendant, der Bürgermeister, der Bankvorstand und der Abgeordnete. Das heißt: Dein Bewußtsein merkt es erst mal garnicht. Für Dein Bewußtsein ist es: Highlife in Dosen ! Dickes Auto, dicke Geschäfte, rudelbumsen ... aber eine Instanz tiefer in Dir merkt: Du führst ein falsches Leben.

Aber trotzdem hälst Du an dem falschen Leben fest - eisern. Du quälst Dich selbst und bildest Dir noch was ein darauf.

Wieder eines dieser Frauenbilder von Godward - und wieder ist es gruselig. Die Frau ist überströmt von Blut. Einen komischen Wischmopp hält sie in der Hand. Er passt irgendwie garnicht. Ist es ein Wischmopp ? Ihre Hand trifft sich mit der Hand einer Figur aus dem Relief dahinter. Auch diese Frau stellt sich in eine Welt, die eigentlich garnicht real ist.
NikiLE
 
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