Gedanken zum Thema Lektorat

Gedanken zum Thema Lektorat

Postby JasminRheinhessen » Monday 1. May 2017, 03:35

Lektorierung ?

Danach wäre das nicht mehr mein Roman.
Stil: Ich verwende sehr viele verschiedene Stilistiken, auch einzelne Figuren haben verschiedene, je nach Situation und Inhalt.

Lesbarkeit: Es gibt Stellen, in denen ich schon fast in kryptische Sprache abdrifte, elaboriert, oder ich Form ud Dritte Person wechsle, wo Leser_innen die Ich-Figur selbst erahnen müssen, sprachliche Formulierungen die veraltet sind verwende, die unverständlich klingen, das muss alles so sein, die Kunst steht hier über die Lesbarkeit. Der Roman muss dann erarbeitet werden.
Unsere Gedanken die wir denken sind auch nicht immer lesbar, unsere Träume noch weniger, viele Romanteile sind innere Monologe, sie lassen viel Spielraum zum interpretieren, hier kann keine Lesbarkeit verbessert werden, ohne Einfluss auf das zu nehmen, was ich an dieser Stelle mit meiner Unlesbarkeit erreichen wollte. Metaphern sind ein Instrument, dass nicht lesbarer gemacht werden kann, als wie es ist.

Verschachtelt: Ja - das sind viele Sätze, ich habe mich da aber schon verbessert, die extremen Bandwurmsätze waren bei mir noch vor 3 Jahren normal. Es gibt aber durchaus bekannte und berühmte Autoren, die nur lange verschachtelte Sätze geschrieben haben.
Da fälllt mir als erstes Thomas Mann ein, etwas älter dann Kleist.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich meinen Roman noch als meinen Roman bezeichnen könnte für mich, nachdem er lektoriert wurde. Das schaffe ich nicht.
Ein anderer Mensch müsste ja wissen, was ich erreichen will, was ich sagen will, das ist unmöglich.
Vielleicht bei einfachen Handlungen, oder Genres, deren Leserschaft eine gewisse Standardisierung erwarten wie bei einem Krimi? Ich weiß es nicht, bei mir kann ich mir das nicht vorstellen, mein Roman hat nicht einmal ein Genre, dass man ihm zuordnen könnte, ohne anderes hinten runter fallen zu lassen.
Aber abgesehen von meinen Gedanken dazu, für mich stellt sich die Frage nicht, bei 700 Seiten dürfte ein Lektorat bei 700-1400 Euro liegen.

Was den Einlfuß auf den Roman angeht, den eine Lektorierung hat, die siehst Du wenn du 5 verschiedene Lektor_innen bemühst, und Dir die Varianz anschaust.
Es entsteht immer eine Interpretation.
Ein Schachtelsatz wirkt anders als ein "aufgeräumter Satz", wenn ich an dieser Stelle schachteln möchte, ist das Teil meiner Wirkung, die ich im Text erzielen möchte, z.B. die Atmung, die sich beim Vorlesen des Textes dann verändert. Gerade innere Monologe leben bei mir von langen Sätzen, mit vielen Kommas, erst wenn wieder eine Denkpause kommt, wird ein Punkt gesetzt.

Mich erinnert die Lektoratsthematik in den Grundzügen an die Zeit der großen Musikverlage:
Eine Band wird entdeckt. Der Musikverlag setzt ihr einen Produzent vor die Nase der vorschreibt, wie das jetzt zu machen ist. Die Band verliert ihre Eigenständigkeit und wird zu einer am Markt funktionierenden Sternschnuppe, die in der Masse untergeht, aber zumindest ein paar Einheiten verkauft, weil sie ja nicht aneckt und konform "funktioniert".
Dieser Gleichschaltungsdruck wurde duch Independent-Bands neutralisiert. Independent wurde schnell zu einer Art Gütesiegel. Vielleicht ist für mich "unlektoriert" ein Gütesiegel. Es gibt Genre und Autoren, für die lektorieren ein Vorteil ist, keine Frage, ich fühle mich zu stark in der Kunst, und zu weit weg vom Kommerziellen, als dass ich ein Lektorat im Kopf zulassen könnte. Ein Maler der in meinem Bild mit seinem Pinsel herummalt. Alptraum.
Stilistish würde ich nichts zulassen. 100% Autorin.

Layout:
Auch das Layout gehört für mich wie die Buchstaben zum Geschriebenen - da würde ja meine Lektorin schreiben, wenn ich eine hätte :- )



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eine weibliche Identität kann, muss sich aber nicht durch eine Vagina bestätigt wissen
http://www.freeyourgender.de

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