1.2.11 Lagebericht eines Konstrukt-Agenten

1.2.11 Lagebericht eines Konstrukt-Agenten

Postby JasminRheinhessen » Thursday 15. December 2016, 16:53

Dr. Barton sah sich wieder in seinem leeren Büro sitzen,
Gordon`s Glas stand noch auf dem Couch-Glastisch,
innerhalb der Sesselgruppe seines Zimmers.

Der Sessel indem er vorhin noch saß, war nun leer.
Aber das Problem, war immer noch in seinem Kopf,
als ob Gordon immer noch in seinem Sessel sitzen würde und sagen:
"...dass wir diese Selbstbestimmung nicht zulassen dürfen.
Um keinen Preis. Es gibt sonst kein zurück mehr."

Gordon machte heute einen fast hilflosen Eindruck,
so hat er ihn schon lange nicht mehr erlebt,
aber wenn er sich selbst ehrlich hinterfragt, ging es ihm nicht anders.

Er spürte, dass Gordon zu schwach war, seine Beziehungen als Staatssekretär
in Richtung Parlament waren zwar gut, aber er war nicht nachhaltig genug.

Barton entschloss sich, direkt Kontakt mit Stan aufzunehmen,
auch wenn das Gordon gegen ihn aufbringen würde,
wenn er es erfährt, ja sicher würde er es erfahren.

Barton scrollte eine Namensliste herunter und fand die Nummer von
Matthew Stannik-Morrison, den alle "Stan" nannten.
Es war kurz vor 15 Uhr, ein guter Zeitpunkt ihn noch unter
geschäftlichen Bedingungen zu erreichen.
Barton zögerte nicht, griff sein Phone und tippte die Nummer ein,
die noch nicht gespeichert war, es war sein erster Anruf,
sein erstes Gespräch mit "Stan".

"Morrison hier", tönte es als der Rufton verstummt war.

Gordon hatte schon oft von Stan erzählt, Barton wußte,
dass er sich nicht lange mit Floskeln aufhalten sollte,
da Stan solche Gespräche in der Regel einfach abbricht.

"Mr. Morrison, gut dass ich Sie erreiche, hier spricht Dr. Edward Barton,
Klinikumszentrum West, Gordon war heute Mittag bei mir,
er ist mein Informant".

Stan antwortete ohne zu zögern:

"Ah, der Herr Baron, Gordon war heute nicht sehr erfreut, ja,
ich musste ihm leider Neuigkeiten mitteilen,
es sieht nicht gut aus".

"Was ist denn passiert..." , versuchte Barton durch
gespielte Naivität Stans Redefluss weiter zu aktivieren.

"Die Orgas, die auf unserer Seite waren, geraten massiv unter Beschuss,
es geht um die Forderung um mehr Selbstbestimmung.
Geschlechtliche Selbtbestimmung, Sie wissen, was das bedeutet Herr Baron?!",
wollte sich Stan versichern, ob Barton`s Naivität nur rhetorischer Art war.

"Ja Stan.", wurde Barton jetzt auch persönlicher, kurz und direkt.

"Herr Baron, der globale androzistisch-sozialkulturelle Habitus wird redefiniert,
damit fällt unsere Definitionsmacht und wir verlieren Kapital in allen Bereichen,
ökonomisches, soziales, kulturelles, direkt an den Gegner.
Schlimmer noch, wir verlieren unsere darwinistisch geprägte Argumentationsbasis,
warum männliches auch in einer höheren Zivilisationsstruktur dominant sein darf,
wir verlieren die gesamte Konstruktion!",
Stan`s Stimme wurde am Schluss seines Berichtes lauter und vehement.

"Ja Stan.", wiederholte Barton seinen letzten Satz, der eher ein Zeichen war,
dass er noch zuhörte, als dass er Sinn ergab.

"Herr Baron, Sie wissen genausogut wie ich, dass unsere medizinisch gestützte
Argumentation eine Lüge ist, das wissen auch unsere Gegner!
Aber anstatt sie sich an unseren Machtstrukturen, unseren Lobbyverbänden reiben,
unterwandern sie diese einfach, interessieren sich nicht dafür,
sondern argumentieren mit Humanismus...das entwaffnet unsere Strategie,
führt zu einer beliebigen Identität, und in deren Verständis beliebigen Geschlecht.

Auch wenn dieses nur anfänglich auf sozialer Ebene im Diskurs bisher verhandelt wird,
ist das bereits der Zusammenbruch. Und ist dies vollzogen, werden sie mit Biologismen
uns dann den Rest geben, wenn wir bereits am Boden liegen, und sämtliche Vernetzungen
und Strukturen sich dieser neuen Geschlechtsdefinition gebeugt haben.
Allen voran die Medien. Sollten wir sie als Verbündete verlieren, verlieren wir....
...unsere Macht."

"Ja Stan. Unsere Abwehrmechanismen gegen fundierte Ergebnisse der Hirnforschung
werden dann auch kollabieren. Ich bekomme jeden Tag Ergebnisse geliefert,
meine Stellungnahme dazu muss ich vertagen, es werden jeden Tag mehr."

"Wenn das "Beliebigkeitsgeschlecht" kommt, Herr Baron,
verlieren wir unsere Verbündete, die Pharmaindustrie,
der Bedarf an Psychopharmaka wird drastisch zurückgehen.
Dazu kommt, dass keine moralische Hürde mehr existiert,
durch die Entpathologisierung, die Hürde,
die uns vor hohen Fallzahlen schützt,
es kommt zu einem Outing.... unseres Konstrukts."

"Mr. Morrison", wurde Barton wieder förmlicher,
"Gordon wird mir weiter berichten,
behalten Sie bitte vor allem den feministischen Diskurs im Auge,
hier werden sich auch wieder Gruppierungen zusammenschließen,
und sich geschlossen gegen das Konstrukt formieren,
wir werden dann in die Zange genommen."

Barton hatte keine Lösung von Stan erwartet, sein Ziel war es,
den Lagebericht von ihm direkt zu hören,
und auch strategisch Einfluss zu nehmen,
besonders sein Hinweis,
auf die Gefahr des nun neu zu definierenden Feminismus war ihm wichtig.

"Ja Herr Baron, ich konnte auch schon Veränderungen registrieren,
ich werde meine Untersuchungen im feministischen Feld vertiefen,
ich wünsche Ihnen einen schönen Nachmittag, Mr. Barton."

Stan wartete keine Abschiedsfloskel mehr ab.
Barton legte sein Phone neben seinen Aschenbecher.
Also doch, es zeichnete sich ja schon seit Jahren ab,
der Untergrund hat weitergearbeitet und bricht jetzt unvermittelt ein.

Er muß Braunstein aktivieren, die Medien müssen neu justiert werden,
wenn die Medien fallen, ist das Konstrukt am Ende.



weiter mit Kapitel 1.2.12
http://www.freeyourgender.de/forum/viewtopic.php?f=555&t=1125


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