Diskurse > wenn sie nicht geführt werden wollen

Diskurse > wenn sie nicht geführt werden wollen

Postby JasminRheinhessen » Tuesday 3. March 2015, 14:20

Einige haben sicher bemerkt, dass auf bestimmten Plattformen ernsthafte Diskussionen innerhalb
eines echten Diskurs nicht machbar sind

Vorraussetzung für einen sachlichen fruchtbaren Diskurs >

= auch der, der eine andere Meinung im Diskurs hat,
nimmt die andere Meinung an,
versucht sich in die Lage des anderen zu versetzen und bringt sachliche Gegenargumente,
verweigert den Diskurs aber nicht durch: Trollen, Polemik
und Abspielen seiner Statement-Schallplatte, ohne auf den anderen eingehen zu wollen.

Viele die bei ernsthaften Themen mitposten, wollen gar nicht diskutieren,
sondern den Thead zerstören, Mithilfe von Polemik, Trollen oder beides

Das führt zum Separatismus:
Diskurs-Lager ziehen sich in ihre eigenen Blogs zurück,
in denen sie hoffen, das Diskurs-Niveau so gestalten zu können,
dass der Diskurs wieder möglich wird
> wie ich das für mich mittlerweile seit einigen Monaten auch getan habe
> FreeYourGender ist aus dieser Flucht entstanden
> auch bei anderen konnte ich diese Reaktionen sehen, dass sie bestimmte Plattformen meiden

Das führt dazu, dass Communities, die eigentlich die Besten Vorraussetzungen für einen Austausch hätten,
da eine hohe Polarisation vorhanden ist für einen echten interessanten Diskurs,
diese dann für den Diskurs wegfallen.
Diese, meist großen Plattform, sind für Diskurse nicht zu gebrauchen,
manchmal ist ein kurzes Intermezzo möglich, dann zerfällt der Thread wieder zurück auf Stammtischniveau, sobald sich die kleine Gruppe an Trollen eingefunden,
den Thread entdeckt hat.

Es bleibt dann nur ein reiner Informationsaustausch von Neuigkeiten,
über die nicht diskutiert werden kann,
und es bleiben dann die themenfernen Threads,
für die die Community gar nicht die Teilnehmer hat,
da es für diese themenfernen Threads eigene Foren im Netz gibt,
die darauf spezialisiert sind.
Das ist ein Beweis, dass den Trollen nur daran gelegen ist,
themennahe Threads zu zerstören.

Es werden dann immer weniger themennahe Threads versucht,
weil man vorher schon weiß, dass die Diskussion nur von einer Minderheit überhaupt geführt werden will, die Mehrheit trollt diesen kaputt.

Die Steigerung der maximalen Diskursverweigerung ist dann,
dass themennahe Sachthreads, für die sich die Schreiber_innen Mühe gegeben haben,
vielleicht mehr als 30 Min zum Aufsetzen benötigen,
schon nach ein paar Minuten negativ beantwortet werden,
die antwortende Person also den Thread gar nicht gelesen hat,
geschweige sich Gedanken gemacht hat in der kurzen Zeit etwas sinnvolles und tiefgreifendes zu antworten.

Durch dieses Problem wandern Teilnehmer, die sich einen echten tiefen Austausch erhoffen von diesen Foren ab,
es bleiben nur noch die übrig, die das Forum als Stammtisch und Proll-Platz benutzen, ihre Zeit zu vertreiben,
und aufpassen, das Forenteilnehmer, die nicht deren Meinung vertreten -
Neuzugänge werden sofort darauhin geprüft,
keine Diskurse führen können, nicht einmal andere von ihren Meinungen berichten können.
Möglichst sollen diese von der Plattform verschwinden,
es wird alles getan, dass zu erreichen.

Sicher: Es gibt Themen, die sehr schwer überhaupt zu diskutieren sind,
weil sie die Verdrängungen des anderen aufbrechen,
aber dann sollen doch diejenigen, die nicht diskutieren wollen,
oder das können, weil es sie zu sehr schmerzt,
doch wenigsten den anderen die Chance lassen, es zu versuchen,
und Threads nicht regelrecht zertreten, weil der Thread und das Thema diese Menschen stört

Es sind meist nur ein Dutzend Mitglieder einer Plattform, die nichts anderes machen, als Threads und Diskurse zu verhindern, sie lauern auf neue Threads und machen es sich dann zur Aufgabe diesen Diskurs zu intervenieren.

Das Forum/die Plattform wird somit für Diskurse nicht mehr nutzbar.

>Meinungs-Gruppenbildungen innerhalb dieser Foren in eigenen Gruppenthreads:
Es gibt Foren die bilden die Möglichkeit an, sich selbst Gruppen zu eröffnen:
Diesen Gruppen werden dann bestimmte Meinungen übergeordnet,
wer nicht dieser Meinung ist, oder etwas anderes sagt,
darf nicht in diese Gruppe.
Diese homogenen Gruppen sind nicht für Diskurse geeignet,
da sie den Diskurs bereits im Vorfeld durch ihre Agenda geführt haben, indem sie nach dieser Agenda Gruppenmitglieder auswählen und legitimieren, ob sie mitmachen dürfen oder nicht.
Ein Diskurs lebt aber von hoher Polarisation, diese ist in opportunen homogenen Gruppen,
in denen Mitglieder mit anderen Meinungen sofort wieder ausgestossen werden,
nicht möglich und nicht gewollt.
Gruppen ersetzen somit kein Forum, das keine Diskurse ermöglicht.

