trans*parent - Christin S. Löhner

trans*parent - Christin S. Löhner

Postby Freeyourgender » Friday 2. August 2019, 10:10

Im Juli 2019 erschien das Buch "trans*parent - Wie eine Normvariante der Natur ihren Weg findet" von Christin S. Löhner,
das ihre Transition beschreibt:
https://www.bod.de/buchshop/transparent-christin-s-loehner-9783746032214?fbclid=IwAR0X53dVW0b4VDPW2NrwbHQocomBbYdXClhgCnCu_1zt1uDMlRnKyQKTUO8

Christin findest Du auch auf
http://www.transmensch.de


Liebe Christin, kein Vorwurf, sondern nur Denkanstoß:
Im Kap. 39 von 40 Kapiteln titelst Du:
"Ich bin eine Frau!"
(Nachdem Du 38 Kap. verwendet hast, um Deine Transition, die auch die OP einschließt, zu beschreiben)

Das könnte für Leser_innen den Anschein erwecken, dass Du erst durch diese Maßnahmen (juristische, soziale, körperliche Veränderung) zu einer Frau geworden wärst.

Für mich warst Du aber schon im Kapitel 1 eine Frau.

Wenn Du diese Frau nicht schon gewesen wärst, von Geburt an, hättest Du die Transition nicht gemacht.

Ich weiß allerdings, wie Du es gemeint hast, warum Du Dich so ausdrückst.

Für mich ist es wichtig, dass die Gesellschaft versteht, dass wir durch unser Gehirn qua Geburt bereits Frauen sind, Genitalien sind ein Reproduktionsmerkmal, sagen aber nichts über uns aus, wenn Du uns fragst, was wir für ein Geschlecht haben. Wir schauen nicht zwischen unsere Beine, bevor wir wissen und selbstbestimmt sagen, welches Geschlecht wir haben. Das Genital denkt nicht. Wir sind biologisch Frauen aufgrund unserer pränatalen Gehirnprägungen, die hormonell ein Geschlecht determinieren. Wenn Du eine eher weibliche Gewichtung in dieser Prägung hast, sagst Du über Dich, dass Du eine Frau bist. Dieses Wissen wurde nicht kognitiv erworben.
Dieser Unterschied ist wichtig. Wir sind biologisch Frauen. Der Stand der Hirnforschung ist bereits so weit, dass Indizien dafür genügend da sind, der Unterschied ist im Gehirn nachweislich sichtbar.

Ich hoffe, dass ich Dich nicht irgendwie triggere, wenn Du mit Dir in Harmonie bist, musst Du nichts tun. Ich möchte Dir nur meine Sichtweise darlegen, und sicher ist Dein Buch so wie es ist sehr gut, und sehr sehr gut, dass Du es geschrieben und veröffentlicht hast.

Falls Du mich verstehst, und auch so denkst, kannst Du ja
"Ich bin eine Frau!" an Kap. 1 setzen :- )
Das wäre doch ein Impuls und bereits eine Herausforderung für Leser_innen.

Jetzt kommt ein etwas "härterer" Gedanke, darf aber erlaubt sein:
Menschen, die die Stirn runzeln, wenn sie jemanden hören, der sagt, er ist eine Frau, obwohl er noch keinen einzigen Schritt in diese Richtung getan hat, dieser jemand also ein Mann nach deren Definition ist, wird für diese Menschen auch keine Frau, wenn diese Frau die Transition durchschritten hat. Deren Definition von Geschlecht belässt diese Frau immer im zugewiesenen (Genital)Geschlecht.
Der Satz ist etwas hart, trifft es aber.
Deshalb müssen wir die Geschlechtsdefinition um das Gehirn erweitern. (im biologischen Sinne)

Aber Du musst Dir über diese Menschen wenig Gedanken machen, was dein Buch betrifft, Transphobe kaufen in der Regel keine Biographien dieser Art. Desinteressierte auch nicht.
Aber genau bei diesen bräuchten wir ein Umdenken. Bzw. diese Menschen müssten wir erreichen, deshalb arbeite ich seit einiger Zeit an einer Buchidee, die keine Biographie ist, wie es sie viele gibt, sondern ein Roman, der auch als Erotik-Roman gesehen werden könnte, der viele erreichen könnte, die keine "TS"-Biorgraphie kaufen würden. Vor allem Männer sind hier die Zielgruppe, die ich mit meinen Gedanken konfrontieren möchte.

Nein - du bist für mich weder Trans*, Transperson, Transmensch oder irgendwas mit T - Du bist schon immer eine Frau, die Christin. Von Anfang an, seit Du denken kannst. Deine Anlagen im Gehirn drangen dann immer mehr in Dein Bewusstsein vor (aus dem Unbewussten). Dies ist der Selbstfindungsprozess. Die Geschlechtsidentität, die Du auch in deinem Buch erwähnst, ist kein Geschlecht, sondern drückt "das Wissen" um Dein Geschlecht aus. DIe biologische Ursache dafür ist dein Gehirn.

