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in einer Leistungsgesellschaft stören menschliche Gefühle

PostPosted: Tuesday 23. October 2018, 11:35
by JasminRheinhessen
High-Sensitive-Person. Unglaublich, es wird geschrieben, dass es kein Problem wäre. Na danke.
Wäre aber etwas ähnliches wie ADHS. Soll ich mich darüber jetzt freuen? Wie krank ist das denn?
Warum muss erklärt werden, dass Gefühle keine Störung sind. Und beteuert, dass Gefühle zu haben,
kein Problem wären. Achso. Zuviel Gefühle könnten ein Problem werden. Kann ich denn nicht genug
davon haben, was wir Gefühle nennen? Ist Abgestumpftsein dasjenige, was wir anstreben sollen,
um ja nicht in eine "Problemzone" zu kommen?

Ja - es werden positive Eigenschaften von HSP beschrieben, aber nur deshalb, damit Menschen, die mit diesem "Problem" zu tun haben, sich besser fühlen. Das Problem ist nicht der Mensch, der noch nicht alle Sinne und Sinnlichkeiten verloren hat,
sondern die Gesellschaft.

Warum gibt es keine Hilfe-Webseite für empathielose Ellenbogenmenschen, und warum wird Kälte und unmenschliches Verhalten, wie es auch von Behörden jeden Tag angewandt wird, also nicht nur von Menschen, sondern qua Gesetz, als Problem nicht auch auf einer Webseite dargestellt?

empathielos.net (EKM = empathielose kalte Menschen)
unmenschlichebehoerdengesetze.net (UBG)

