1.2.15 Gebäck und Sherry

1.2.15 Gebäck und Sherry

Postby JasminRheinhessen » Saturday 17. December 2016, 22:02

"Sir, das Gebäck, natürlich frisch zubereitet",
der Butler unterbrach den Grafen in seiner Ode an gewonnene Schlachten.

"Grandios, stellen Sie es einfach hier ab, wir nehmen uns den Kaffee selbst.",
dirigierte von Braunstein den Butler Richtung Tisch, auf dem vorher das Päckchen mit
dem Schleifchen lag.

"Sehr wohl Sir, haben Sie noch einen Wunsch Sir?",
fragte der Butler formell nach Anweisungen.

"Legen Sie noch Holz nach, ich werde heute später zu Bett gehen.",
gab der Graf zu verstehen, und bestätigte damit Bartons Befürchtungen,
dass der Abend noch sehr lange werden könnte.

Mit "Sehr wohl Sir, schönen Abend Sir.", verließ der Butler das Zimmer,
sanft die Türe hinter sich schließend.

"Greifen Sie zu Baron, nur erlesene Zutaten, Kaffeebohnen frisch gemahlen versteht sich.",
lud der Graf ein, während er sich bereits über die Kaffeekanne hermachte.

"Danke Herr Graf, natürlich, gerne.",
Barton war nicht sehr glücklich über die Kaffee-Gebäck-Unterbrechung,
das lenkte den Grafen nur von seinem Sherry ab.

"Ich möchte nochmal ausdrücklich betonen Herr Graf, ihre Arbeit die Sie bezüglich der Medien veranlassten,
Menschen mit geschlechtlich-körperlichen Diskrepanzen als Transvestiten, als perverse Fetischisten,
als schwule Männer darzustellen, die in Reizwäsche masturbieren. Diese schmuddelige Fremdbestimmung
war ein Segen für uns.", versuchte Barton wieder das Thema in die gewünschte Richtung zu bringen.

"Aber Herr Baron, ich habe es ja nicht selbstlos gemacht", spielte der Graf auf die Tatsache an,
dass dies eine Gegenleistung dafür war, um sein Palais, wie er es übertrieben nennt,
vor der Versteigerung zu retten. Gordon verhinderte seit Jahren im Parlament,
dass die geplante Eisenbahntrasse realisiert wird. Er schreckte nicht einmal davor zurück,
sich mit den ökologischen Parteien zu verbünden, um dieses Ziel zu erreichen,
als ultra-neoliberaler Funktionär, fast schon eine Liebeserklärung an den Grafen.

"Schmeckt der Kaffee nicht vorzüglich?", bemerkte der Graf,
sichtlich bemüht, sich geistig von dem Gedanken zu lösen,
er könnte sein geliebtes Palais verlieren.

"Ja, Herr Graf, Gordon ist auch schon wieder in einer neuen Sache für Sie tätig,
diesmal ist es eine Autobahn-Trasse, die ihr Waldgrundstück streift,
und somit, sollte diese gebaut werden, für Wildtiere nicht mehr nutzbar sein wird.",
fädelte Barton das Gespräch in die gewünschte Richtung.

"Oh, ja - ich habe es schon gehört Herr Baron, ich wollte Gordon auch schon anrufen,
haben Sie ihn in der letzten Zeit gesehen?", fragte der Graf, weiterhin bemüht,
die Sachlage herunterzuspielen. Dass er dabei mit Gebäck im Mund sprach,
wirkte eigentümlich unpassend.

"Ja, er war heute morgen bei mir, er berichtete mir von einer Konferenz,
eine großangelegte Kampagne, über alle Institutionen, auch die Medien werden zusehends unterwandert,
sie sind dabei, nun ihre geschlechtliche Selbstbestimmung immer mehr einsickern zu lassen in den Diskurs,
ein Krebsgeschwür, wenn wir nicht sofort etwas unternehmen, ist dieser Prozess unumkehrbar.",
formulierte Barton seine Anforderung an die Medien und an den Grafen,
der sich das nächste Gebäckstück, das reichhaltig mit Puderzucker bestreut war, sicherte.

"Oh, Gordon ist natürlich wie immer sehr fleißig", der Graf wusste immer schnell,
wie er Handlungen anderer falsch darstellen konnte, und Gordons Einsatz für ihn lediglich als Fleiß bezeichnete,
als ob es eine Selbstversändlichkeit wäre. Der Vorteil für ihn nur ein Synergie-Effekt von Anstand und
wohlwollenden Verhaltens, als ob positive menschliche Eigenschaften mit Ultra-Neoliberalismus gemein sein müssten.

"Gordon drückte mir heute Mittag seine Sorge aus, dass er die Selbstbestimmungs-Konferenz als eine Zäsur,
ein Meilenstein im Geschlechterbestimmungskampf einstuft, und dass er es für unabdingbar hält,
die Bemühungen für die Kontrollle der Medien, die Medienkampagnen zu verdoppeln,
das heißt, wir müssen die Anzahl der involvierten Journalisten verdoppeln,
sowie einige teure Spezialisten anheuern...", Barton hielt einen kurzen Moment inne,
dann fuhr er in langsamen und deutlichem Ton fort:
"Unser kapitaler Aufwand. müsste sich verdreifachen, Herr Graf", Barton ließ keinen Blick von den Augen des Grafen,
selbst dann nicht, als er am Ende seine Satzes einen Schluck aus seiner Kaffeetasse nahm.

