1804 - Code Civil - Napoleon Bonaparte

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JasminRheinhessen
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1804 - Code Civil - Napoleon Bonaparte

Beitrag von JasminRheinhessen » 05 Okt 2014, 20:23

Zitat Wikipedia:

Gemäß den wesentlichen Forderungen der Französischen Revolution
(Liberté, Egalité, Fraternité – Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) –
garantierte der Code civil allen männlichen Bürgern:

Freiheit für jeden
Gewerbefreiheit und freie Berufswahl
Abschaffung des Zunftzwangs
Gleichheit vor dem Gesetz
vollkommene Trennung von Staat und Kirche (Laizismus)
Schutz des Privateigentums
Schaffung der juristischen Basis für die Marktwirtschaft
Aufzeichnung von Geburten und Todesfällen (Personenstandswesen)


Zitat Ende

Quelle:
http://de.wikipedia.org/wiki/Code_civil


Nun, es ist doch interessant:
Ein für damalige Verhältnisse revolutionäres "Zivilrecht",
das hier von Napoleon Bonaparte ins Leben gerufen wurde.

Und ja - es enthält, ganz im Zeichen der französischen Revolution
die Wörter Freiheit, stark verknüpft mit Menschenrechten,
jeder sollte Anteil nehmen können an dem kostbaren Gut,
was doch immer durch (Adels)Hirarchien eingeschränkt war.

Aber so selbstverständlich, wie der Code-Civil die Maxime Freiheit nach vorne bringt,
so selbstverständlich läßt er die Frauen zurück,
als ob diese kein Recht hätten, auf dieses von allen erkämpfte Glück,
das doch nach der Revolution nun auch auf Papier gebracht und in Gesetze formuliert werden sollte.

Nein, Frauen, nein, diese sind hier nicht gemeint, wenn es um diese Freiheit geht,
die Gesetze sprechen nur den "männlichen Bürger" an.
Und diese Selbstverständlichkeit, das hier nur die Männer gemeint waren,
und es ein Affront war, wenn eine Frau es nur wagte, dies zu hinterfragen,
drückt das Patriarchat deutlichst aus.

Eine Frau hatte keinen Schutz verdient, und braucht diesen auch nicht.
Keine Gesetze und auch keine Freiheit, wozu auch ?
Sie war es nicht einmal wert, als gleichwertiger Mensch neben dem Manne zu gelten.

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Das sollte nur für Männer gelten. Perfide.
Aber so war es schon hunderte Jahre zuvor und niemand wunderte sich darüber.

Die "Zivilehe" wurde als Errungenschaft in Gesetzestexte gegossen,
und ja, da hier ja die Frau "beteiligt" war,
genügte es nicht sie einfach zu ignorieren, wie in den wichtigen
allgemeinen Freiheitsformeln die man heute unter Menschenrechte einordnet,
sondern hier musste per Gesetz dafür gesorgt werden,
was die Frau darf und nicht darf, vor allem tun musste, und zu lassen hatte.

Im Eherecht wird unmißverständlich die dominierende und privilegierte Stellung des Mannes manifestiert.
Und hier wird verbalisiert, was durch die Ignoranz der Freiheitsformeln, die nicht für die Frau galten,
latent und indirekt gesagt worden ist: Der Mann ist der Herr, die Frau seine Sklavin.
Auch im Erbrecht, in der privilegierten Behandlung der männlichen Nachkommen der legalen Ehe,
wird dies deutlich. Und ja - wer sich nicht an die "Regeln" hält, hat auch keine Rechte.
Die Regel war die Form der Ehe, mit der Frau als Sklavin.
Nachkommen, aus anderen Gemeinschaften, also ohne Ehebündnis, auch männlichen Geschlechtes,
waren rechtlos und nicht Nutznießer dieses Erbrechts.

Der Code Civil war eine Manifestierung des Patriarchat, direkt und indirekt,
indem darin das bestätigt wurde, was als selbstverständlich erachtet wurde:
Die Rechtlosigkeit der Frauen.
Und neue Gesetze, die die Frauen mitbetrafen, wurden direkt so formuliert,
das keine Zweifel aufkommen konnten.

Der Code Civil hat bis in die Gegenwart das "Bürgerliche Gesetzbuch" in Europa geprägt,
das es ein patriarchisches Gesetzbuch ist, das die dominanten Beziehung des Mannes zur Frau
bestätigte, die männlichen Normen, Werte, Verhaltensmuster des Mannes als alleingültig
repräsentierte und die männliche Macht über die Frau kontrollierte,
war unumstößlich "normal" und "selbstverständlich" und sollte erst Ende des 19 Jhd.,
als Frauenrechtlerinnen auf die Straße gingen, in Europa und USA, in Frage gestellt werden.

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"Amaryllis"
John Williams Godward
1861-1922



Indizes:
Patriarchat - FYG0011


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