Plattformen, die maximale Polarisation und Diskurse möglich machen,
sind die Grundvorraussetzung für den Austausch verschiedener Meinungen.

Eine Plattform, die zwar kein Meinungsdiktat hat (wie z.B. eine homogene Gruppe mit einer bestimmten Agenda dieses hat),
aber die Plattform den Trolllen überlässt,
wird dann mangels Kontrolle von Trollen okkupiert,
und die unausgesprochene Agenda installiert:
"Hier sollen keine Diskurse möglich sein."
Und: Wir (die Trolle) haben jeden Tag dafür zu sorgen,
dass diese Plattform weder Diskurse noch Meinungen zulässt,
die nicht unserer entspricht.

Mittel:
Trollen, Stören, Polemik in Sachthreads anbringen,
Diskutanten falsch darstellen, das Wort im Mund herumdrehen,
für dumm verkaufen, persönlich werden, persönlich angreifen,
obwohl es sich um einen Sachthread handelt, verletzen,
zigfaches Quoten von langen Texten, dass Threads mit Mobile-Geräten nicht mehr nutzbar werden, beantworten von monatealten Threads,
nur um diese in die Topliste zu bekommen und andere Threads wegzudrücken, nutzen von Mehrfachaccounts, ansprechen von Mitgliedern mit realen Vornamen, der dem falsch zugewiesene Geschlecht entspricht,
verwenden von Beleidigungsfloskeln, die das Geschlecht des anderen verleugnen, gerade im T-Diskurs dann sehr verletzend, anonymes Posten ohne Avatarbild, was erstmal kein Problem darstellt, aber in Verbindung mit dem Stören der Threads dann zur Maxime wird.
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Re: Diskurse > wenn sie nicht geführt werden wollen

Postby Rosi » Wednesday 4. March 2015, 22:37

Ja, Jasmin, sehr trefflich dargestellt.

Neben solchen "Trollaktivitäten" ist es teilweise sogar so, dass ein
komplettes Forum zur "Gruppe" erklärt wird und bestimmte Meinungen
übergeordnet werden. Wer nicht dieser Meinung ist oder etwas
anderes sagt, fliegt aus dem Forum.

Nüchtern betrachtet, stellen diese Mechanismen einen "Selbstreinigungseffekt"
dar. Denn er zwingt in seiner Konsequenz, diskussionsinteressierte Menschen
dazu, sich andere, für den Austausch offene Möglichkeiten zu suchen.

Wichtig ist hier nur, die Situation zu erkennen und entsprechende Initiative
zu ergreifen.

Auch denke ich, dass es solchen "Trollen" gar nicht zielgesteuert um das
torpedieren von Diskussionsthemen geht. Da würde man zu viel strukturiertes
Handeln voraussetzen.

Nein, solche Menschen sind nicht in der Lage, mit "anderer Meinung" umzugehen.
Entweder weil sie es nie gelernt haben, eine Diskussionskultur zu pflegen, oder
weil sie schlicht aus unzulänglicher Selbstwertschätzung ständig einem unbefriedigten
Profilierungsstreben nachgeben müssen.

Dabei ist es so einfach, zwei Meinungen gelten zu lassen ;-)

Liebe Grüße
Rosi
Ich bin zwar "weich", aber darin bin ich "knallhart"
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Re: Diskurse > wenn sie nicht geführt werden wollen

Postby JasminRheinhessen » Wednesday 4. March 2015, 23:54

Ja - oft ist es tatsächlich nur mutwilliges Zerstören des Threads,
ohne strukturiertes Handeln einer bestimmten Gruppe,
nur um sich eben auch in den Vordergrund zu bringen
durch Bashing - vielleicht auch um Frust abzubauen.

Auf Travesta - als Beispiel - sieht es bei bestimmten Themen aber so aus,
dass hier eine bestimme Gruppe wie Du schreibst das Forum zu ihrem Gruppenforum macht,
das beobachte ich schon seit Jahren,
daher habe ich dort aufgegeben, Diskurse zu führen, erwarte diese auch nicht.
Zwichendurch schreibe ich ein paar Artikel, um zumindest den Neuzugängen
ein paar Rauchsignale zu geben, dass es noch Das "Thema" dort gibt,
was ja eigentlich das Portal besetzen sollte.

In FYG wurde auch ein Thread dokumentiert,
http://www.freeyourgender.de/forum/viewtopic.php?f=240&t=183
diese Art Threads gibt es fast an jedem Wochenende,
schade, denn Travesta ist auch durch Google zu erreichen,
das Thema strahlt somit sehr "unvorteilhaft", um es milde auszudrücken,
in die Öffentlichkeit.

Ein Grund mehr, sich im Internet über Facebook, Twitter und Social Media Gehör zu verschaffen,
dass solche Medien wie Travesta, die fast gänzlich den Trollen überlassen werden,
nicht omnipräsent nach außen wirken.
Travesta wird nicht moderiert, hilft sich nur durch gelegentliches Löschen von Threads,
am Wochenende herrscht dort nahezu Narrenfreiheit.

'Denn auch wenn es dort eher privat zugeht, politisch ist die Wirkung allemal.

Kate Millet: "Das Private ist politisch"
http://de.wikipedia.org/wiki/Kate_Millett
http://de.wikipedia.org/wiki/Politik_der_ersten_Person
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