Außergewöhnlich, nicht andersartig…

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Freeyourgender
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Außergewöhnlich, nicht andersartig…

Beitrag von Freeyourgender » 24 Sep 2014, 14:34

im LGBT(SIC!) Umfeld wird das Wort andersartig von einigen Aktivisten seit einiger Zeit selbst aktiv eingesetzt, auf Flyern, Plakaten, Webseiten, wer diese Idee anfänglich hatte könnte auch jemand gewesen sein, der hier ein Ziel verfolgt hat, das genau das Gegenteil ist, was viele meinen, mit dem Wort erreichen zu wollen.

Für Freeyourgender ist das Wort negativ besetzt, und wir lehnen es entschieden ab, vor allem in Verbindung mit Menschen. Denn das es für Lebewesen gedacht ist, liegt ja deutlich in der Silbe “art” begründet.

Hoffend, das sich evt. eine weitere Wortbedeutung im Laufe der Zeit in der Gesellschaft verbreitet hat, das kommt ja durchaus vor, schaue ich in Wikipedia nach dem Wort Andersartigkeit und finde: Nichts.
Das Wort gibt es nicht. Scheint also kein Begriff zu sein, der eine bedeutende Assoziation hätte für ein bestimmtes Thema.
Mein Bauchhgefühl bestätigt mich dann im 3. Ergebnislink von Wikipedia, der Andersartikgeit mit Fremdenfeindlichkeit verknüpft:

“feindliche Haltung gegenüber Personen oder Gruppen (siehe auch Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ), die als andersartig gesehen werden. …” (Quelle: wikipedia, Fremdenfeindlichkeit)



Andersartigkeit: assoziative Verknüpfung mit Rassenhygiene, Eugenik und Hitlers "Aktion T4"

Jasmin, Freeyourgender-Aktivistin schrieb dazu:

"Ich muss sagen, mir fallen zu dem Wort “Art” automatisch rassistische Themen ein, ich muss da leider an die Ermordung von Behinderten denken, im Dritten Reich, die wegen ihrer Beschaffenheit, und Andersartigkeit geächtet wurden, und natürlich die für die Mörder andersartige Religion der Juden, die andersartige sexuelle Gefühlswelt der Homosexuellen, alle wurden verfolgt, verjagt, die nicht geflüchtet sind, emigriert sind, wurden interniert, gequält, ermordet – wenige überlebten. Sie waren: andersartig.

Mir ist es ein Rätsel wie man diesen Begriff in einem sensiblen Kontext wie es das LGBT(SIC!) Thema beschreibt, verwendet, und das auch noch mit Stolz ?

Der Begriff grenzt automatisch vom “Normalen” ab, ja er grenzt ab und tut das nicht was doch sein soll: Verbinden. Verschmelzen. Versöhnen. Versöhnen vor allem mit Ängsten, Klischees und Vorurteilen.
Ich kann mir durchaus vorstellen, was die Mesnchen in der LGBT(SIC!) Szene denken, die diesen Begriff verwenden, sie fühlen, dass sie etwas herausstellen möchten, das hier etwas besonderes, im Sinne von selten existiert, sie wollen schon etwas positives sehen in dem Begriff, aber das mißglückt, der Begriff ist einfach äusserst unpassend, befremdlich.

Für mich wäre der Begriff “außergewöhnlich” passender, er ist nicht arrogant, sondern sagt nur aus, das hier etwas seltenes existiert, außerhalb dem gewohnten Bild, nichts anderes sagt außergewöhnlich, der Begriff grenzt auch nicht aus, denn es ist keine andere “Art”, sondern nur eine “Ungewohntheit”, so als ob man jeden Tag den gleichen Weg auf die Arbeit nimmt, und eines Tages fährt man 5 km Umweg, und erlebt dadurch etwas anderes, sieht etwas anderes, und kommt 10 Min. später ins Büro. Die Fahrt war außergewöhnlich, dies muss nicht einmal etwas positives sein, im Sinne von beeindruckend. Es kann sogar etwas negatives sein: außergewöhnlich schwierig, oder wertfrei wie z.B.: außergewöhnlich umfangreich, aber wie wir sehen, ist hier das Wort außergewöhnlich nicht für die Negierung der Aussage vom positiven ins negative zuständig, sondern es muss ein zweites Wort dies übernehmen. Das Wort außergewöhnlich allein verstärkt nur etwas, stellt etwas heraus. Es ist für sich gesehen, wenn es alleine steht, ohne Zusammenhang immer im Sinne des Betrachters zu sehen, wie er es werten möchte, welche Gedanken er eben hat. Außergewöhnlich schön, oder außergewöhnlich häßlich.
Das Wort selbst ist aber eines trotzdem wenn es für sich steht: es stellt heraus das etwas außerhalb der gewohnten, erwarteten Linie liegt, und genau das sind Identitätsfrauen, Identitätsmänner, sie sind nicht das, was erwartet wird, unter normalen Assoziationsmustern, und daher können sie nur außergewöhnlich sein.

Den Begriff andersartig werde ich nicht in meinem Sprachgebrauch verwenden, und auch nicht in Artikeln, und wenn, dann nur mit dementsprechender Kennzeichnung, um Mißstände darzustellen. Die Container-Begriffe, die mit "Trans" beginnen lehne ich ebenfalls ab, da sie Identitäten verleugnen. Es gibt kein von A nach B, sondern nur ein IST. Deshalb musste ich den Begriff, die Abkürzung LGBT hier im Text auch Kennzeichnen mit SIC, da ich diesen Begriff nicht von mir aus, sondern nur als Zitat-Begriff anführe, um den Text leserlicher zu gestalten, um mit der Sprache des Lesers, mein Anliegen besser erklärbar zu machen.

Wir müssen auf die Sprache achten, da wir sonst Gefahr laufen, mißverstanden, oder gar nicht verstanden zu werden."

(Jasmin, Freeyourgender)


“Die Grenzen unserer Sprache, sind die Grenzen unserer Welt”
(Wittgenstein)


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