Männer und lackierte Fingernägel - Herbst 2021

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Carol Rose
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Männer und lackierte Fingernägel - Herbst 2021

Beitrag von Carol Rose » 05 Jun 2022, 19:06

Wenn Geschlechtergrenzen aufgebrochen werden, ist das immer mindestens eine Erweiterung der eigenen Freiheit. Besonders deutlich zu sehen bei der Kleiderordnung der Männer, die nach wie vor omnipräsent sich in unserer aktuellen Gesellschaft zeigt:
Männer tragen Hosen - trägt dieser einen Rock hat er ein Problem mit seinem Betrachter. Er muss sich hierfür erklären, oder er lässt das Fragezeichen im Auge seines Betrachters stehen, dann wird dieser ihm eine Schublade zuweisen, die meist oder auch immer das Sexualverhalten des Rockträgers einschließt. Genauso gut funktioniert dies bei Farben, zu viel buntes lässt auch den Betrachter "hellsehen", welche Sexualität dieser bunte Mensch denn vermeintlich lebt, und sei es nur der pinkfarbene Gummi, der einen Männerzopf im Zaum hält, der natürlich "nicht bunt" zu sein hat, also schwarz um nicht ein Nachdenken über sexuelles beim Betrachter auszulösen. Eigentlich ein völliger Nonsens, aber allgegenwärtig.
Dagegen etwas zu tun ist begrüßenswert - im verlinkten SZ-Artikel werden Promis beschrieben, die mit Sicherheit auch auffallen und für Gesprächsstoff und Quote sorgen wollen, aber wenn sie dafür ein Mittel benutzen, dass Kleiderordnungen sprengt, ist das ein Synergieeffekt, der einen antipatriarchalen Impakt hat, mit der keine Fachvorlesung mithalten kann.
Also liebe Männer, auch wenn ihr keine Promis seid, lackiert euch die Fingernägel trotzdem, ihr werdet somit etwas Gutes tun gegen Naserümpfen, das immer dann auftritt, wenn Kleider- und Moderegeln überschritten werden. Naserümpfen ist auch anstrengend und es wird dem Betrachter irgendwann leid, jedesmal sich aufs Neue aufzuregen. Stellen wir uns jetzt anstatt der lackierten Nägel den kurzen Minirock vor, den ein Mann trägt, weil er Lust dazu hat, sind wir dort, wo die Frauen schon lange sind.
Wichtig ist aber bei der Sache neben der Freiheit, Kleider zu tragen wie Du möchtest, die Tatsache, dass unser sexuelles Verhalten egal werden muss, und das ist es solange eben nicht, wie unvermindert Äußeres, sei es Kleidung oder Farben, eine Assoziation auslösen, mit wem Du gerne Sex hast um im nächsten Schritt dich genau darüber zu diskriminieren. Das ist immer dann ein Problem, wenn diese Art deiner unterstellten Sexualität in der Gesellschaft ein Problem oder Abwertung erfährt. Du fängst dann an, Nichtbuntes zu tragen oder so auzusehen, dass Du eben Dich nicht erklären musst. Das hat aber dann auch den Nachteil, dass Dich Menschen, zu denen Du passen würdest, nicht mehr erkennen anhand Deiner Kleidung. Also auch wohlwollende Reaktionen bleiben Dir somit verwehrt. Tragen alle bunt, die bunt schöner finden, sind Röcke nicht mehr ein Erkennungszeichen für Frauen, genausowenig wie lackierte Fingernägel, sind also äußere Merkmale kein Erkennungszeichen mehr für Sexualverhalten oder sogar "Geschlechter", wird Diskriminierung nicht mehr über Äußeres ausgelöst werden können.
Dann vielleicht erst, wenn ein Mann einen Mann küsst.
Also wenn das Verhalten zu der unterstellten Annahme des Betrachters passt.
Dagegen hilft dann zu verschleiern, ob es sich bei den beiden Personen überhaupt um einen Mann handelt. Wow. Jetzt kann der Betrachter nichts mehr tun als rätseln und raten. Sehr genial. Es lebe also das Verwischen von äußeren Merkmalen. Tragt Frauenfrisuren liebe Männer, oder auch Perücken, schminkt euch. Macht es dem zuweisenden und euch einsperren wollenden Teil der Gesellschaft schwer oder gar unmöglich, euch zuzuordnen und irgendwo einzusortieren ! Und jetzt bestellt Nagellack !

SZ Artikel vom 22. Oktober 2021 - "Die neue Maniküre"



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