Ich würde es gut finden, wenn Du noch ein weiteres Buch oder mehrere schreibst, was auf solche Gedanken eingeht. Ich würde mir eine Fortsetzung wünschen, was deine Probleme oder Nichtprobleme nach deiner Transition aufzeigt, mit Dir selbst, mit der Gesellschaft. Ich weiß, dass die Transition eine Zäsur ist, über die deshalb am meisten Bücher verfügbar sind, aber gerade der Alltag danach ist so wichtig, weil wir dann der Realität in der Gesellschaft ausgesetzt werden. Und wenn Du meinen Gedanken folgst, wird das Buch nicht heißen: "Mein Leben ALS Christin", (im Sinne von Mann der ALS Frau lebt - ups) sondern eher:
"Wie Christin in Deiner Gesellschaft lebt." Freundeskreis, Job, Lebenspartner_in, Dein Körper, Situationen im Alltag. Da gibt es viel zu berichten und die Gesellschaft hat hier Aufklärungsbedarf.


Christine schrieb:
wow.. vielen Dank! Tolle Rezension und tolle Gedanken. Ja, du hast recht. Ich habe immer versucht so zu schreiben, dass es auch Leute verstehen, die damit nichts zu tun haben. Man "überfordert" leute schnell, wenn man schreibt, man war schon immer Frau, obwohl da eben dieses Anhängsel ist.

Beim nächsten Buch wird das besser werden.



Meine Antwort:
"Beim nächsten Buch wird das besser werden"
Nein - das würde ja heißen, dass dein Buch jetzt schlecht(er) ist.
Auf keinen Fall!
Du hattest ja das gar nicht im Fokus, was ich schrieb.

Es ist klar, dass Du Deine Geschichte in derjenigen Begriffssprache erzählst, die im Moment im Diskurs verwendet wird. (Trans, Geschlechtsidentität)
Diese Begriffssprache bildet aber (noch) nicht den Paradigmenwechsel ab, dass die Menschen eine Frau in ihrem Kopf sehen können, die es qua Geburt gibt, obwohl diese Frau keine Vagina oder xx Chromosomen bei der Geburt hat.

Von diesem Paradigmenwechsel sind wir weit entfernt. Ich beschäftige mich mit diesem Punkt vor allem auch in der Sprachwelt. Wir können diese Gedanken nicht mit den jetzigen Begriffen abbilden, da diese für diese Abbildung falsche Inhalte haben.

"Eine Frau mit Penis" gibt es in dieser Welt deshalb nicht, weil der Begriff Frau mit einem Inhalt gefüllt ist, der für sie keinen Penis zulässt.

Deshalb müssen wir entweder die Begriffe erweitern oder neue Begriffe einführen. Das ist sehr schwer, aber zumindest müssen wir das Defizit erkennen, dass hier sprachlich etwas nicht stimmt.

Ärzte verweisen in Gutachten auf Chromosome, schreiben, dass es sich um ein Mann handelt, weil er xy hat. Im anderen Fall wird ein Mensch als Frau bezeichnet, obwohl sie nur ein X-Chromosom hat (Turner-Syndrom, kann nicht schwanger werden). Für Intersexuelle hat die genitale Geschlechtersprachwelt die völlige Kapitulation offenbart, für diese gibt es nur "Zwischen", "Hermaphrodit", "Zwitter". Zwitter auch in negativer Konnotation. Aber auch Intersexuelle "wissen" genau über ihr Geschlecht eine Aussage zu treffen. Sie sagen, ich bin eine Frau, ich bin ein Mann, oder es gibt auch Intersexuelle, die sich als nicht binär verstehen, auch geschlechtlich, biologisch. Wichtig ist, sie wissen was sie sind, da gibt es kein Zwischen. Das Zwischen entsteht nur im Denken, dass ein Genital allein ein Geschlecht definieren könnte. Das Genital gibt aber nur Auskunft über die Reproduktionsfähigkeiten. Unsere jetzige Geschlechterdefinition enthält einen (gewollten) Denkfehler. Dieser hat patriarchale Ursachen.

Nein - Du hast nichts zu verbessern, sondern nimmst Gedanken auf und setzt diese in deiner Welt um. Deshalb wird das nächste Buch kein besseres, sondern bildet einfach Deine Entwicklung ab, auch deine Gedanken über soziologische kulturelle Prozesse. Denn wie ich über Geschlecht denke in der Gesellschaft, was ich verstehe und sehe, ist ein kultureller Prozess.
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