1.2.70 Letzte Gedankenfragmente in der Genitalistenwüste

1.2.70 Letzte Gedankenfragmente in der Genitalistenwüste

Postby JasminRheinhessen » Friday 14. April 2017, 12:15

Mittwoch, 7. April 2077, 19:57 Uhr. U-Bahn-Haltestelle Klinikzentrum West
SuKi war von den Ausführungen Salammbos nicht überrascht. Sie kannte ihre Philosophie, ihre Gefühle, ihre Sichtweisen schon lange. Überrascht wird sie aber jedesmal von Neuem, wie exakt und auf den Punkt genau sie diese komplizierten Sachverhalte zu beschreiben versteht, unermüdlich und ohne aufzugeben, das ausformulierend, was Menschen, die so sind wie sie Schmerzen bereitet, analysierend, ohne wichtige gesellschaftliche Parameter zu vergessen.
Keine eindimensionale Betrachtung, sondern ganzheitlich soziologische Zusammenhänge erörtert, ja, der Genitalismus entspringt den Zielen des Patriarchats. Er ist die Ursache für die Verfolgung homosexueller, trans­sexueller Menschen weltweit. Er ist die Ursache der Begriffsdefinition Homo­sexualität und Transsexualität, die beide eine Lüge sind.
Es gibt nur bi. Es gibt nur Zwischen. Das dumme Volk wird über die Möglichkeiten der Reproduktion in die Irre geführt. Eine Frau mit Turner Syndrom kann auch kein Kind bekommen, da sie nur ein X-Chromosom hat. Sie wird aber im patriarchalen Genitalismus als Frau gesehen. Dies wird vom dummen Volk nicht nachgefragt, Intersexualität wird desshalb auch tabuisiert. Möglichst nicht darüber sprechen. Babys schnell umoperieren, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Denn Inter­sexualität ist Zwischen. Wir sind alle Zwischen. Diese Sichtweise würde das Patriarchat mit der Formel Penis=Mann, der Menschen mit Schwanz privilegiert, entmachten. Das Patriarchat würde seiner Definition beraubt, warum Menschen mehr Rechte haben sollen als andere. Als Menschen ohne Schwanz. Um diese Kernbetrachtung rankt alles andere, baut sich die Lüge auf, auch die Lüge der Heterosexualität.
Salammbo ist eine Göttin, sie hat alles durchschaut. Desshalb lebt sie versteckt, sie lebt gefährlich, viele wollen sie beseitigen. Sie weiß zu viel. Nicht nur das, sie kann ihr Wissen auch dummen Menschen vermitteln und gut erklären, dass es jeder versteht. Das ist unerwünscht. Sie ist der Sokrates der Geschlechterdiskussion. Ihr Strafurteil ist schon gefällt, nur entzieht sie sich der Vollstreckung. Sie lebt versteckt. Manchmal hat sie nicht einmal Licht im Zimmer, obwohl sie alle Fensterläden geschlossen hat. Kann sie glücklich sein? Die Frage kann sich SuKi in diesem Moment nicht beantworten. Aber vielleicht ist sie glücklich, anderen zu helfen. Weil sie spürt, dass sie es kann. Sie fühlt sich verantwortlich, weil sie alles beschreiben kann. Sie ist eine Schülerin von Jasmin, eine Genderaktivistin der Zehner Jahre des 21. Jahrhunderts. Sie hat alle ihre Bücher gelesen und weiterentwickelt. Auch ihr hat sie geholfen. DIe Dinge zu erkennen, Nicht in die Falle zu tappen, in die alle geraten, die sich dem Genitalismus verschreiben. Ja sie hat die Operation gemacht, aber mit dem Wissen von Salammbo. Das war eine völlig andere Ebene. Sie hat immer gewusst, ihr war immer klar, dass sie die Operation nur für sich macht. Diese Verinnerlichung ist wesentlich. Keine Erwartungen an die genitalistische Welt zu stellen. Keine Hoffnung zu haben, dass deren Denken sich ver­ändern würde, nur weil sie dann eine Neovagina hat. Das hat sie sicher gemacht. Sicherheit gegeben. Sicherheit vor Enttäuschungen.