"Wir müssen auch in Filmproduktionen investieren, die keinen Zweifel daran lassen,
dass es sich bei diesen Menschen um Dauertransvestitendarsteller handelt, um Verrückte.
Die ärztliche Behanldungen benötigen, Therapien.", setzte Barton nach.

"Gordon erwartet noch in den nächsten drei Monaten eine entscheidende Medienkampagne,
wir müssen auch Prominente Persönlichkeiten gewinnen, die unsere Sichtweise vertreten.
Das geht alles nicht ohne Kapital", Barton wurde jetzt sehr direkt, war fast am Ziel.

"Gordon ist für viele Lobbyisten verantwortlich, er möchte allen..... helfen,
er wird sich dann, nachdem er Bewegung in die richtige Richtung im Diskurs sieht, um die Autobahntrasse kümmern...",
formulierte Barton unbeschönigt den Deal."

Graf von Braunstein zog an seiner Zigarre, die er sich in der Zwischenzeit angesteckt hatte,
sein Zeigefinger spielte mit dem Rand seiner Kaffeetasse, während er genüßlich eine Qualmwolke
in den Raum entließ.

Barton spürte, dass er noch zögerte, und wenn der Graf zögerte, war es ein Nein auf Raten.
Es trat genau das ein, was er befürchtete, er wird Stan`s Trumpf ausspielen müssen.

"Noch einen Schluck?", Barton nahm die Sherryflasche, goss einen Schluck in das Glas des Grafen,
und danach füllte er sein Glas etwas mit frischem Sherry auf.

"Ja - es gibt immer Veränderungen.", murmelte der Graf vor sich hin, als ob er am Gespräch
nicht beteiligt wäre. Dann betäubte er seine Gedanken mit einem Schluck Sherry.

Das war ein deutliches Zeichen, dass ihm sein Waldstück dieser Kapitalaufwand nicht wert war.

Barton war nun bereit für den Gnadenstoss, der Graf schwankte noch, wenn er sich erst einmal
entschlossen hatte, das Waldstück aufzugeben, war es zu spät.
Barton spielte mit einem Satz den Trumpf aus, ohne den Grafen zu sehr zu kompromitieren,
er entschloss sich, nur eine Anspielung zu machen.

"Ja Herr Graf, eine grauenvolle Vorstellung, eine Welt voller selbstbestimmter Geschlechter",
fuhr Dr. Barton fort, und tat so, als ob diese gesellschaftspolitische Relevanz ihn interessieren würde,
"und immer mehr Schwule, Lesben, Perverse, stellen Sie sich doch mal vor,
in dieser Welt würde das als normal gelten, man könnte Sie... Herr Graf, als schwul bezeichnen,
weil sie mit einem Butler alleine in ihrem Palais wohnen, und müsste sich noch nicht einmal dafür
rechtfertigen, die Journaille würde es noch nicht einmal verwerflich darstellen,
nicht einmal wenn sie, nur als Beispiel, darüber berichten, dass sie in einer Männersauna mit
Ihrem Butler gefeiert hätten.", Barton schoss seine Munition mit einem Schlag ab,
sich sicher seiend, die angeschlagene Fregatte nun damit manövrierunfähig zu machen.

Graf von Braunstein hatte gerade sein Glas in der Hand, er versuchte seine Augen hinter
dem Sherryglas zu verstecken, nahm einen Schluck, er wusste nun, das Barton gewonnen hatte.

"Gut, Herr Baron, solche Vorstellungen sind in der Tat äußerst unangenehm....",
von Braunstein griff seinen Sender, der seinen Buttler rief.

"Ich werde ihnen einen Scheck ausstellen, jetzt und hier," zusätzlich werde ich Ihnen zusagen,
unter Zeuge meines Butlers, in drei Monaten die gleiche Summe nachzuschießen,
sobald ich sehe, dass die erste politische Stimmung gesetzt wurde, die den Bau
der Autobahn verhindert.

"Ich wusste, dass ich mich auf sie verlassen kann, Herr Graf", war Barton beruhigt,
Stan`s Plan ging auf.

In diesem Moment öffnete der Butler die Tür.

"Sir, Sie wünschen?"

Der Graf stellte sein Glas langsam ab, drehte sich auf seinem Sessel zur Seite,
in Richtung Tür.

"Nur eine Kleinigkeit, ich möchte dass Sie anwesend sind, während ich diesen Scheck hier ausstelle,
und dass Sie Zeuge eines Versprechens werden, dass ich dem Baron heute abend geben werde.",
der Graf legte seine Zigarette in den Aschenbecher und griff zu einer daneben bereit liegenden
Dokumentenmappe.

"Sehr angenehm, nichts lieber als das Herr Graf, Sie wissen, dass ich für Ihr Wort immer bürgen werde."


weiter mit Kapitel 1.2.16
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