Das wären die richtigen Seiten, und das sind die wahren Probleme - sie sind aber in einer Leistungsgesellschaft immanent,
in einer Gesellschaft des Raubtierkapitalismus. Das müsste als Problem dargestellt werden.
In solchen Gesellschaften sind freilich sensible Menschen ein Problem. Die Grünen haben 18% bekommen in Bayern. Das war 2018 die Sensation. Die sind das Problem. Aha. Zuviel sonnenblumige Gefühle.
Aber nicht eine autoritäre, abgrenzende, Ellenbogen-C D U C S U F D P und seit SChröder auch S P D,
die die nach oben lässt, die am besten nach unten treten. Die Krieg befürworten, Waffen liefern, sich am Blut anderer bereichern. Igitt. Wer wählt solche Menschen. Die Wohlstand und Stabilität mit Leichen erkaufen?
Denen die Probleme der alleinerziehenden Frauen, die Umwelt, das Bienensterben, der Rückgang der Artenvielfalt,
die Pestizide in unserer Nahrung, die Menschen, die an der Tafel anstehen, egal sind.
Schwule und Lesben sollen sich integrieren, sollen mit dem zufrieden sein, was sie erreicht haben.
Alle aus dem System gefallenen, die sind selbst dran schuld, und müssen sich eben anpassen.
Wie sagte Peter Tauber, damals Pressesprecher der C D U: Hätten Sie was ordentliches gelernt, säßen sie nicht auf der Straße. Wie mag das für eine Alleinerziehende klingen, die wegen Streßsymptomen durch Doppelbelastung auf der Straße sitzt, oder durch Scheidung? Oder Alexander Dobrindt, damals Generalsekretär der C S U : Schwule und Lesben sind eine "schrille Minderheit". Das sind die wahren Probleme der Gesellschaft, aber nicht Menschen, die noch ihre Gefühle noch immer nicht abgelegt haben, in einer Welt, die Werteumkehr betreiben muss, um Raubtierkapitalismus zu legitimieren.
Um konservativ-patriarchale Unterdrückung gegen Frauen und nichthetero zu legitimieren. Unsere antiautoritäre Erziehung der letzten 20-30 Jahre bringt doch nun genau das hervor: Es werden Menschen nicht gänzlich zerstört, sie können in ihrer naturgegebenen Sensibilität bleiben. Diese erhalten. Eine Kindererziehung hatte immer das Ziel, den Willen des Kindes zu brechen. Dies stand offiziell in den Schulplänen der Kaiserzeit (Prügelstrafe). Das Wort Erziehung sagt es ja bereits. Erziehung. Ja zu was denn? Am Anfang ist immer Erziehung, am Ende hoffentlich, bei erfolgreicher Erziehung erhalten wir das gewünschte Produkt. Das was vorher da war, ist unerwünscht. Thematisiert wurde diese schwarze repressive Pädagogik im 2. Teil der Trilogie von "Another Brick in the Wall" von Pink Floyd auf The Wall. Eines der bekanntesten Stellen dieses Jahrhundertwerkes ist die Textzeile: "We don't need no education" - Wir brauchen keine Erziehung. Warum sollen Wille und eigenes Denken gebrochen werden und dem Gehorsam weichen? Untertanen, Sklaven, williges Arbeitsvolk oder Soldaten, immer ist es störend, wenn diese Rädchen eines Systems eigenes Gedankengut haben. Gefühle befördern eigenes Gedankengut - eigene Meinungen. Diese werden mit Sozialgesetzen eingezuckert, aber die bittere Quaste bleibt den
Erzogenen trotzdem im Halse stecken. Kinder werden "abgerichtet", wie ein Tier bei einer Dressur. Die böse Kindsnatur,
die nichts anderes als Freiheit des Individuums bedeutet, wird mit einer Ohrfeige für Aufsässigkeit geschlagen. Es ist nicht lange her, als Eltern noch befugt waren, ihre Kinder zu schlagen, sie taten es den Lehrern gleich, auch der Pfarrer im Dorf hatte Erziehungsbefugnis, oder wichtige andere "Männer", wie der oberste Dorfherr oder Arzt. Dass diese "Ämter" in früherer Zeit in Männerhand lag, war kein Zufall. Diese sorgten dafür, dass vor allem Jungen nicht aus der Reihe tanzten, Frauen gestand "man" mehr Gefühle zu, aber nur soviel mehr, wie es den Herren angenehm war. Die Dienerin, die der Altherrenrunde den Tee reichte, sollte ja noch lächeln können. Das Patriarchat ist die lebenslange "Erziehung" der Frau, ihren Willen, ihre selbstbestimmte Sexualität, ihr Gefühl für ihren Körper (Klitorisbeschneidung), ihre Art wie sie ihren Körper präsentieren darf (Kleidungsvorschriften), ihr Verhalten (Schamgefühle die anerzogen werden) über Moralnormen (eine Frau verhält sich nicht so) zu brechen. Machomänner sind Männer, die mit ihrem Männlichkeitsgehabe ihre inneren weiblichen Anteile verdrängen müssen, weil sie sonst für sich Nachteile in der Männergruppe erfahren würden, das ist eine andere Form von HSP-Bekämpfung. HSP ist sozusagen ungewünscht. Wird nur bei Frauen toleriert,
und sie ist dann aber zumindest die Heulsuse. In unserer kranken Gesellschaft ist zuviel Gefühl zu haben hinderlich,
wenn es darum geht, sich ein schönes Leben zu bereiten. Mit dem Strom schwimmen, opportun zu sein, Missstände mitzutragen, dazu braucht es Gefühllosigkeit, wehe dem, der daran zerbricht. Der Sex des Machomannes ist das gefühlloseste, was sich eine Frau vorstellen kann, dieser Sex wird dann in Machokreisen als hochwertig verteidigt.
Er garantiert die maximale Zielerfüllung, die Unterdrückung der Frau und die maximalen Gefühle eines Herrn, der über ihr steht. Sexuelle Perversion in ihrer Vollendung. Die Frau auf dem Stand eines Tieres, dass die Peitsche bekommt.
Wie krank und gefühllos muss ein Mann sein, wenn er dadurch erregt wird. Dieses Verhalten ist ein Spiegelbild patriarchaler Gesellschaft. Das Genießen dieser Frauenbehandlung ist das Ergebnis perverser autoritärer Kindererziehung, die der Ausbildung eines Soldaten in einer Kadettenschule gleicht. Bis in die 1970er Jahre waren "Schläge im Namen des Herrn" durch religiöse Alibisierung legitim. Erziehungsheime glichen einem Kindergulag. Das Ergebnis waren Bürger, die wie Soldaten auf Gefühlslosigkeit geeicht wurden. Auch ein Soldat sollte im besten Falle Befriedigung erfahren, wenn er Gewalt verübt. Dann bleibt er verschont von Traumatisierung. Bayern war das Schlußlicht. Erst 1983 wurde in Bayern das Schlagen von Kindern in Schulen kategorisch verboten. Erst im Jahr 2000 wurde das Züchtungsrecht der Eltern abgeschafft. Wenn eine Gesellschaft Methoden entwickelt,
um sich selbst abzustumpfen, haben wir einen Totalitarismus der Gefühlslosigkeit.

Salammbo, Band 1