Wie Barton denkt? Ist er Genitalist? Oder kann er zu denen gerechnet werden, die Geschlecht und Genital völlig unabhängig sehen können? Diese Menschen gibt es, sie sind zahlreich, viele leben versteckt. Haben Angst sich zu erklären. Sie werden Damenwäscheträger, Crossdresser, Transvestiten, Transgender, Transidente, Transsexuelle, Draq Queens und Draq Kings genannt Oder es sind burschikose Frauen, Kampflesben, Genderqueer oder Pansexuelle, oder wie auch immer die genitalistiche Verständniswelt Menschen bezeichnet, die etwas anderes tun, als der Genitalismus erwartet. Der nur Männer und Frauen kennt. Und nur Hetero. Kennt? Nein zulässt wäre die richtige Formulierung. Abweichungen sind nur in Komödien gestattet, als Verkleidung, die dann Travestie genannt wird. Der Geschlechterdiskurs als Spielart des Theaters. Perfide. Dabei ist der Genitalismus das eigentliche Theaterspiel und die Vielfalt die authen­tische Realität. Geschlecht wird durch das Patriarchat zu einer politischen Kategorie. Künstler sind meist Kritiker der Gesellschaft. Sie sprechen über ihre Kunst Missstände an. Desshalb finden wird in der Kunst viele Menschen aus der Welt derer, die sich gegen das Konstrukt des dualgeschlechtlichen Weltbildes, dass angeblich nur aus Männern und Frauen besteht, wehren. Gegen das Heterosexualitätskonstrukt wehren. Künstlerräume sind ein Sammelbecken des freien Denkens. Und somit auch der freidenkenen Geschlechtlichkeit. Der Geschlechtlichkeit unab­hängig des Genitals.
SuKi ist auch Künstlerin. Das ist kein Zufall. In Ländern mit Repressalien gegen Homosexuelle und Transsexuelle werden auch Künstler verfolgt, wenn sie zu stark über die Stränge schlagen, zu bissig ihre Kriitk formulieren, zu stark das System als das outen, was es ist. Ein Apparat der Unterdrückung der Vieflalt, die sich in Abkürzungs­wort­schlangen wie LGBTTIQPA ausdrücken. Diese Wortschlangen werden immer länger. Denn diese Abkürzungen spiegeln die Realität, als ob sie die verschiedenen Blüten eines Baumes zu beschreiben versuchen. Die vermeintliche Abweichung ist die Norm. Das Konstrukt ist die Abnorm. Das Konstrukt und die Lüge, dass es nur Männer und Frauen gäbe. Und nur hetero.
Suki hatte oft diese Gedankenkreisel im Kopf. Manchmal trank sie Wein, um diesen Kreisel abzustellen. Früher mehr, heute hat sie sich davon losgesagt, aber jetzt bräuchte sie einen Schluck. Sie war nervös. Sie wickelte Männer normalerweise um ihren Finger. Spielte mit ihnen jeden Tag. Warum war sie so nervös vor diesem Treffen mit Edward. Ja- weil es ein wichtiges Treffen war. Sie spürte es. Dr. Edward Barton, einer der wichtigsten und stärksten Verfechter des Genitalismus, Hauptakteur der Sexologen im Klinikzentrum West, bei ihm liefen seit Jahren alle Fäden zusammen. Und er will nun überlaufen. Zum Teil der Befreiungskampange werden. Ist seine Meinung gefestigt? Oder spielt er nur mit dem Ge­danken? Wird er bei seiner Aussage bleiben? Oder ist diese noch instabil? Wie kann sie ihn bekräfitgen? Was ist, wenn er transphobe Ge­fühle bekommt? Wenn sie ihm mehr berichtet, über sich? Sie muss ihm alles erzählen. Sie muss es. Sie kann nicht CIS-Frau spielen.
CIS‑Frau - welch perfide Wortkreation. Damit sind Frauen gemeint, die mit ihrem Genital, mit dem sie geboren wurden, einverstanden sind. Als ob ein Genital ein Verhandlungspartner sein könnte. Ein Verhandlungs­partner zum Glück. Es ist ein Körperteil. Nichts anderes.
Nein - sie kann ihm nicht sagen, dass sie so geboren wurde. Sie muss die Karten auf den Tisch legen. Sie muss offen sein, wie Salammbo es ihr geraten hat. Entweder Barton wird damit in seiner Meinung bestätigt, oder sie hat verloren. Alles andere ist nicht möglich. Sie ist eine Weintraube, keine Kirsche. Wenn sie über Weintrauben berichten will, kann sie nicht von Kirschbäumen und Kirschblüten schwärmen.
Gordon hat sie sich nicht offenbart. Er hat es sicher gewusst. Es war das, was ihn faszinierte. Von Anfang an. Nur hat er es nicht zugegeben. Somit haben sie sich beide gegenseitig angelogen. Wie falsch.
