Genderkommunikation über Kleidung, Outfit, Mode

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Carol Rose
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Genderkommunikation über Kleidung, Outfit, Mode

Beitrag von Carol Rose » 28 Jul 2022, 17:20

Dieser Artikel
vom Juni 2021 drückt das aus, was ein Kernthema im Diskurs von antipatriarchaler Kleidung ist -
hier im Artikel wird es unter dem Label Queerness erörtert - für mich aber ist das nichts anderes, als sich nicht mehr
an die Regeln des Patriarchats zu halten - das gilt noch mehr für Männer wie für Frauen, die hier schon mehr Freiräume erorbert haben,
Frauen in Hosen sind heute völlig normal, Männer in Röcken in gleicher Weise ganz und gar nicht.
Verlässt Du also die ungeschriebenen Gesetze patriarchaler Kleidungsregeln (kurze Hosen bei Männern haben eine maximale Kürze,
die gefälligst gerade noch das Knie zeigt, aber nicht mehr...) wirst Du unvermindert Blicke kassieren, in einzelnen Fällen sogar einen Spruch.
Auf jeden Fall wirst Du auffallen.
Die Gender-Regelung wird über Äußeres verhandelt, auch die Farben werden zugewiesen: rosa für weiblich, blau für männlich. Frisuren, Ausschnitte bei T-Shirts - auf welcher Seite die Knopfleiste sitzt, ob Taschen vorhanden sind - alles wird der binären patriarchalen Welt zugewiesen,
durchbrichst Du das Ganze - brichst Du mit diesen Regeln, brichst automatisch auch mit dem Patriarchat, dass diese Regeln braucht,
um Männlein und Weiblein brav in ihren Gehegen zu halten und abzusortieren. Denn wenn diese Trennung mit ihren dazugehörigen Codes und
Erkennungszeichen fällt, fällt auch das Patriarchat. Im körperlichen ist der Penis das Wichtigste Erkennungsmerkmal für männlich.
Meiner Meinung nach war das der eigentliche (patriarchale) Grund, warum in Deutschland bis 2011 Menschen mit Penis, die sich juristisch einen weiblichen Personenstand geben wollten, operieren lassen mussten - also dieses Merkmal musste weg, erst dann konnten sie zur unterdrückten patriarchalen Gruppe - den Frauen - wechseln.
Zurück zur Kleidung: Ich finde diesen Artikel sehr schön geschrieben und interessant, die Menschen schreiben von ihrem Kleidungsstil und es kommt
immer wieder zum Vorschein: Die Formulierung der Befreiung - das Ausdrücken des abschüttelns von Regeln. Das Finden der eigenen Insel in der
lediglich binären Gesellschaftswelt durch Verlassen der schwarz-weißen Regelwerke um damit Zwischenstufen und Buntheit zu erzeugen.
Kleidet euch wie ihr wollt, verlasst Konformität, die mit Kleiderregeln ausgehandelt wird. Damit werdet ihr lesbar als Menschen, die sich diesen Regeln
nicht länger unterwerfen wollen und für andere Menschen werdet ihr sichtbar, die sich ebenfalls dann auf dem Weg machen sich zu befreien - weil ihr diesen Menschen wiederum Mut macht und es entsteht eine Bewegung.
Hier sind besonders die Männer aufgefordert, sich zu befreien. Die Frauen sind schon vorgeprescht, sonst hätten sie noch die Kleiderordnung von vor dem 1. Weltkrieg, z.B. Röcke bis zum Boden und Haare müssen lang bleiben. Das Patriarchat braucht diese Binärität, "Zwischen" löst das Patriarchat auf, denn dann ist nicht mehr festgelegt, wer Unterdrücker und zu Unterdrückende sind.

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George Sand
Das Bild dürfte um 1840 entstanden sein - Fotografie war erst seit ca. 10 Jahren (1830) möglich,
George Sand und Frédéric Chopin wurden 1838 ein Liebespaar, hier ergänzten sich ihre männliche und meiner Meinung nach seine weibliche Seite.
Das Bild illustriert nicht nur das Brechen mit weiblicher Kleidung, sondern auch mit weiblichen Verhalten, in der Öffentlichkeit zu rauchen war
für Frauen ein No-Go (genau wie Alkohol trinken) - George legte sich mit George also nicht nur einen männlichen Namen zu, sondern
verhielt sich auch wie sie wollte und provozierte die Konformität - lange vor Marlene Dietrich in "Der blaue Engel", ein 1930 gedrehter UFA Film, der auch vom "Crossdressing" Marlenes profitierte und dadurch Aufsehen in den Kinos erregte. Mit Frack, Hut und der Zigarette in der Hand wurde Marlene automatisch zum Befreiungssymbol aller Frauen, die aus dem Patriarchat ausbrechen wollten.

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Einen ähnlichen Effekt erzielte Louise Brooks kurz vorher auf der Berlliner Leinwand durch ihre Androgynität. Ihr bubenhafter Körper wurde durch ihre Kurzhaar-Frisur (Bubikopf) noch verstärkt - zu dieser Zeit Ausdruck einer Revolution.

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