Die Welt des Genitalismus ist eine Spielwelt mit gezinkten Karten. Die Karten sind voller Stacheln, die ständig schmerzen, wenn Du sie spielst. Nein, sie wird das nicht mehr tun. Sie hat Gordon auch schon innerlich abgeschrieben. Vielleicht wird sie ihm einen letzten Besuch abstatten und sich outen. Damit sie ihn los wird. Er kann es sicher nicht zugeben, dass er sie genau desshalb begehrt. Er wird sich dann trennen, damit er sein patriarchales Gesicht wahrt. Zeigt, dass er ein richtiger Mann ist. Ein richtiger Mann im Sinne des Patriarchats würde sich als schwul fühlen, wenn er mit einem Mann zusammen ist. Denn SuKi wäre dann ein Mann. Jeder ist ein Mann im Patriarchat. der mit Schwanz geboren wurde. Und Schwulsein ist im Patriarchat verpönt und geächtet. Der Schwanz ist dazu da, Frauen zu unterdrücken, und kein Gegenstand, von anderen Männern angeliebt zu werden. Das geht gar nicht. Das ist Verrat. Dass diese anderen Männer Frauen sind, oder Zwischenwesen, wird ignoriert. Es gibt nur 0 und 1, schwarz und weiß - die binäre Welt des dualgeschlechtlichen Patriarchats lässt kein Zwischen zu. Als ob es nur geschlossene Wolken­decken gäbe und blaue wolkenlose Himmel.
Diese Lüge, um so mehr Du Dir diese Lüge vor Augen führst, umso mulmiger wird Dir. Wenn Du siehst, welche Ungerechtigkeit und Schmerz diese Lüge bereitet. Auf der Welt werden sie verfolgt. Alle. Der eine wird zum Tode verurteilt. Der andere verliert nur seinen Job. Es wird immer eine Reaktion erfolgen, und wenn es nur das Schweigen beim Kaffeekränzchen ist, bei der die Schwiegereltern betreten schauen, weil ihre Tochter ihre Freundin mitbringt und freudestrahlend berichtet, dass sie heiraten wollen. Das Ganze ist nur noch mit Alkohol zu ertragen.
Nein, kein Alkohol, keine Drogen. Salammbo macht es vor. Sie tanzt in ihrer Wohnung. Lädt sich Gäste ein, hält Treffen ab. Sie wirkt in die Gesellschaft. Und sie ist es, die ihr jetzt Kraft gibt für dieses Treffen. Wenn sie betrunken wäre jeden Tag könnte sie nichts mehr ausrichten. Ich muss mir ein Beispiel an ihr nehmen. Ja.
Wir müssen alle wie Salammbo sein. Wir müssen nicht beunrihigt sein, wenn wir in der Salammbowelt bleiben, und nur ab und an in die Nichtsalammbowelt eintauchen, um dort zu missionieren, mIt unserer Liebe. und unserem Wissen.
Es sind feindliche Individuen, diese Genitalisten, wir werden ihnen ihre Lüge aus Zwiegesprächen entlocken, ihre Tat outen, ihr Schicksal dar­legen, werden Verbrüderung erzeugen, ihnen vergegenwärtigen, dass sie Zwischenwesen sind, mit poetischer und lyrischer Kraft, es wird jedes Individuum treffen, durchdringen. Allen wird es auf die Stirn geschrieben, ob sie humanistisch sind, oder nicht. Wir kämpfen für die Fruchtbarkeit der Mission, wir verkörpern die exegetische Darlegung von dem was wir sagen, von dem, worüber wir berichten, wenn wir nur unseren Rock heben, und unsere Schenkel spreizen, historische und politische Momente der Ewigkeit bewirken. Die Natur produziert ständig diese Wahrheit, in Fülle und deren wunderbaren Geschöpfe.
Wir lassen sie an unseren Brüsten saugen, bis sie betrunken von unserer Milch dem Genitalismus abschwören. Das Drama der völligen Restlosigkeit ihrer Gedankenfragmente spürend. Allein mit unserer Lebenswürdigkeit werden diese hinweggefegt und mit unserer Liebens­würdigkeit untermauert. Während sie unserer Brüste und Po kneten, massieren und sich daran laben. Die Gesamtheit des Universums spiegelt sich in den aufgestellten Nippeln unserer beiden Brüste. Verbände, Gemeinschaften, Vereine, Lobbygruppen und Seilschaften sind zu schwach, gegen wunderschön geformte Brustwarzen. Sie erliegen der Folgerichtigkeit dieser Gesetze. Kein Genitalismus kann dagegen be­stehen, wenn er sich nicht jeden Tag, jede Minute, jede Sekunde selbst belügen will. Welch anstrengendes Unterfangen. Keine Organisationsform ist mächtig genug, gegen die Gesetze bestrumpfter Schenkel im April. Kein endloser Krieg kann mehr Gewalt entfachen. Ohne die Prüfung der Lebenswürdigkeit dieser Wesen abzulegen und sie als wichtiger zu er­achten, als jeden territorialen Landgewinns in der Genitalistenwüste.
Unsere bestrumpften Schenkel verleihen ihnen Schutz. Der schö­pferisch ausgestaltete Bau der Perfektion. Würdevoll und in sinnvoller Eintracht mit Deinen Obsessionen. Nichts ist hier Konstrukt, es ist die höhere Natur. Das Geheimnis jeden Zusammengehörigkeitsgefühls. Die höhere Ordnung im Strumpfband manifestiert. Nicht mehr das einzelne Teil, sonder die Gesamtheit spricht ständig. Die Zartheit, der Geruch, das ängstliche Gefühl des Verlassenwerdens. Das ist der epische Stoff, aus dem die Wahrheit sich herausbildet. Und den Genitalismus zur Unwahrheit erklärt. Die Transphobie zur Lüge. Zur Selbstlüge und zum Selbsthass.
Das Bewusstsein der Menschheit erwacht beim Kneten der Brüste. Beim Orgasmus und der Nässe auf der Haut. Der dichterische Ausdruck des Epos der Leidenschaften. Das Diadem im Haar, dass von diesen erzählt. Der Lippenstift zeigt die Vervollkommnung des demokratischen Handelns der Geschlechtlichkeit. Dein schöpferisches Selbstgefühl deiner engen Hose ist Zeuge der parlamentarischen Mehrheit. Deine Leiden­schaft ist mächtiger als Dein patriarchales Gewissen. Deine Obsession ist die höchste Einheit, das höchste Staatsorgan. Jede Verweigerung richtet unmittelbar Schaden an und lässt Gewinne schwinden. Das organisierte Chaos, beginnt mit Deinem erigierten Schwanz, der sich dem Zwischen­wesen zuwenden will. Er verlässt den Erdenraum des Genitalismus, der Erdenraum, der wie eine sinnlos stampfende Maschine um Macht bemüht ist, aber nichts mehr bewirken kann.
Deine Kritik gegen Zwischenwesen wird gleichzeitig zum Pathos an diese. Deine Satire gestaltet und formt ihre Brüste zu Lustspendern. Dein sarkastischer Humor lässt die Lebensinhalte der bügelllosen BH's fühlbar machen. Die leuchtende physische Existenz, die Deine Tagesabläufe bestimmt. Deine Leidenschaften widersprechen ihr nicht. Du erlebst eine immer mehr sich aufbauende Umgestaltung Deiner Denkwelt, die Zwischenwesen nicht nur akzeptiert, sondern vereehrt. Vom politischen Einzelgebilde zum dramatisch sinnhaften Ziel deiner Lust. Nicht kurzlebig, sondern immerwährend. Die willentliche Verinnerlichung patriarchalen Handelns wird im Geiste zerstört. Dein anschwillender Schwanz wird zum Sinnbild der wachsenden Gestaltung der Welt, die Zwischenwesen begehrt. Brüste werden zum Brecher persönlichen Willens. Dein ständiges Abenteuer, deine ständige Aufgabe ist es, das Nichts, dass das Patriarchat dir gab, das Chaos im Fühlen, durch das einzig wahre, leidenschaftliche und schöpferischste zu ersetzen. Dein Zwischenwesen zu lieben.
Ihr Genital ist nur ein Etwas, aber nicht wesentlich in der Betrachtung des Ganzen. Nur diesen Zwischenwesen wirst Du dienen wollen, weil Du selbst eines bist. Sie werden die Alleinherrscher Deiner Ekstasemissionen.
Du stehst vor dem Momentanen, dem unbegreiflichen Wunder der Erkenntnis, das jede Erfindung, die jemals gemacht wurde, jede Geisteströmung die es zur Zeit gibt, nichts bedeutet für dein Restleben, dass Du noch hast. Das wichtigste Wunder Deiner sexuellen Entwicklung hat Dir Salammbo mitgegeben. Die kindliche Hoffnung, die ästhetisch-humanitäre Revolution in Deiner Sexualität zu vollziehen. In Deiner Identität. Es wäre naiv zu glauben, dass diese Erkenntnis nicht das wichtigste war, das bedeutungsvollste, was jede Weltanschauung dir geben könnte.


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"Oriental Beauty"
Gaston Bussière (1862-1928)
Bildlizenz: Public Domain



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eine weibliche Identität kann, muss sich aber nicht durch eine Vagina bestätigt wissen
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